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Jeder Dritte in Myanmar lebt in Armut

Vor allem auf dem Land fehlt es am Nötigsten

Ein Drittel aller Haushalte in Myanmar lebt in Armut. Zu diesem Schluss kommt eine von der Weltbank gemeinsam mit dem Finanz- und Planungsministerium des südostasiatischen Landes erstellten neue Studie. Doch gibt es auch eine gute Nachricht: Die deutliche Armut ist rückläufig in dem Land, das unter der jahrzehntelangen Militärdiktatur mit Sanktionen belegt und auch weitgehend isoliert war. 2004 waren noch 48,2 Prozent der Bevölkerung als arm eingestuft worden. Aktuell werden anhand der zwei Jahre alten Basisdaten noch 32 Prozent in diese Kategorie eingestuft - also 15,8 Millionen der 50 Millionen Einwohner.

Dabei unterscheidet sich die neue Studie zum Teil erheblich von vorangegangenen Erhebungen. Denn bei der Definition, wer als arm einzustufen wird, weil er sich bestimmte Sachen nicht leisten kann, wurden neben den unmittelbar lebensnotwendigen Gütern nun auch Konsumgüter einbezogen, die sich vor zehn oder 15 Jahren lediglich eine reiche Oberschicht leisten konnte. Unter anderem sind jetzt Mobiltelefone auch für breite Bevölkerungsschichten in Myanmar bezahlbar.

In das Jahrzehnt zwischen den beiden Armutsberichten fällt der größte gesellschaftliche Umbruch, den das Land bisher erlebt hat. Der politische Wandlungsprozess von der autoritären Herrschaft der Militärs hin zu einer zumindest formal demokratischen Ordnung hat dem Land auch unter wirtschaftlichen Gesichtspunkten gutgetan. Seit etwa fünf Jahren gibt es wieder ausländische Investitionen, und auch die Politik bemüht sich, den enormen Investitionsstau beim Ausbau der Infrastruktur abzubauen. War die Wirtschaft früher vor allem durch von Armeeoffizieren kontrollierte Betriebe und Institutionen geprägt, gibt es inzwischen viele private Klein- und Kleinstunternehmer.

Dennoch, das zeigt die Studie, ist ein Leben unter dem Existenzminimum noch immer weit verbreitet. Zudem klaffen die Lebensverhältnisse in den urbanen Zentren und auf dem flachen Land zum Teil immer weiter auseinander. Während der Armutsanteil in Yangon, Mandalay und anderen Großstädten im Schnitt nur noch bei 14,5 Prozent liegt, sind in den ländlichen, verkehrstechnisch oft sehr abgelegenen Regionen noch 38,8 Prozent der Einwohner arm.

Überdurchschnittlich hoch ist das Armutsrisiko der Studie zufolge auch bei größeren Familien, in denen mehr als zwei Generationen unter einem Dach leben. Dort müssen meist ein oder zwei Personen mit ihrem Arbeitseinkommen neben einer Schar von Kindern mindestens auch noch die Großeltern versorgen. Zum Großteil arbeitet dieser Personenkreis in der Landwirtschaft. Dabei sind viele Familien aber nicht einmal Eigentümer der Flächen, die sie bewirtschaften.

Die Armut im ländlichen Myanmar führt zu etlichen weiteren Problemen. So brechen sechs von zehn Kindern im ländlichen Raum bereits in der Mittelschule die Schule ab. Und drei von zehn Haushalten sind noch immer nicht ans Stromnetz angeschlossen. Die Befragten äußerten zudem, dass krankheitsbedingte Ausgaben eines der größten unkalkulierbaren Risiken darstellen. Existenzbedrohend werde es für eine Familie, wenn der Erbringer des primären Einkommens länger ausfalle - soziale Sicherungssysteme für solche Fälle sind quasi nicht existent. In solchen Fällen, vermerkt die Studie, bleiben oft nur fragwürdige Kredite zu hohen Zinsen, die leicht in einer dauerhaften Schuldenfalle münden können.

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