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Kremlchef lässt dem CIA-Direktor danken

Terroranschläge in St. Petersburg verhindert / Geheimdienstkooperation USA-Russland / Telefonat Putin-Trump

  • Von Klaus Joachim Herrmann
  • Lesedauer: 3 Min.

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»Eines der meistdiskutierten Ereignisse« nannte der 1. Kanal des russischen Fernsehens am Montagmorgen das Telefongespräch der Präsidenten Wladimir Putin und Donald Trump vom Vortag. Der Moskauer Kremlchef hatte sich in Washington bei seinem Amtskollegen im Weißen Haus persönlich für Amtshilfe des Geheimdienstes CIA gegen Terroristen in St. Petersburg bedankt. Putin bat, dies auch dessen Direktor zu übermitteln. Die russischen Geheimdienste würden »unbedingt und sofort« ihre US-Kollegen ebenfalls über terroristische Bedrohungen informieren, versicherte er. Trump habe sich über Putins Anruf gefreut und danach seinerseits bei CIA-Chef Mike Pompeo angerufen, »um ihm und seinen talentierten Mitarbeitern zu der guten Arbeit zu gratulieren«, zitierten anschießend Agenturen das Weiße Haus.

Die CIA hatte dem russischen Inlandsgeheimdienst FSB Informationen zur Verfügung gestellt, die zur »Enttarnung, Verfolgung und Festnahme der Kriminellen« führten, wie der Kreml am Sonntag ohne nähere Einzelheiten mitteilte. Laut dem Weißen Haus hätten mit Hilfe der USA in Russland viele Leben gerettet werden können.

Dies dürfte vor allem für jenen Anschlag gelten, der nach bisherigen Erkenntnissen auf die Kasaner Kathedrale im Zentrum St.Petersburgs verübt werden sollte. Eine Gruppe von sieben Männern, die der Verbindung zur Terrororganisation Islamischer Staat (IS) verdächtigt werden, konnten am Freitag in Gewahrsam genommen werden. Fünf der Festgenommenen, die aus dem islamisch geprägten Nordkaukasus und Zentralasien stammen sollen, kamen in Untersuchungshaft. Ein Anschlag in der St. Petersburger Innenstadt soll bereits für Samstag geplant gewesen sein. Es seien Material zum Bombenbau, automatische Waffen, Munition und extremistische Literatur sichergestellt worden.

Als das »erste Beispiel einer Zusammenarbeit mit solch effektiven Resultaten« lobte die Kooperation der Geheimdienste der Kreml. Dessen Sprecher, Dmitri Peskow, meinte, bisher gebe es nur eine vereinzelte Zusammenarbeit, künftig müsse man aber nach einer Kooperation wie bei St. Petersburg streben.

Über seinen mürrischen Tweet vom Samstag dürfte Russlands einflussreicher Außenpolitiker Alexej Puschkow angesichts dieser Entwicklung vielleicht noch einmal nachdenken. Es gab angeblich zuvor geringes Interesse russischer Medien an dem telefonischen Dank Trumps für die lobende Erwähnung der US-Wirtschaftsentwicklung durch Präsident Putin auf dessen Jahrespressekonferenz. Dafür nannte der Vorsitzende der Komission für Informationspolitik des Föderationsrates als Grund: »Seine Anrufe führen zu nichts.«

Neue Hoffnung dürfte aus der jüngsten Entwicklung jedoch ganz besonders der neue russische Botschafter in Washington, Anatoli Antonow, schöpfen. Seine Exzellenz freute sich über die durchaus ungewohnte Kooperation und nannte es »völlig offensichtlich, dass dies ein positives Beispiel dafür ist, was unsere Länder gemeinsam erreichen können, wenn sie zusammenarbeiten«. Fast die gleichen Worte waren einer Erklärung des Weißen Hauses zu entnehmen.

Dem russischen Botschafter war für Montag sogar eine Einladung des Unterstaatssekretärs für politische Angelegenheiten, Thomas Shannon, zu einem Arbeitsessen zugegangen - immerhin des dritthöchsten Diplomaten innerhalb der Hierarchie des US-Außenministeriums. Antonow wird von US-Politikern aber eher geschnitten und scheint damit bislang das düstere Dipolomatenschicksal seines Vorgängers Sergej Kisljak zu wiederholen.

In der aufgeheizten und stramm antirussischen Stimmung waren Gespräche mit dem umtriebigen Mann aus Moskau gefährlich und ließen ihn am Ende klagen, er werde für »toxisch« gehalten. Inzwischen Vizevorsitzender des außenpolitischen Komitees des russischen Oberhauses bleibt er misstrauisch. Ein hochrangiger Vertreter der Trump-Admininstration wurde mit der Einschätzung zitiert, in den letzten Monaten hätten sich die Beziehungen zwischen Washington und Moskau verbessert. Kisljak verwies im Gegenzug jedoch darauf, dass laut dem Entwurf zur nationalen Sicherheitsstrategie der USA keine partnerschaftlichen Beziehungen mit Russland angestrebt würden, sondern vielmehr von einem »strategischen Gegner« die Rede sei.

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