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Umzug in eine »triste Wüste«

Wie RWE Umsiedler über den Tisch zieht

  • Von ⋌Markus Dufner
  • Lesedauer: 2 Min.
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Wegen des Abbaus von Braunkohle wurden im Rheinland seit Mitte der 1950er Jahre etwa 40 000 Menschen vertrieben, rund 50 Dörfer verschwanden. Die RWE AG, die die riesigen Tagebaue Garzweiler und Hambach betreibt, spricht von »gemeinsamer Umsiedlung«, die Betroffenen hingegen von Zwangsumsiedlung.

Tatsächlich nehmen sich die Umsiedlungsspezialisten des Konzerns jeden Fall einzeln vor. So werden die Dorfbewohner auseinanderdividiert. Wer mit RWE einen Vertrag unterzeichnet, verpflichtet sich gegenüber Dritten zu Stillschweigen. In ihren Grundsätzen zur Umsiedlung geht es RWE angeblich um »faire Entschädigungen für den in Anspruch genommenen materiellen Besitz, wie Wohnhäuser, Grundstücke und Betriebe« der Betroffenen als »Grundlage für einen wirtschaftlich unbeschadeten Neubeginn«. Ebenso wichtig sind dem Kohlekonzern demnach auch »immaterielle Werte, wie Tradition, Gemeinschaft und Heimat, die mit Geld nicht entschädigt werden können«. Ziel sei es, »Belastungen für den Einzelnen und für die einzelne Familie dadurch abzufedern, dass der Erhalt der Dorfgemeinschaft ermöglicht und die Umsiedlung im Miteinander bewältigt werden«.

Viele Umsiedler fühlen sich von RWE aber über den Tisch gezogen und von ihrer Stadtverwaltung im Stich gelassen. Dies wurde kürzlich bei einer Bürgerfragestunde in Erkelenz-Keyenberg deutlich. Obwohl der Kunstort »Keyenberg-neu« am Reißbrett geplant wurde, liegen drei von vier Grundstücken teilweise bis zu einen Meter tiefer als das Straßenniveau. Darauf habe sie niemand hingewiesen, beschwerten sich Betroffene. RWE ist bisher nicht bereit, die erheblichen Mehrkosten zu übernehmen, die durch Aufschüttungen und Stabilisierungsmauern entstehen. Standardantwort des Konzerns: »Der Grundstückswert am neuen Ort ist identisch mit dem am alten.«

Groß ist die Enttäuschung der Umsiedler auch, weil von der in Keyenberg-neu versprochenen Begrünung noch nichts zu sehen ist. So mancher hat das Gefühl, von einer »grünen Oase« in eine »triste Wüste« umzuziehen.

Markus Dufner

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