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Mit Pathos an die Spitze

Wie Robert Habeck neuer Grünen-Bundesvorsitzender werden will

  • Von Dieter Hanisch
  • Lesedauer: 3 Min.

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Als stellvertretender Ministerpräsident im nördlichsten Bundesland beherrscht Robert Habeck (Grüne) die Rolle des staatstragenden Politikers. Entsprechend ernst, zwischen staatsmännisch und visionär, tritt er in Kiel einen Tag nach Bekanntgabe seiner Kandidatur für den Bundesvorsitz der Grünen vor die Presse. Er sehe sich in erster Linie als politischer Mensch und weniger als Minister, setzt er mit Blick nach vorn einen persönlichen Schwerpunkt für die aktuell anstehende politische Karriere. Als müsse er sich für seine Kandidatur rechtfertigen, wirkt der 48-Jährige zwar einerseits voller Tatendrang ob einer großen Aufgabe, andererseits zeigt seine Gemütslage eine gewisse Zerknirschtheit, weil er mit dem Gedanken spielt, sein Minister-Dasein aufzugeben.

Als habe er eine wegweisende Partei-Mission zu erfüllen, hat er sich nach dem Scheitern der Jamaika-Sondierung auf Bundesebene entschieden, sich Ende Januar bei der nächsten Bundesdelegiertenkonferenz für den Vorsitz und damit die Nachfolge von Cem Özdemir zu bewerben - ein Umstand, den er in den vergangenen Wochen immer von sich gewiesen hatte. Jetzt redet Habeck im Stile eines französischen Staatspräsidenten Emmanuel Macron geradezu beschwörend auf die Parteibasis ein, will keineswegs Lager und Flügel in den Vordergrund rücken, sondern eine vorwärtsgewandte, verantwortliche Rolle in der politischen Landschaft einnehmen, wo speziell in der Mitte eine Leerstelle klaffe. Man müsse die Menschen in der progressiven Mitte abholen, die liberale Linke abbilden und wieder zur attraktiven Bewegungspartei werden, zählt er mit reichlich Pathos die Herausforderungen auf, denen sich die Grünen aus seiner Sicht mit einem Angebot stellen müssen.

Eine Werbetour durch alle Landesverbände werde er sich in den nächsten Wochen allerdings nicht antun, geht er von einem inzwischen ausreichend gereiften Bekanntheitsgrad aus, was seine Person betrifft. Für die ostdeutschen Landesverbände seien bei einem verstärkten Klima politisch autoritärer Strömungen die Antworten zu einem sich vollziehenden Wandel dringlicher, eine positiv wie progressiv besetzte Heimatdiskussion wohl eine Möglichkeit, sich gesellschaftlich besser aufeinander zuzubewegen.

»Aber noch bin ich ja gar nicht gewählt«, bremst Habeck jegliche Euphorie wie Aufgeregtheit. Erst wenn eine Satzungsänderung mit künftiger Erlaubnis von Amt und Mandat seitens der Grünen beschlossen wird, kann die Habeck-Kandidatur überhaupt greifen, denn der Multiminister in Schleswig-Holstein, der auch für Landwirtschaft, Energiewende, Fischerei und Digitalisierungsoffensive verantwortlich zeichnet, bittet sich aus, sein Ministeramt erst nach einem Jahr abzugeben, weil er dort einfach noch zu viele auf den Weg gebrachte Dinge voran treiben und seine Nachfolge einarbeiten möchte.

Schleswig-Holsteins Ministerpräsident Daniel Günther (CDU) würde einerseits den beabsichtigten Weggang Habecks aus seinem Jamaika-Kabinett bedauern, lobt diesen aber zugleich, indem er betont, dass Berlin dann einen guten politischen Brückenbauer gewinnen würde.

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