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Der weltgrößte CO 2 -Marktplatz

Auch China hat den Emissionshandel gestartet - die Datenlage ist aber noch unzulänglich

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Manche erinnern sich vielleicht noch an den Skandal um Fake-Zertifikate aus China 2010, mit denen sich europäische Unternehmen ihre CO2-Bilanz schönrechneten. Die Beteiligten machten damit Kasse, dass sie ohnehin geplante Emissionseinsparungen bei dortigen Anlagen als zusätzliche Maßnahmen verbuchten oder gar extra Treibhausgase produzierten, um sie später gewinnbringend einsparen zu können. Der Betrug lief mit Hilfe des Clean Development Mechanism (CDM), mit dem sich Indus-trieländer durch Förderung von Klimaschutzprojekten in Entwicklungsländern zusätzliche Emissionsrechte verdienen können. Der CDM ist heute so gut wie tot und wird mit dem Auslaufen des Kyoto-Protokolls 2020 wohl nicht mehr weitergeführt.

Dagegen ist der Emissionshandel als marktkonformer Klimaretter auf dem Vormarsch. Am Dienstag eröffnete China als eines der ersten Schwellenländer nun ein landesweites Handelssystem, das über drei Milliarden Tonnen Treibhausgase aus Kraftwerksanlagen umfasst - rund ein Drittel der gesamten Emissionen der Volksrepublik. Damit löst China den europäischen CO2-Markt als bisher größten Handelsplatz ab. Angetrieben von der hohen Luftverschmutzung in ihren Metropolen starteten die Chinesen bereits 2013 in sieben Provinzen einen Emissionshandel.

Wie in Europa funktioniert das System über eine für jedes Jahr staatlich festgelegte Obergrenze für den CO2-Ausstoß der involvierten Anlagen. Die Unternehmen erhalten dafür Zertifikate - ein Papier je Tonne. Stoßen sie mehr aus, müssen sie am Markt zukaufen. Liegen ihre Emissionen unter der Grenze, können sie Zertifikate verkaufen und damit Geld verdienen. So entsteht ein Marktplatz für CO2, der die Unternehmen zu Klimaschutzmaßnahmen bewegen soll.

Beraten wurde die Führung in Peking von der deutschen Regierung und von Experten aus Kalifornien, wo es das weltweit ehrgeizigste System gibt. »Die erste Phase des landesweiten Handels mit CO2-Zertifikaten in China ist dem europäischen Handel sehr ähnlich«, erklärt Lina Li, China-Expertin von der International Carbon Action Partnership (ICAP), einem internationalen Emissionshandelsforum von Regierungen. Wie in Europa bekommen die Unternehmen die Zertifikate zunächst kostenlos zugeteilt. In den kommenden Jahren dürfte die Anzahl der »Freibriefe« dann abnehmen und auch die CO2-Obergrenze soll reduziert werden. Noch aber liegen die genauen Regeln der Regierung nicht vor. Auch die Datenlage zu den Anlagen müsse noch verbessert werden, sagt Li: »Für einen wirksamen Klimaschutz ist es wichtig, dass die Daten qualitativ gut sind.«

Während es in der EU schon vor Einführung des Emissionshandels im Jahr 2005 ein CO2-Messsystem gab, müssen es viele Behörden und Unternehmen in China erst aufbauen. Und wie die Erfahrung mit dem CDM-Betrug von 2010 zeigt, ist die Lage unübersichtlich. »Das gerade startende chinesische System hat sicher eine Reihe von Schwächen, das hatte gerade am Anfang unser System aber auch - beim Durchschreiten der Lernkurve ist China erfahrungsgemäß schneller als wir«, ist Felix Matthes vom Öko-Institut optimistisch.

Das sehen nicht alle so. Die Klimaschützer von Carbon Market Watch befürchten, dass das chinesische System dauerhaft dieselben Fehler machen wird wie der EU-Handel. Wegen des Überangebots an Zertifikaten ist der europäische CO2-Preis viel zu niedrig und die Klimaschutzwirkung entsprechend gering. Auch der derzeitige Versuch, einige Papiere vom Markt zu nehmen, wird das kaum ändern. Zwölf Jahre nach seiner Gründung will der europäische CO2-Handel einfach nicht anspringen. »Immer mehr Länder führen einen CO2-Preis ein, deshalb gibt es für die EU keine Rechtfertigung mehr, weiterhin kostenlose Zertifikate an die Industrie zu geben«, sagt Femke de Jong von Carbon Market Watch. Sie fordert eine Versteigerung der Emissionsrechte.

Nimmt man den CO2-Preis als Messlatte für einen funktionierenden Emissionshandel, sieht es nicht gut aus. Die Tonne Kohlendioxid könnte laut Insidern nach dem Start des chinesischen Handels rund vier Euro kosten. Das ist sogar noch ein Euro weniger als in der EU.

Allerdings ist der Preis nicht alles. Wichtiger seien das schrittweise Absenken der erlaubten Emissionsmenge und das Signal an die Unternehmen, dass der Ausstoß etwas kostet, glaubt Lina Li. Und auch Felix Matthes vom Öko-Institut ist vorsichtig optimistisch: »Nirgendwo auf der Welt wird ein ähnliches Emissionsvolumen reguliert - das ist ein riesiger Fortschritt für die chinesische und die globale Klimapolitik.«

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