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Wie öko ist der Beutel?

Stofftaschen müssen oft benutzt werden, damit es sich fürs Klima lohnt

  • Von Khang Nguyen und Lisa Forster
  • Lesedauer: 3 Min.

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Die meisten Geschäfte geben Plastiktüten inzwischen nur noch gegen Geld aus, und preisen umweltfreundlichere Alternativen an. Ein beliebtes Angebot ist der Stoffbeutel: Nicht nur nachhaltig, sondern auch noch hip. Witzige Sprüche wie »Meine andere Tasche ist von Chanel« oder »Bitte nicht schubsen: Ich habe einen Joghurt im Beutel«, zieren manche der Baumwolltaschen, die umgangssprachlich auch als Jutebeutel bezeichnet werden.

Dass in der scheinbar so wenig glamourösen Textiltasche manches Potenzial steckt, hat auch der Einzelhandel entdeckt. »Die Bio-Tasche: der nachhaltige Hingucker mit Pfandfunktion«, heißt es etwa bei der Karlsruher Drogeriekette dm. Für zwei Euro können sich Kunden in den Filialen eine der bunten Stofftaschen kaufen und jederzeit bei Bedarf gegen eine neue umtauschen. »Die Beliebtheit unserer Bio-Taschen hat uns nicht überrascht, denn nachhaltige, wiederverwendbare Taschen liegen im Trend«, sagt dm-Geschäftsführer Christoph Werner. Konkrete Zahlen nennt das Unternehmen aber nicht.

Einer der Hersteller, der die Taschen für dm produziert, ist das Sozialunternehmen Manomama. Die Augsburger beliefern unter anderem auch den Lebensmittelhändler Edeka mit Stoffbeuteln. 2016 habe man knapp drei Millionen Stück verkauft, sagt Geschäftsführerin Sina Trinkwalder - und damit rund 80 Prozent des Umsatzes gemacht. Nicht genug für dm: Der Drogeriemarkt musste seine Produktion auf Indien ausweiten. Zu groß sei die Nachfrage gewesen.

Dass Baumwolltaschen derzeit im Trend sind, bestätigt auch die Gesellschaft für Verpackungsmarktforschung (GVM) in Mainz: In den vergangenen zwei Jahren habe der Verkauf von textilen Taschen stark zugenommen, berichtet Geschäftsführer Kurt Schüler. Konkrete Zahlen habe man aber nicht. »Neben dem Einzelhandel gibt es vor allem im Eventbereich immer mehr Textil und weniger Plastik«, sagt Schüler. Andererseits ist die Zahl der in Umlauf gebrachten Kunststofftragetaschen in Deutschland seit 2000 stark gesunken. Waren es zur Jahrtausendwende noch sieben Milliarden Stück, lag die Zahl demnach im vergangenen Jahr nur noch bei 3,7 Milliarden.

Mittlerweile ist aus dem Vertrieb von Stofftaschen ein richtiges Geschäft geworden - und alle verdienen dran. Hersteller verkaufen Basismodelle an Verkäufer, diese wiederum bringen die trendigen Accessoires dann an den Kunden. Wenn gewünscht, werden die Beutel noch individuell verziert oder bedruckt - ein Zusatzgeschäft für Druckereien.

Doch wie ökologisch sind die Textilbeutel wirklich? »Da Baumwolltragetaschen sehr häufig genutzt werden müssen, um ökobilanziell mit der Einweg-Kunststofftragetasche wenigstens mithalten zu können, setzen unsere Unternehmen stärker auf Kunststoff-Mehrweg-Taschen«, heißt es beim Handelsverband Deutschland. Auch Papiertüten gelten zunehmend als Alternative.

Tatsächlich sind die Öko-Taschen nicht besonders nachhaltig, wie der Naturschutzbund Deutschland (Nabu) bilanziert. »Es wird davon ausgegangen, dass eine Tasche aus konventioneller Baumwolle über hundertmal so oft wie eine erdölbasierte Kunststofftüte genutzt werden muss, um die schlechtere Klimabilanz auszugleichen«, sagt Katharina Istel, Referentin für nachhaltigen Konsum beim Nabu. Die Produktion belaste die Umwelt aufgrund des hohen Wasserverbrauchs und des intensiven Pestizideinsatzes sehr stark. Eine Baumwolltasche rentiert sich ökologisch daher nur, wenn man sie immer mit sich trägt. »Wenn die nur zuhause rumliegt, war es keine gute Entscheidung«, sagt Istel. Sei man sich dessen bewusst und nutze den Stoffbeutel dementsprechend häufig, sei er aber eine gute Alternative zur Plastiktüte. dpa/nd

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