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Drohnen gegen Überstunden

  • Von Susanne Steffen, Tokio
  • Lesedauer: 2 Min.

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Im Tiefflug schwirrt eine Drohne durch die Büros über die Köpfe der Mitarbeiter hinweg. Zusätzlich zum Rotorenlärm dröhnt das schottische Volkslied »Nehmt Abschied, Brüder« aus eingebauten Lautsprechern. Eine unmissverständliche Aufforderung an alle fleißigen Firmen-Samurai, jetzt endlich nach Hause zu gehen, finden die Entwickler der japanischen Sicherheitsfirma Taisei, welche die Anti-Überstunden-Drohne zusammen mit einem Drohnenhersteller und dem Telekom-Giganten NTT East entwickelt hat. Schließlich komplimentieren auch so ziemlich alle japanischen Geschäfte, Restaurants und Einkaufszentren ihre Kunden mit dieser Melodie bei Ladenschluss hinaus. Wenn die Drohne im nächsten Frühling zunächst firmenintern getestet wird, soll sie auch mit einer Kamera ausgestattet werden, damit das Wachpersonal von einem Kontrollraum aus in Echtzeit überprüfen kann, wie gut die Maßnahme wirkt. Eine Gesichtserkennungssoftware soll darüber hinaus helfen, mögliche Einbrecher zu identifizieren.

Fraglich ist allerdings, ob die Drohnenbeschallung die tief verwurzelte Arbeitskultur verändert, in der es undenkbar ist, vor dem Chef das Büro zu verlassen, und in der bei der Arbeit vor allem Quantität honoriert wird. »Die Drohne ist Unsinn«, sagt Seijiro Takeshita, Managementprofessor an der Shinzuoka-Universität. »Das ist nur ein Versuch, nach außen zu demonstrieren, dass man etwas tut«, ergänzt der Betriebswissenschaftler. An den japanischen Arbeitszeiten, die zu den längsten der Welt gehören, werde die Drohne wohl nichts ändern. Umfragen zufolge lässt ein Viertel aller japanischen Unternehmen vorwiegend junge Berufseinsteiger 80 und mehr Überstunden im Monat machen - oft sogar unbezahlt. Ab 80 monatlichen Überstunden sieht die Regierung offiziell Gefahr für Karoshi (Tod durch Überarbeitung).

Der Staat sieht sich zunehmend unter Druck, die traditionelle Arbeitskultur aufzubrechen. Anfang des Jahres wurde der sogenannte Premium Friday eingeführt, damit die Unternehmen ihre Mitarbeiter zumindest am letzten Freitag des Monats schon um 15 Uhr in den Feierabend entlassen. Medienberichten zufolge war die Aktion ein Mega-Flop. Einige dieser Anti-Karoshi-Maßnahmen klingen in westlichen Ohren befremdlich. So schalten einige Unternehmen mittlerweile die Bürobeleuchtung um eine bestimmte Uhrzeit ab. In der Verwaltung des Tokioter Stadtteils Toshima gehen um Punkt 19 Uhr die Lichter aus. »Wir wollten ein deutlich sichtbares Zeichen setzen«, sagt Abteilungsleiter Hitoshi Ueno, der die Anti-Karoshi-Maßnahmen koordiniert.

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