Wenn der Nachwuchs mobil wird

Wie Eltern Haus und Wohnung kindersicher machen können

  • Von Rudolf Kayser, Unfallexperte von ERGO
  • Lesedauer: 3 Min.

Laut Bundesgesundheitsministerium müssen pro Jahr 1,7 Millionen Kinder unter 15 Jahren nach einem Unfall zum Arzt. Geschätzte 43,8 Prozent dieser Unfälle passieren in den eigenen vier Wänden. Besonders gefährdet sind Kinder im zweiten Lebensjahr, die Laufen lernen und ihren Bewegungsradius schlagartig ausdehnen.

Um Unfällen vorzubeugen, sollten Eltern die häusliche Umgebung umsichtig gestalten und kritische Stellen entschärfen.

Typische Gefahrenquellen

Wer auf ungeübten Beinen unterwegs ist, stolpert schnell mal über Hindernisse. Daher sind Treppen, rutschende Teppiche oder auf dem Boden herumliegendes Spielzeug häufig die Ursache für Stürze. In der Küche fassen die Sprösslinge gerne alles an oder halten sich fest. So kann es schnell zu Verbrennungen kommen. Putzmittel oder herumliegende Messer können zu Vergiftungen oder Schnittverletzungen führen.

Selbst das Wohnzimmer birgt Gefahren: Sofa oder Stühle eignen sich prima zum Hochklettern - und Umkippen. Tischdecken oder herunterhängende Kabel laden Kinder ein, daran zu ziehen. Herabfallendes Geschirr oder Laptops können die Folge sein. Auch ein Feuerzeug wird schnell zur Gefahr für Kinder.

Sicheres Zuhause

Um brenzlige Situationen zu vermeiden, helfen Treppen- und Herdschutzgitter oder Steckdosenkappen. In den Räumen sollte möglichst nichts auf dem Boden herumliegen. Teppiche auf einer rutschfesten Unterlage können nicht so leicht wegrutschen. In gut beleuchteten Räumen sind Ecken und Kanten besser zu sehen.

Auf Tischdecken sollten Eltern kleiner Kinder besser für einige Zeit verzichten und heiße Getränke oder Kerzen nicht an Tischränder stellen. Verschüttetes besser gleich aufwischen, damit die Lache nicht zur Rutschbahn wird. Glastüren können Eltern mit Aufklebern auf Augenhöhe der Kinder kennzeichnen. Zudem sind Putz- und Waschmittel in höherliegenden Regalen geschlossenen Schränken am besten aufgehoben.

Sind Bücherregale instabil, ist es besser, sie an den Wänden zu befestigen. Scharfe Möbelkanten sichern spezielle Abdeckungen aus dem Baumarkt ab. Auch spezielle Antirutschsocken können den einen oder anderen Sturz der Sprösslinge verhindern. Mit zunehmendem Alter der Kinder können Eltern ihnen mögliche Gefahrenquellen erklären und mit ihnen gemeinsam beispielsweise die Treppe meistern.

Wenn doch mal was passiert

Es ist so gut wie unmöglich, jeden Unfall zu verhindern: Kleine Kratzer, Beulen und Schürfwunden gehören zum Großwerden einfach dazu. Haben Eltern den Verdacht, dass der Nachwuchs giftige Substanzen geschluckt hat, sollten sie umgehend die Giftnotrufzentrale anrufen. Diese hilft bei akuten Vergiftungsfällen und ist 24 Stunden erreichbar. Eine Liste mit den Nummern für die jeweiligen Städte finden Eltern unter www.kindergesundheit-info.de. Ein Arzt ordnet dann gegebenenfalls die nötigen Behandlungsschritte an.

Für Eltern ist es wichtig zu wissen, dass die gesetzliche Unfallversicherung nur in Kita, Kindergarten und Schule schützt. Eine Krankenkasse kommt nur für die medizinisch notwendige Versorgung des Kindes auf, egal, wo der Unfall passiert ist - ob in der Kita oder Freizeit.

Private Unfallversicherung

Wenn die Unfallfolgen etwa zu einer dauerhaften Beeinträchtigung des Kindes führen, dann kann die private Unfallversicherung helfen. Das ist besonders wichtig, wenn der Unfall in der Freizeit passiert ist. Mit einer Kapital- oder Rentenleistung bei Invalidität bietet die private Unfallversicherung eine solide Absicherung für das Kind.

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