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Die Quadratur des Gewandhauses

Sachsen: Bauverzug, Mehrkosten - das Zwickauer Theater wird zur Dauerbaustelle

  • Von Claudia Drescher, Zwickau
  • Lesedauer: 4 Min.

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Hinter der Fassade des Gewandhauses ist gelegentlich Baulärm zu hören. Sonst herrscht Ruhe auf der großen Bühne - und doch ist das Haus Dauerthema unter den Theaterleuten. Der Bauverzug an der wichtigsten Spielstätte des Theaters Plauen-Zwickau habe die Grobplanung für die neue Spielzeit über den Haufen geworfen, sagte Intendant Roland May der dpa.

Nun könnte 2018/19 zeitweise auch die kleine Bühne wegfallen, wenn sich keine Zwischenlösung findet. Das in die Jahre gekommene »Theater in der Mühle«, in dem derzeit Verwaltung und Studiobühne für 100 Zuschauer untergebracht sind, soll abgerissen werden. Dort will ein städtisches Wohnungsunternehmen einen neuen Firmensitz bauen. Aktuell laufen laut May Gespräche für einen Aufschub, doch die Tage im »TiM« seien gezählt. Ursprünglich sollte eine zweite Bühne im neuen Theaterkomplex rund ums Gewandhaus entstehen, doch durch den Ärger um dessen Sanierung ist nun auch dies offen.

Dabei befindet sich das Theater bereits im Ausnahmezustand: Zehn Ersatzbühnen bespielt das Ensemble seit September 2016, das bedeutet zahlreiche Wege quer durch die Stadt. »Nicht nur die Künstler müssen von A nach B, auch Technik, Maske, Garderobe machen im Grunde genommen mobiles Theater«, sagt May.

Die Krux: In der größten Ausweichbühne finden gerade einmal 127 Zuschauer Platz - im Gewandhaus rund 400. Man könne deshalb aber nicht drei Mal am Abend spielen, zumal im Hintergrund seit dem Jahr 2000 der Stellenabbau von 380 auf 285 Stellen bis 2020 laufe. Die Mindereinnahmen betragen laut Geschäftsführerin Sandra Kaiser rund 150 000 Euro - für eine Spielzeit. Eine weitere sei nicht einkalkuliert.

Indessen gehen die Arbeiten in und an dem 500 Jahre alten Gebäude weiter. Bis Jahresende soll unter anderem die alte Haustechnik raus. Derzeit sucht das Rathaus europaweit nach einem neuen Planer. Dem bisherigen Architekten hatte Zwickau Ende September mit sofortiger Wirkung gekündigt. Die Stadt wirft dem Leipziger Büro einen Bauverzug von mindestens einem halben Jahr vor. Planung und Koordinierung seien mangelhaft gewesen.

Der Architekt weist die Vorwürfe zurück. Hinter den Kulissen beharken sich deshalb nun die Anwälte. Trotz diverser Schreiben von beiden Seiten habe die Stadt Zwickau auch nach Wochen keine konkreten Gründe benannt, kritisiert Sebastian Thaut. Er habe den Eindruck, dass er aufgrund nicht abzustreitender Unstimmigkeiten zu unbequem geworden sei. »Seit dem Sommer wurden wir unter Druck gesetzt, der Geldhahn wurde zugedreht, damit wir unsererseits hinwerfen.« Demnach seien mindestens 200 000 Euro Honorar offen.

Auf Nachfrage heißt es aus dem Rathaus, dass nähere Gründe im Außenverhältnis derzeit nicht dargelegt werden könnten, da diese Gegenstand anwaltlichen Schriftverkehrs seien. Thaut hingegen listet in einer öffentlich gewordenen Stellungnahme, die er auch dem Stadtrat zukommen ließ, auf fünf Seiten minutiös Verzögerungen und Störungen im Bauablauf auf, die nach seiner Ansicht der alten Substanz, aber auch Fehlern des Hochbauamtes zuzuschreiben seien.

Als »Quadratur des Kreises« bezeichnet der Zwickauer Architekt Andreas Kottusch das Projekt unter den gegebenen Bedingungen. Er sanierte unter anderem das Rathaus der Stadt. Ein anderer Planer, der ungenannt bleiben möchte, meint, die Stadt habe das Projekt unbedingt bis zur 900-Jahr-Feier 2018 durchziehen wollen und von Anfang an enormen Zeitdruck aufgebaut. Die jetzige Entwicklung sei dafür die »Quittung auf Ansage«.

Tatsächlich sollte das Gewandhaus bereits Ende 2017 in neuem Glanz erstrahlen. Doch schon kurz nach Beginn im Frühjahr 2015 gab es aufgrund von Mehrkosten einen ersten Planungsstopp. Ab Herbst lag das Projekt infolge der VW-Krise und der damit verbundenen Haushaltssperre neun Monate auf Eis. Schließlich wurde Ende 2016 mit den Arbeiten begonnen. Neuer Fertigstellungstermin: Frühjahr 2019.

Wann es nun fertig wird, ist derzeit offen. Dass es teurer wird als die geplanten 14,2 Millionen Euro, davon sind Beobachter wie Kottusch überzeugt. »Die Dimension dieser Entscheidung haben die Verantwortlichen noch nicht einmal annähernd begriffen.« Allein die steigenden Baupreise werden demnach für Mehrkosten sorgen. Der drohende Rechtsstreit mit Thaut dürfte sein Übriges tun. dpa/nd

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