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»Bald sind wir Besitzer einer Fabrik!«

Eigenverarbeitung des Tees macht Hoffnung auf ein selbstbestimmtes und unabhängiges Leben

  • Von Christina Drescher und Daniel Pastoors
  • Lesedauer: 4 Min.

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Eine eigene Verarbeitung und Vermarktung von ökologischem Grüntee soll der ethnischen Minderheit der Adivasi in Südindien helfen, die Abhängigkeit von Zwischenhändlern zu beenden und ein stetiges Einkommen zu erhalten. Das Projekt wird von der lokalen Organisation CTRD Trust durchgeführt und durch SODI unterstützt.

Viel Überzeugungskraft brauchte es nicht, um die Teebäuerinnen und -bauern aus dem Dorf Kokkal in den Nilgiri-Bergen für das Grünteeprojekt von CTRD zu gewinnen. Durch Projekte, die in der Vergangenheit gemeinsam durchgeführt wurden, hatte die lokale Bevölkerung bereits Vertrauen zu der Organisation CTRD Trust gefasst. Auch waren die Hoffnungen, die mit dem Projekt verknüpft waren, von Anfang an sehr konkret: »Wir haben zwar Land, aber kaum Erfahrungen in der Landwirtschaft. Wird CTRD uns bei Anbautechniken, Qualität und ökologischer Kultivierung zur Seite stehen?« Genau darum sollte es gehen.

Vielfalt teilen: Grüner Tee verschafft den Adivasi Perspektiven

Als Paniyas, Kurumbas und Kattunayakas und damit als Angehörige der Adivasi, einer besonders marginalisierten Bevölkerungsgruppe Indiens, erhielten Kleinbäuerinnen und -bauern bisher kaum Unterstützung durch den Staat. Sie mussten durchschnittlich mit umgerechnet 1,50 Euro am Tag auskommen. Heute machen sie sich gemeinsam mit CTRD und SODI auf den Weg in ein selbstbestimmtes Leben als Teil einer Teekooperative mit einer eigenen Fabrik. Dabei ist es gängige Praxis von CTRD, die führenden Rollen in den Projekten Frauen zu übergeben. Denn Frauen sind zuverlässiger, und ihre Position in der Gemeinschaft zu stärken, stellt sicher, dass der Projektnutzen tatsächlich den Familien zugute kommt.

Auf die Teebäuerinnen kommt zwar viel Arbeit zu, aber sie sind sich sicher: Die Umstellung des gesamten Anbaus auf ökologische Kultivierung lohnt sich. Beispielsweise wird künftig der Einsatz von mineralischen Stickstoffdüngern und chemisch-synthetischen Pestiziden überflüssig. Dieser wird durch Panchakaviya ersetzt, ein organischer Dünger aus einem Kuhmistgemisch. Dies ist eine wichtige Voraussetzung zur Vermarktung des Tees entsprechend der EU-Ökoverordnung. Weitere wichtige Komponenten, die das Projekt mit sich bringt, sind verbesserte Anbau- und Pflücktechniken sowie der Anbau von Tee in Mischkulturen, was für eine größere Diversität sorgt.

Die größte Bedeutung für das Projekt hat jedoch die Green Valley Tea Factory, eine eigene Teefabrik, die auf lange Sicht einmal ausschließlich von Adivasi geführt werden soll. Dafür wurde die Tribal Tea Farmer Producer Company gegründet, die ab Januar 2018 die neu errichtete Fabrik betreiben wird. Eine Teefarmerin erzählt glücklich: »Wir sind stolz darauf, bald in Besitz einer eigenen Teefabrik zu sein. Von so etwas haben wir zuvor noch nie gehört. Früher waren wir wie Zwangsarbeiter auf den Plantagen, bald sind wir Besitzer einer eigenen Fabrik!« Dort werden sie ihren eigenen Tee produzieren, welchem die Adivasi den Namen IPPI MALAI TEA gegeben haben. In der lokalen Sprache der Paniya bedeutet IPPI MALAI »Kinder der Berge«. Als Dhanam im Dorf Kokkal von dem Projekt hört, ist sie sehr erfreut: »Wir schauen alle Fernsehen und kennen die Werbeclips. Vielleicht werden wir irgendwann unseren eigenen Tee im Fernsehen sehen. Wir sind sehr stolz auf den IPPI MALAI TEA.« Bisher verkaufen die Teebäuerinnen und -bauern die Teeblätter an lokale Fabriken oder an Zwischenhändler, häufig zu niedrigen Preisen. Da es in der Region kaum Fabriken für Biotee gibt, erhalten sie für ihren Tee keinen Bio-Aufschlag. Das soll sich bald ändern. Mit der eigenen Teefabrik haben sie die Hoffnung auf ein selbstbestimmtes und unabhängiges Leben. Im kommenden Jahr werden Vermarktungspartner in Deutschland gesucht, die den Biotee zu fairen Preisen kaufen und vertreiben. Eine Zertifizierung nach EU-Bio-Standard soll bis zur Inbetriebnahme im Januar abgeschlossen sein. Die Teebäuerinnen und -bauern schauen hoffnungsvoll in die Zukunft und freuen sich auf den Start der Teeproduktion. Sie wissen, dass sie auf die Unterstützung von CTRD und SODI zählen können - und hoffentlich bald auch auf viele deutsche Teekonsument*innen!

Unsere Autoren sind ASA-Stipendiaten bei CTRD

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