Werbung
  • Politik
  • Twitter-Jahresrückblick 2017

#BosbachLeavingThings war voll #covfefe!

Auf Twitter ging es 2017 manchmal sogar heißer her als in der echten Welt: Rechtspopulisten rutschten maus, Bosbach wurde ausgelacht und der Herr stieg vom Himmel herab

  • Von Katharina Schwirkus und Elsa Koester
  • Lesedauer: 12 Min.

Bei uns droht die ABOkalypse!

Wir brauchen zahlende Digitalleser/innen.

Unterstütze uns und überlasse die Informationsflanke nicht den Rechten!

Mach mit! Dein freiwilliger, regelmäßiger Beitrag:

Was soll das sein

Wir setzen ab sofort noch stärker auf die Einsicht der Leser*innen, dass linker Journalismus auch im Internet nicht gratis zu haben ist – mit unserer »sanften« nd-Zahlschranke.

Wir blenden einen Banner über jedem Artikel ein, verbunden mit der Aufforderung sich doch an der Finanzierung und Sicherstellung von unabhängigem linkem Journalismus zu beteiligen. Ein geeigneter Weg besonders für nd-Online-User, die kein Abo abschließen möchten, die Existenz des »nd« aber unterstützen wollen.

Sie können den zu zahlenden Betrag und die Laufzeit frei wählen - damit sichern Sie auch weiterhin linken Journalismus.

Aber: Für die Nutzung von ndPlus und E-Paper benötigen Sie ein reguläres Digitalabo.

1. #covfefe
Der amtierende Präsident der USA, Donald Trump, nutzt den Kurznachrichtendienst Twitter ganz besonders gerne. Schon während seines Wahlkampfes 2016 warf er den Medien in seinem Land vor, einseitig zugunsten der Demokraten zu berichten und Lügen in die Welt zu setzen. Er zieht es daher vor, seine Gedanken direkt über die sozialen Medien zu verbreiten. Auch neue Regierungsvorhaben gibt Trump zunächst auf Twitter bekannt, noch bevor er Pressekonferenzen abhält. Oftmals attackiert er seine Gegner mit einer harschen, für einen Präsidenten ungewohnten, direkten Sprache. Mindestens einmal griff Trump 2017 jedoch ordentlich daneben: In einem Tweet schrieb er am 31. Mai die bis dahin unbekannte Zeichenfolge »covfefe«. Während der Präsident die Bedeutung offen ließ, mutmaßten Tausende Twitter-Nutzer, was Trump mit dem Wort gemeint haben könnte. In den sechs Stunden, die der Tweet online war, wurde die Kurznachricht über 100.000 Mal geteilt.

2. #FreeDeniz
Seit dem 27. Februar 2017 sitzt der deutsch-türkische Journalist Deniz Yücel in der Türkei in Haft, weil ihm die Regierung unter Recep Tayyip Erdogan Terrorpropaganda für die kurdische Arbeiterpartei (PKK) vorwirft. Der aus Flörsheim stammende Yücel arbeitete zunächst acht Jahre für die »taz« und ist seit 2015 Türkei-Korrespondent der »Welt«. Zudem ist er langjähriger Mitherausgeber der »Jungle World«. Aufgrund dieser beruflichen Laufbahn wird Yücel von Konservativen wie Linken unterstützt, zahlreiche PolitikerInnen und MedienvertreterInnen fordern seine sofortige Freilassung. Auf Twitter trendet der Hashtag #FreeDeniz seit März 2017. Immer wenn es im Fall Yücel Neuigkeiten gibt, wird unter dem Stichwort getwittert. So wird uns #FreeDeniz auch im Jahr 2018 begleiten.

3. #G20HH2017
Zu konkreten Protestevents wird meist ein Ortskürzel und Tag oder Jahr als Hashtag benutzt: Unter #G20HH2017 wurde im Juli alles getwittert, das irgendwie mit dem Widerstand gegen den G20-Gipfel im Hamburg zu tun hatte. Los ging es mit den Verboten der Protestcamps in #Entenwerder und Altona. Richtig trendete der Hashtag ab Donnerstagabend in Verbindung mit #welcometohell und #noG20, als die linksradikale Demonstration von der Polizei angegriffen wurde. Die Fotos von Polizeigewalt sowie von AktivistInnen zwischen um sich sprühenden Wasserwerfern und in Pfefferspray und Tränengas gehüllt machten die Runde und wurden erst am nächsten Abend von Bildern randalierender DemonstrantInnen und anderer abgelöst. Trotz des gewaltfreien Protestzuges am Samstag dominierte die Debatte über die G20-Krawalle fortan die sozialen Medien. Erst Wochen nach dem Gipfel setzte sich ein anderes Thema durch: Repression. Unter dem Hashtag #G20 wird seither über den Prozess gegen den italienischen Aktivisten Fabio V. berichtet, über den #Akkreditierungsentzug der 32 Journalisten, den Hamburger #Sonderausschuss, die #Razzien und die polizeiliche Öffentlichkeitsfahndung. #freefabio feierte einen Erfolg: Fabio wurde aus der Untersuchungshaft entlassen. Der größte nd-Tweet zu G20 war übrigens dieser hier:

4. #BosbachLeavingThings
Nach dem G20-Gipfel wurde nach der politischen Verantwortung für die Gewaltexzesse während der Demonstrationen gesucht. Hamburgs regierender Bürgermeister Olaf Scholz verteidigte die Entscheidung, die Hansestadt als Tagungsort auszuwählen, mitgetragen zu haben, nachdem ihn Kanzlerin Angela Merkel gefragt hatte, ob Hamburg infrage käme. Merkel selbst äußerte sich kaum zu den gewaltvollen Zwischenfällen und auch andere PolitikerInnen zogen es vor, zu diesem Thema lieber nichts zu sagen. Nur so ist wohl auch die Besetzung der Talkshow »Maischberger« am 12. Juli nachzuvollziehen, bei welcher die ehemalige Grünen-Politikerin Jutta Ditfurth auf den CDU-Politiker Wolfgang Bosbach traf. Letzterer verlor in der hitzigen Debatte die Contenance und verließ die Talkshow vorzeitig. Der Berliner Autor Shahak Shapira machte einen Screenshot von der Szene und postete sie bei Twitter unter dem Hashtag #BosbachLeavingThings. Kurz darauf schnitten hunderte Twitter-NutzerInnen den gehenden CDU-Politiker und montierten ihn mit Photoshop auf andere Bilder. #BosbachLeavingThings trendete noch Tage nach der Sendung auf Twitter.

5. #DefendEurope
Aufgrund der zunehmenden Kontrollen an den Außengrenzen Europas versuchen Geflüchtete seit Anfang 2017 wieder verstärkt über das Mittelmeer nach Europa einzureisen. Zahlreiche Nichtregierungsorganisationen wie »Sea Watch« oder »Ärzte ohne Grenzen« fahren mit Schiffen auf dem Mittelmeer Patrouille und halten nach sich in Not befindenden Booten Ausschau, um die Menschen vor dem Ertrinken zu bewahren. Die politische Rechte diskutiert, wie man diese Aktionen unterbinden könnte. Mitglieder der völkischen »Identitären Bewegung« gingen im Juli selbst mit einer Crew an Bord der »C-Star«, um Flüchtlinge auf dem Mittelmeer zurück in ihre Heimatländer zu bringen. Die Crew nannte sich »Defend Europe« (Verteidige Europa) und twitterte unter gleichnamigen Hashtag. Allerdings ging ihr Vorhaben nach hinten los: Zunächst wurde das Schiff in Zypern von der Polizei festgehalten, der Besitzer wurde in Gewahrsam genommen. Zu dem Zeitpunkt befanden sich 20 aus Sri Lanka stammende Männer an Bord, die von der Crew bezahlt worden seien sollen und auf Zypern Asyl beantragten. Im Oktober ging die »C-Star« in Barcelona vor Anker. Die katalanischen Behörden hätten dem Boot »aus humanitären Gründen« das Anlegen erlaubt. Nach ihren Angaben war die Crew des Schiffes mittellos und befand sich in schlechtem gesundheitlichen Zustand.

6. #SayHerName
Wem sagt der Name Heather Heyer noch etwas? Die 32-jährige Frau war jene, die am 12. August von einem Neonazi auf einer antifaschistischen Kundgebung in Charlottesville in den USA überfahren und dadurch ermordet wurde. Zuvor hatte sie gegen einen Aufmarsch von Rechtsradikalen demonstriert. Während die US-Medien lediglich von einem 32-jährigen Opfer sprachen, wurde auf Twitter eingefordert, sie beim Namen zu nennen. Unter dem Hashtag #SayHerName ging tausendfach ihr Foto durch die sozialen Medien: »Das ist die 32-jährige Heather Heyer, sie wurde umgebracht, während sie gegen Neo-Nazis in Charlottesville protestierte. Ruhe in Frieden, Heather, und danke dafür, dass du gegen den Hass gekämpft hast.« Zudem wurden ihre Mörder konkret als Rechtsradikale benannt, als »Faschisten«, »White Supremacists«, »Neonazis«, und nicht zuletzt: als »Trump-Unterstützer«. Lange Zeit hatte Trump es konsequent gemieden, im Zusammenhang mit der Attacke auf Anti-Nazi-Demonstranten von rechtsradikalem Terror zu sprechen. Der Hashtag knüpfte übrigens an eine Kampagne gegen Polizeigewalt an, die 2015 von der Bürgerrechtsorganisation »African American Policy Forum« gegründet wurde, nachdem die 28-jährige Schwarze Sandra Bland in Haft gestorben war.

7. #NoTincPor
Die Nachricht des Terror-Anschlages am 17. August in Barcelona wurde zunächst durch Twitter bekannt. Ein IS-Terrorist war mit einem Lieferwagen auf dem Boulevard Las Ramblas im Zentrum der katalanischen Hauptstadt in eine Menschenmenge gefahren. 13 Menschen wurden getötet, mehr als 120 verletzt. Nur kurze Zeit nach dem Anschlag twitterten zahlreiche EinwohnerInnen Barcelonas und spanische PolitikerInnen unter dem Hashtag #NoTincPor (zu Deutsch: Ich habe keine Angst), dass sie sich vom Terror nicht einschüchtern lassen würden. In den darauffolgenden Tagen wurde »No tinc por« zu einem der wichtigsten Slogans auf Solidaritätsdemonstrationen.

8. #COP23, #endegelaende, #endcoal
Während unter dem Hashtag #COP23 eher nachrichtlich über die 23. UN-Klimakonferenz vom 6. bis 17. November 2017 getwittert wurde, trendeten zur gleichen Zeit die Hashtags #endegelaende und #endcoal. Unter diesen Stichworten twitterten KlimaaktivistInnen gegen die zunehmende Umweltzerstörung und sprachen sich für einen sofortigen Ausstieg Deutschlands aus der Kohleförderung aus. Einige AktivistInnen besetzten zudem noch vor Beginn der Konferenzen Kohlebagger im rheinischen Tagebaurevier Hambach. Die Fotos der Aktion wurden von zahlreichen Medien aufgegriffen, um auch über die Proteste gegen die internationale Klimapolitik zu berichten. Zudem wurde nach den Protesten gegen das G20-Treffen in Hamburg erneut darüber gestritten, ob Regelüberschreitungen bei Demonstrationen gesellschaftlich toleriert werden können. Dem Klimabündnis »Ende Gelände« gelang es, sein Image als friedliche Protestbewegung aufrecht zu erhalten.

9. #metoo
Manchmal bündelt ein Tweet nicht einfach Debatten auf Twitter, sondern löst soziale Bewegungen aus. Wenn die Zeit dafür reif ist, geht ein Tweet plötzlich so richtig rum – viral nennt sich das. Bestes Beispiel 2017: #metoo. »Wenn du sexuell belästigt oder angegriffen wurdest, schreib ‚me too‘ als Antwort auf diesen Tweet«, schrieb die Schauspielerin Alyssa Milano am 15. Oktober auf Twitter. Innerhalb eines Tages wurde der Hashtag #metoo über eine halbe Million mal für Berichte über sexuelle Belästigung auf der ganzen Welt verwendet – und ging rasch auf Facebook über: 4,7 Millionen Menschen verwendeten dort den Hashtag, innerhalb von 24 Stunden nach Milanos Tweet. In den folgenden Tagen trendete er in 85 Nationen: Nicht nur in Europa und den USA, sondern auch in Indien, Pakistan, Israel, Vietnam und China. In der englischsprachigen Zeitung »China Daily« beeilte sich ein Kommentator zu versichern, sexuelle Belästigung sei ein »westliches Problem«. Chinesischen Männern hingegen sei beigebracht worden, »ihre Frauen gut zu behandeln« - was erneut für eine Empörungswelle auf Twitter sorgte. Die #metoo-Bewegung sorgte auch für konkrete Konsequenzen. Im Europäischen Parlament wurde nach mehreren Berichten über sexuelle Belästigung eine Dringlichkeitssitzung einberufen. In Großbritannien traten der Verteidigungsminister Michael Fallon und Vize-Premier Damian Green nach Vorwürfen zurück, in den USA der demokratische US-Senator Al Franken. Die Produktionsfirma des Hollywood-Filmmoguls Harvey Weinstein, aufgrund mehrerer Vergewaltigungs- und Missbrauchsvorwürfe Auslöser der Debatte, wurde aus den Abspännen laufender Produktionen gelöscht. Die Dreharbeiten für die Netflix-Serie »House of Cards« wurden nach Vorwürfen gegen Kevin Spacey eingestellt. Innerhalb der Debatte wurde versucht, mit dem Hashtag #notme einen Gegenpunkt zu setzen: Frauen machten deutlich, dass nicht alle von Belästigung betroffen sind. Mit #ihave setzten sich Männern damit auseinander, dass sie schon einmal eine Frau belästigt haben. Beide Hashtags konnten sich kaum durchsetzen. Erfunden hat #metoo übrigens die Bürgerrechtlerin Tarana Burke: 2006 gründete sie damit eine Kampagne gegen die sexuelle Belästigung schwarzer Frauen.

10. #mausgerutscht
Was international Trumps #covfefe ist, ist hierzulande Beatrix von Strorchs #mausgerutscht. Eigentlich ein alter Hut: Bereits 2016 schrieb die christliche Fundamentalistin auf Facebook: »Wer das HALT an unserer Grenze nicht akzeptiert, der ist ein Angreifer. Und gegen Angriffe müssen wir uns verteidigen.« Wir erinnern uns: Damit unterstützte von Storch ihre damalige Partei-Chefin Frauke Petry in der Forderung, bei illegalen Grenzüberschreitungen notfalls auch zu schießen. Als ein Facebook-Nutzer daraufhin fragte: »Wollt Ihr etwa Frauen mit Kindern an der grünen Wiese den Zutritt mit Waffengewalt verhindern?«, antwortete Beatrix von Storch mit »Ja«. Nach dem daraufhin einsetzenden Shitstorm verkaufte die AfD-Politikerin dem »Spiegel« folgende Erklärung: Der Post sei auch ein »technischer Fehler« gewesen, da sie auf ihrer »Maus ausgerutscht« sei. #Mausgerutscht war das Motto des folgenden Gelächters der Twitter-Nutzer. Hervorgeholt wurde der Hashtag nun noch einmal, als von Storch sich von einem Tweet ihres Teams distanzierte. Das hatte nämlich in ihrem Namen getwittert: »Kognitive Dissonanz lässt sich nicht auf Dauer durchhalten. Je länger Merkel am Ruder der #CDU bleibt, desto mehr Fleisch werden wir von ihrem Kadaver reißen.« »Schrotttweet meines Teams«, kommentierte von Storch nach dessen Löschung auf Twitter. Upsi, schon wieder #mausgerutscht - ganz schön glitschig bei den Rechten.

11. #BaristaAntifascista
Manche Nachrichten sind schwer nachzuvollziehen, wenn man Twitter so gar nicht kennt. Ganz klar gehörten dazu die Tweets, die Ende November und Anfang Dezember 2017 unter dem Hashtag #BaristaAntifascista verbreitet wurden. Hintergrund war ein Gerichtsverfahren im mecklenburg-vorpommerschen Güstrow, bei welchem sich der Sänger der Punkband »Feine Sahne Fischfilet« verantworten musste. Bei einer Demonstration 2015 hatte er sich schützend vor Flüchtlinge gestellt, die von Neonazis attackiert wurden. Auf Berufung einer Aussage eines Polizisten wurde dem Sänger, Jan Gorkow, gewalttätiges Verhalten vorgeworfen. Vor Gericht widersprach jedoch ein anderer Polizist dieser Aussage, zudem gab es viele Foto- und Videoaufnahmen, die Gorkow entlasteten. Der Polizist, der ursprünglich gegen ihn ausgesagt hatte, verstrickte sich vor Gericht in Widersprüche. Unter anderem sagte er, die linken hätten »Barista, Barista, Antifascista« gerufen, richtig heißt der Spruch »Alerta, Alerta, Antifascista« (Antifaschistischer Alarm).

12. #Aluhut
Seht ihr diese weißen Streifen am Himmel? Die kommen gar nicht von kondensierenden Flugzeugabgasen! Das sollt ihr nur glauben! Tatsächlich sind es Chemtrails: Die Flugzeuge sprühen Chemikalien aus, mit denen die Bevölkerung reguliert werden soll. Darin befinden sich manchmal auch Nano-Roboter, die wir quasi einatmen und die dann unser Hirn lenken. Aber keine Sorge, dagegen kann man sich schützen: Mit Alu-Hüten. Aluminium schützt vor Radiowellen und damit vor dem Einfluss durch böse Mächte wie die USA. So oder so ähnlich denken einige Hardcore-VerschwörungstheoretikerInnen – der Begriff #Aluhut ist deshalb zur gängigen Beschimpfung vermeintlicher VertreterInnen ihrer Art auf Twitter geworden. Neue Popularität erreichte der Hashtag zum Ende des Jahres, als der »Neue Rheinische Zeitung«-Blog dem umstrittenen Medienmacher Ken Jebsen einen Preis verleihen wollte. Aus Protest gegen die Würdigung Jebsens, dem die Verbreitung von Antisemitismus und Verschwörungstheorien vorgeworfen wird, trugen Demonstranten in Berlin einen Aluhut. Jebsen selbst erschien nach einem Streit mit den Veranstaltern nicht zur Preisverleihung.

13. #Odebrecht
Der Korruptionsskandal des brasilianischen Baukonzerns Odebrecht erschüttert Brasilien schon seit Längerem. Der Präsident des Unternehmens, Marcelo Odebrecht, wurde 2015 festgenommen, weil er zahlreiche Bestechungsgelder angenommen und Briefkastenfirmen unterhalten haben soll. Doch erst 2017 wurde das Ausmaß der Affäre deutlich: In fast allen Staaten Lateinamerikas kooperierten private und staatliche Unternehmen mit dem korrupten Konzern. Unter dem Hashtag #Odebrecht wurden zahlreiche PolitikerInnen der Korruption beschuldigt. Mittlerweile sind viele von Ihnen zu Haftstrafen verurteilt worden, sicherlich werden aber noch weitere Personen folgen.

14. #PoschardtEvangelium
Twitter ist zu Weihnachten meist langweilig. Keine News, nichts zu kommentieren – da ist man der Familie ja total ausgeliefert! Manchmal geschieht es daher, dass sich während einer Twitterflaute eine Kleinigkeit zu einem Trend aufbläht. So geschah es mit dem Hashtag #PoschardtEvangelium. Stein des Anstoßes: Der »WeltN24«-Chef Ulf Poschardt beschwerte sich am ersten Weihnachtsfeiertag darüber, was in den Gotteshäusern zur Heiligen Nacht gepredigt wird: »Wer soll eigentlich noch freiwillig in eine Christmette gehen, wenn er am Ende der Predigt denkt, er hat einen Abend bei den Jusos bzw. der Grünen Jugend verbracht?« Danijel Majic, Redakteur der »Frankfurter Rundschau«, schlug vor, für diese Äußerung den Hashtag #PoschardtEvangelium zu vergeben. Dies war der Startschuss für einen Shitstorm: Fortan twitterten alle Weihnachtsgelangweilten von Jakob Augstein über den SPD-Politiker Ralf Stegner bis zum Grünen-Politiker Jürgen Trittin frohe Botschaften. Etwa diese poschardtchristliche Weisheit: »Denn vor Gott sind alle Menschen gleich; außer Ausländer, Frauen, Arme, Homosexuelle und Muslime.« Poschardts untreue Jünger verständigten sich darauf, dass christliche Werte wie Nächstenliebe oder Gerechtigkeit am ehesten bei der Grünen Jugend und den Jusos vertreten sind – und nicht etwa bei der AfD. Das sah der Papst ähnlich: Er rief zu Heiligabend dazu auf, Nächstenliebe gegenüber Flüchtlingen zu zeigen.

ndPlus

Ein kleiner aber feiner Teil unseres Angebots steht nur Abonnenten in voller Länge zur Verfügung. Mit Ihrem Abo haben Sie Vollzugriff auf sämtliche Artikel seit 1990 und helfen mit, das Online-Angebot des nd mit so vielen frei verfügbaren Artikeln wie möglich finanziell zu sichern.

Testzugang sichern!

Noch kein Abo?

Jetzt kostenlos testen!

14 Tage das »nd« gratis und unverbindlich als App, digital oder gedruckt.

Kostenlos bestellen