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  • Antidiskriminierungsstelle des Bundes

Schnitt ist nicht gleich Schnitt

Frauen zahlen nicht nur bei Friseurdienstleistungen deutlich mehr als Männer

  • Von Grit Gernhardt
  • Lesedauer: 3 Min.

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»Haare schneiden eensfuffzich, für Frauen fünf Mark.« Was sich antiquiert anhört, ist bei deutschen Friseuren gang und gäbe, wenn auch heutzutage in Euro. Frauen zahlen mehr, auch wenn sie nur einen Kurzhaarschnitt benötigen. Und das von vielen als ungerecht empfundene Vorgehen der Coiffeure ist nicht nur ein Gefühl, es lässt sich anhand einer aktuellen Studie wissenschaftlich nachweisen. Am Dienstag stellte die Antidiskriminierungsstelle des Bundes die erste Erhebung zum Thema »Preisdifferenzierung nach Geschlecht« vor, laut deren Ergebnissen Frauen hierzulande für Dienstleistungen oft mehr zahlen müssen als Männer.

Und das gilt nicht nur für Friseure, die die Preisaufschläge für das weibliche Geschlecht häufig mit einem geschätzten Beratungsmehraufwand begründen. Auch die Reinigung einer Bluse ist oft teurer als die eines Männerhemdes, selbst wenn beide keine Spitzenrüschen haben. »Wenn eine Person allein wegen ihres Geschlechts mehr zahlen muss, dann verstößt das im Grundsatz gegen das Diskriminierungsverbot«, sagte die Leiterin der Antidiskriminierungsstelle des Bundes, Christine Lüders.

Zwar habe die großangelegte Studie der Fachhochschule Dortmund sowie des Instituts für sozioökonomische Forschung der 2HM & Associates GmbH gezeigt, dass es zumindest bei den Produkten des Standardwarenkorbes keine flächendeckenden Preisaufschläge nach Geschlecht gibt, bei Dienstleistungen sehe der Fall anders aus: 59 Prozent der 369 untersuchten Dienstleistungen, darunter Friseur- und Kosmetikangebote, Schuster- und Schneidereidienste, Nutzung von Datingportalen, Disco- und Veranstaltungseintritte wiesen Preisunterschiede auf, die keinen Sachgrund hatten, sondern sich nur mit dem Geschlecht der angepeilten Käufergruppe begründen ließen.

So fanden die Wissenschaftler teilweise Aufschläge von über 100 Prozent bei Kurzhaarschnitten für Frauen, auch wenn die technisch und zeitlich nicht aufwendiger waren als jene für Männer. Die Reinigung einer Frauenbluse kostete teils sogar fast 200 Prozent mehr als die eines Männerhemdes; für das Enthaaren des Körpers mit Hilfe von Wachs zahlten Frauen dagegen im Durchschnitt etwas weniger als Männer.

Insgesamt sind laut der Studie Dienstleistungen, die nach Geschlecht differenziert angeboten werden, für Frauen deutlich teurer als für Männer, nämlich im Schnitt um 13,80 Euro. Das betrifft rund 50 Prozent der untersuchten Dienstleistungen. Zahlen indes Männer mehr für eine Leistung - das kommt aber nur in neun Prozent der Fälle vor -, sind es im Schnitt 7,50 Euro Preisunterschied.

Nun gilt in Deutschland das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz, das »Benachteiligungen aus Gründen der Rasse oder wegen der ethnischen Herkunft, des Geschlechts, der Religion oder Weltanschauung, einer Behinderung, des Alters oder der sexuellen Identität verhindern und beseitigen soll«. Demnach könnten Verbraucher auch rechtliche Schritte gegen geschlechtsspezifische Diskriminierung einleiten. Doch davon rät Lüders ab - und setzt wie so oft auf einen unverbindlichen Appell an die Dienstleistungsanbieter.

Sie wünsche sich ein stärkeres Bewusstsein sowohl von Kunden als auch von Anbietern, sagte Lüders. Eine Selbstverpflichtung der Friseurbranche, wie sie etwa in Österreich erfolgreich angelaufen sei, könne die Ungleichbehandlung der Geschlechter beim Haareschneiden beenden. Ansonsten müssten die Verbraucher eben von ihrer Möglichkeit Gebrauch machen, sich einen Anbieter zu suchen, der in seinen Preislisten keine geschlechtsspezifischen Unterschiede mache. Diese gebe es natürlich. Notwendig sei zudem ein regelmäßiges Monitoring, um etwa neue Diskriminierungsfelder zu erkennen. »Die Studie kann dafür nur ein Anfang sein«, fasste Lüders zusammen.

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