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Leise Lieder und laute Proteste

Görlitzer Siemensianer wehren sich gegen das Ende

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Die IG Metall setzt weiter auf Proteste gegen die Schließung des Görlitzer Turbinenwerkes und erteilt Gesprächen mit Siemens über die konkrete Umsetzung der Konzernpläne eine Absage. »Es wird nicht verhandelt«, betonte Jan Otto, der Erste Bevollmächtigter der Metallgewerkschaft in Ostsachsen. Zwar habe man in Unterredungen mit der Arbeitgeberseite eingewilligt. Dabei handele es sich aber allenfalls um »Gespräche, die Sondierungen vorangehen«. Verhandlungen könne es erst geben, »wenn die Drohungen vom Tisch sind«.

Siemens hält derweil an Plänen fest, das Görlitzer Werk zu schließen, und zwar »voraussichtlich in fünf Jahren«. Das sagte Willi Meixner, Chef der »Division Power und Gas« des Konzerns, in einem Interview mit der »Sächsischen Zeitung«. Er räumte ein, dass es Görlitz »besonders hart« treffe; es werde aber auch Einschnitte an anderen Standorten geben. Meixner verwies auf einen Preisverfall bei Industrieturbinen, wie sie in Görlitz hergestellt werden. Diese kommen vorwiegend nicht in Gas- und Kohlekraftwerken, sondern etwa in Solar-, Biogas- oder Anlagen zur Meerwasserentsalzung zum Einsatz. Seit etwa einem Jahr gebe es einen »dramatischen Rückgang der Aufträge und einen Preisverfall auf dem Weltmarkt«.

Die Belegschaft in Görlitz will eine komplette Schließung aber nicht akzeptieren und verweist auf volle Auftragsbücher. Ihren Forderungen will sie mit leisen wie mit lauten Protesten Nachdruck verleihen. In der Adventszeit sind nach Angaben der IG Metall eine Lichterkette um das Werk sowie zwei Weihnachtsliedersingen geplant: einmal in Görlitz und einmal vor der Konzernzentrale in München. Man wolle in der Zeit vor Weihnachten »allen die Möglichkeit zur Besinnung und Siemens die Möglichkeit geben, die Planungen zur Werksschließung zu überdenken«, sagte Otto der Nachrichtenagentur dpa. Für den 19. Januar ist dann eine Großdemonstration geplant. Dem »nd« sagte der Gewerkschafter, er hoffe auf eine noch größere Teilnehmerzahl als bei einer Menschenkette, die vor zwei Wochen stattfand und bei der rund 2000 Menschen einen symbolischen Brückenschlag zwischen den Werken von Bombardier und Siemens vollzogen.

Unmut herrscht in der Lausitz auch angesichts der Tatsache, dass mit der Abwicklung des Werks in Görlitz womöglich Standorte im Westen gestärkt werden sollen. Die Rede ist von der Verlagerung von Teilen der Produktion nach Mühlheim. DGB-Regionalchefin Dana Dubil hielte das für falsch; notwendig wäre eher ein Transfer in entgegengesetzter Richtung. »Ich erwarte jetzt auch westdeutsche Solidarität, um das Werk hier zu erhalten«, sagte sie gegenüber »nd« und fügte an: »Wir haben ja hier kaum etwas anderes.« hla

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