Werbung

Teilen statt wegwerfen

Foodsharing zieht Bilanz - und stellt der Politik ein schlechtes Zeugnis aus

Echt jetzt? Ihr wollt Geld von mir?

Ja, herrgottnochmal, es kostet!

Auch, wenn's nervt – wir müssen die laufenden Kosten für Recherche und Produktion decken.

Also, mach mit! Mit einem freiwilligen regelmäßigen Beitrag:

Was soll das sein

Wir setzen ab sofort noch stärker auf die Einsicht der Leser*innen, dass linker Journalismus auch im Internet nicht gratis zu haben ist – mit unserer »sanften« nd-Zahlschranke.

Wir blenden einen Banner über jedem Artikel ein, verbunden mit der Aufforderung sich doch an der Finanzierung und Sicherstellung von unabhängigem linkem Journalismus zu beteiligen. Ein geeigneter Weg besonders für nd-Online-User, die kein Abo abschließen möchten, die Existenz des »nd« aber unterstützen wollen.

Sie können den zu zahlenden Betrag und die Laufzeit frei wählen - damit sichern Sie auch weiterhin linken Journalismus.

Aber: Für die Nutzung von ndPlus und E-Paper benötigen Sie ein reguläres Digitalabo.

Noch genießbares Essen wegzuwerfen, ist individuell betrachtet zumindest unschön, global gesehen aber ein riesiges Problem für Klima, Umwelt und Menschheit. Doch obwohl sich darüber die meisten Menschen hierzulande einig sein dürften, landen täglich tonnenweise Lebensmittel auf dem Müll: Jeder Deutsche entsorgt pro Jahr 82 Kilo Lebensmittel, zusammen mit den Abfällen von Industrie und Handel werden pro Jahr über 18 Millionen Tonnen Essen weggeworfen. Weltweit sind es 11,3 Milliarden Tonnen. Um etwas dagegen zu tun, versuchen viele Menschen, genießbares Essen vor der Tonne zu retten und es an die weiterzugeben, die es brauchen.

Für diesen Zweck gründete sich 2012 in Berlin die Initiative Food-sharing. Sie sammelt Lebensmittel von privat sowie von Händlern ein und koordiniert deren Verteilung. Über die Homepage und eine App können sich Verbraucher auch untereinander vernetzten - so finden etwa die übriggebliebenen Käsewürfel von der Party noch einen Abnehmer in der Parallelstraße. Nach fünf Jahren zogen die Essensretter, die inzwischen bundesweit sowie in der Schweiz und Österreich vertreten sind, am Dienstag in Berlin Bilanz. In einem Einkaufszentrum bauten sie eine meterlange Mauer aus Lebensmittelkisten auf, um zu demonstrieren, was von Supermärkten immer noch alles weggeworfen wird: nicht verkaufte Brötchen, krumme Gurken, herzförmige Kartoffeln, .... Aber auch die Konsumenten sind nicht unschuldig, viele kennen den Unterschied zwischen Mindesthaltbarkeitsdatum und Verfallsdatum nicht, kaufen zu viel oder das falsche.

Die Bundesregierung sei keine große Hilfe, kritisierte Stefan Kreutzberger, zweiter Vorsitzender von Foodsharing. Obwohl sie zugesagt habe, das UN-Ziel, die weltweite Lebensmittelverschwendung bis 2030 zu halbieren, einzuhalten, sei praktisch nichts passiert. An die Politik richten Foodsharing und die Deutsche Umwelthilfe denn auch gemeinsam fünf Kernforderungen: Wichtig sei vor allem Transparenz entlang der gesamten Lieferkette. So könne man erst erkennen, wo die meisten Verluste entstünden. Zweitens müsse es verbindliche Zwischenziele bis zum UN-Ziel 2030 geben - wer sie nicht einhalte, solle hohe Strafen zahlen müssen. Beendet werden müsse drittens der rechtsunsichere Raum für Initiativen wie Foodsharing. Mancherorts würden sie wie gewerbliche Lebensmittelunternehmen behandelt, inklusive Umsatzsteuerpflicht, kritisierte Kreutzberger. Für eine ehrenamtliche Bewegung mit über 32 000 Helfern sei das ein unhaltbarer Zustand.

Bei entsprechendem politischen Willen relativ leicht umzusetzen könnte viertens ein Wegwerfstopp für Lebensmittel ähnlich dem in Frankreich sein. Seit Mai 2015 dürfen die dortigen Supermärkte unverkaufte Lebensmittel nicht mehr wegwerfen oder gar mit Chlor ungenießbar machen. Die letzte Forderung der Essensretter bezieht sich indirekt wieder auf die Verbraucher: Sie müssten besser informiert werden, was das Mindesthaltbarkeitsdatum bedeute, so Kreutzberger, nämlich nicht, dass man bei Überschreiten des Datums die Nahrung wegwerfen müsse, so Kreutzberger. Georg Kaiser, Geschäftsführer der Bio-Supermarktkette Bio Company, die mit Foodsharing kooperiert, forderte ein neues, eindeutigeres Wort für das Mindesthaltbarkeitsdatum, um das klarer zu machen.

Wichtig sei vor allem, das Bewusstsein der Verbraucher zu stärken, sagte der vor allem aus dem »Tatort« bekannte Schauspieler Andreas Hoppe, der sich privat und als Buchautor für regionale und nachhaltig angebaute Lebensmittel einsetzt und die Initiative Foodsharing unterstützt. Jeder solle wieder »Respekt vor dem Essen haben«, lautet sein Credo, denn beim Thema Nahrung sei die Ethik gegenüber dem Profit in den Hintergrund getreten. Privat kauft Hoppe alles regional und bio - nur mit Kaffee und Gewürzen sehe es leider schlecht aus in Sachen Regionalität, sagte er augenzwinkernd gegenüber »nd«.

In den fünf Jahren seit der Gründung hat Foodsharing tonnenweise Lebensmittel vor dem Müll bewahrt, sagte Kreutzberger. Im kommenden Jahr wolle man gemeinsam mit der Umwelthilfe Essensverschwendung weiter reduzieren.

ndPlus

Ein kleiner aber feiner Teil unseres Angebots steht nur Abonnenten in voller Länge zur Verfügung. Mit Ihrem Abo haben Sie Vollzugriff auf sämtliche Artikel seit 1990 und helfen mit, das Online-Angebot des nd mit so vielen frei verfügbaren Artikeln wie möglich finanziell zu sichern.

Testzugang sichern!

9 Ausgaben für nur 9 €

Jetzt nd.DieWoche testen!

9 Samstage die Wochenendzeitung bequem frei Haus.

Hier bestellen