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Lieber Gewinn als langfristige Sicherheit

Dänischer Gewerkschaftsbund verkauft Versicherungsgesellschaft ALKA

  • Von Andreas Knudsen, Kopenhagen
  • Lesedauer: 3 Min.

Eins der letzten Unternehmen, die sich noch im Besitz der dänischen Gewerkschaftsbewegung befanden, wurde vorige Woche verkauft. Umgerechnet 1,1 Milliarden Euro werden in die Kassen der beiden Zen- tralverbände HK und FOA, der einflussreichen 3F-Gewerkschaft sowie weiterer kleiner Gewerkschaften fließen und dringend benötigtes Kapital zuführen. Das 1944 gegründete Versicherungsunternehmen ALKA wird von zwei dänischen Wettbewerbern übernommen. HK-Vorsitzender Kim Simonsen erklärte nach dem Verkauf, dass die Gewerkschaften »ein gutes Angebot« bekommen hätten und dass es keine gewerkschaftliche Kern-Aufgabe sei, Versicherungen zu verkaufen. Zudem sei die Zeit gekommen, dem Unternehmen Entwicklungsmöglichkeiten zu geben. Einige Gewerkschaftsvertreter wiesen darauf hin, dass die einzelnen Verbände und Zentralorganisationen in der Vergangenheit große Summen aufgewandt hätten, um notleidende, gewerkschaftseigene Unternehmen zu retten. Doch im Gegensatz zu den Zeitungen oder Brauereien, für deren Erhalt früher gekämpft wurde, verdient ALKA Geld.

Den Reaktionen der Wirtschaftspresse nach zu schließen, muss ALKA für die Käufer ein Schnäppchen gewesen sein. Es wird als gut geführtes und profitables Unternehmen beschrieben, dessen Übernahme sich auszahlen wird. Es hat einen Marktanteil von etwa fünf Prozent in Dänemark und die Angebote wurden insbesondere von Arbeitern und Angestellten genutzt. Verglichen mit anderen Versicherungen hatte die ALKA preiswerte, aber trotzdem gute Angebote.

Aber so zufrieden sich die ALKA-Käufer vergangene Woche mit ihrem Schnäppchen zeigten, so groß waren die Proteste der Gewerkschafter. Sie wurden nicht gefragt, ob der gewerkschaftliche Besitz nicht besser bleiben sollte, wo er war. Dabei spielte auch die Überlegung eine wesentliche Rolle, dass ALKAs Preispolitik dem Versicherungsmarkt eine gewisse Grenze setzen konnte und auch Schlechtverdienenden eine Versicherungsmöglichkeit gab. Die Kunden bekommen zwar eine fünfjährige Garantie, dass die Preise nicht steigen werden, aber was danach ist, ist unklar - die neuen Besitzer sind in erster Linie profitorientierte Unternehmen. Zudem gibt es Möglichkeiten, bestehende Produkte auszuweiten und die Preisgarantie über die Hintertür auszuhebeln.

Politisch haben die Gewerkschaften sich zudem eines wichtigen Argumentes beraubt, wenn es um künftige Verkäufe staatlicher Unternehmen an Privatfirmen geht. Der Verkauf des Teleunternehmens TDC oder des Energieproduzenten DONG wurde von ihnen scharf kritisiert. Solche Anklagen werden nach dem ALKA-Verkauf weniger Gewicht haben.

In der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts haben die dänischen Gewerkschaften viele Kräfte und Mittel aufgewandt, um ihren Mitgliedern preisgünstige Waren und Dienstleistungen anzubieten. In ihrem Besitz befanden sich auch Molkereien, Zigarettenfabriken oder etwa ein Begräbnisunternehmen. Die Gewerkschaften wollten für ihre Mitglieder da sein - »von der Wiege bis zu Bahre«. Viele der Unternehmen konnten in den vergangenen 30 Jahren jedoch nicht länger im Marktwettbewerb bestehen und gingen pleite oder wurden aufgekauft.

Nach dem ALKA-Verkauf ist der wichtigste materielle Besitz der Gewerkschaften ihre Bank, die Arbejdernes Landsbank. Spekulationen zu ihrem Verkauf wurden durch HK-Chef Kim Simonsen jedoch scharf zurückgewiesen: »Im Falle eines Streikes müssen die Gewerkschaften die Möglichkeit haben, Unterstützung an ihre Mitglieder auszahlen zu können. Deshalb ist es wichtig, dass wir eine Bank kontrollieren.«

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