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Urlaub fürs Hirn

»Traumschiff«-Hostess Heide Keller beendet ihre Dauer-Kreuzfahrt

  • Von Thomas Blum
  • Lesedauer: 2 Min.
Die große bundesdeutsche Kitschfernsehserie der vergangenen Jahrzehnte ist »Das Traumschiff« (1981 bis heute). Im Zentrum der TV-Produktion - und auch das begründet ihre Popularität hierzulande - stehen urdeutsche Phantasmagorien: die deutsche Heimat/Identität/Ordnung und die idealisierende Wunschfantasie von der exotischen, in weiter Ferne liegenden Traumwelt (»unberührte Natur«). Es geht um unbewusste und unbefriedigte Sehnsüchte.

Das »Traumschiff« liefert bis heute in Kleinbürgerwohnzimmer, was das Herz der sich Tag für Tag zwanghaft aus dem Verblendungszusammenhang hinausträumenden Hausfrau begehrt: Herzschmerz, frivole Liebeständeleien mit stolzen Kapitänen, blauer Himmel, Sonne satt, Heile Welt im XXL-Format. Wer verführt heute wen? Welche bekannten deutschen TV-Prominenten stapfen heuer milde lächelnd und vorgefertigte Billigdialoge wechselnd durch ein idealisiertes Namibia, das mit dem realen Afrika ungefähr so viel zu tun hat wie die Schwarzwaldklinik mit einem Schlachthaus? Thomas Gottschalk? Florian Silbereisen? Welche fernen Landschaften kriegen wir kleinen Leute heute Abend in der Glotze als Kulissen vorgeführt? Norwegen? Südafrika? Im Zweifel wahrscheinlich Südsee. Südsee ist der Klassiker. Erst mal ein Bier aus dem Kühlschrank, dann Füße hochlegen.

»Das Traumschiff« war und ist ein Erfolgsmodell, weil es funktioniert wie ein ins TV-Format übertragenes Groschenheft: Der tristen Realität für ein Stündchen entfliehen, in eine Fantasiewelt unter Palmen, Kurzurlaub fürs Gehirn. Aber morgen früh klingelt wieder der Wecker!

Die mäßig begabte Schauspielerin Heide Keller war für die Serie so etwas wie Helmut Kohl für die Öffentlichkeit in den 80er und 90er Jahren: immer da. Der Kapitän wurde alle paar Jahre ausgetauscht, doch die »Chefhostess« »Beatrice von Ledebur« blieb eisern an Bord und hielt nahezu 40 Jahre ihr Gesicht in die Kameras. »Am Neujahrstag 2018« begrüßt sie »zum letzten Mal die Passagiere« (»Münchner Merkur«). Was für eine Karriere.

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