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Regionalkrimis, aus der Nische verkauft

Thüringens Kleinverlage haben es meist schwer, doch die Zahl der aktiven Häuser ist seit Jahren stabil

  • Von Marie Frech, Erfurt
  • Lesedauer: 3 Min.

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»Von den rund 100 gelisteten Verlagen sind aber wohl nur etwa 80 tatsächlich aktiv«, räumt der Landesverbandsvorsitzende Helmut Stadeler ein. Immerhin sei die Zahl der aktiven Häuser in den vergangenen Jahren stabil gewesen. Und Stabilität - selbst bei den kleinsten Verlagen mit einer Handvoll Titeln und Autoren - komme vor allem durch Spezialisierung. »Man muss sich als Verlag eine Nische suchen, der Markt ist sehr voll.«

Ein auch deutschlandweit sehr spezielles Profil hat sich beispielsweise der Cass Verlag zugelegt. Von Bad Berka bei Weimar aus steuern Katja Cassing und ihr Ehemann den im Jahr 2000 in Nordrhein-Westfalen gegründeten Verlag. Mit ihm bringen sie überwiegend japanische Literatur einem deutschsprachigem Publikum näher - für zwei Japanologen eine naheliegende Wahl. Dennoch bemerkt Cassing zur Arbeit und Lage von Kleinverlagen: »Ohne Leidenschaft, könnte man das gleich ganz vergessen.« Dann schwärmt sie von dem Gefühl, wenn ein neues Buch ausgeliefert wird und sie es zum ersten Mal aus der Kiste holt.

»Es dauert wirklich seine Zeit, bis man im Buchhandel wahrgenommen wird, man braucht einen langen Atem«, berichtet Cassing. Die Konkurrenz sei auf dem allgemeinen Buchmarkt groß. Reich werde man als Verleger nicht. »Es sei denn, man landet doch einen Bestseller.« Dieser lässt beim Cass-Verlag noch auf sich warten. Aber immerhin habe man es mit einigen Titeln auf Bestenlisten geschafft. Und auch das Feuilleton habe bereits ein Auge auf das kleine Haus geworfen. Cassing ist derweil nicht die einzige, die in Thüringen auf Literatur der Ferne setzt. Mit Clandestino Publikationen erscheinen in Jena etwa brasilianische Romane auf Deutsch. Nach Ansicht von Börsenverein-Chef Stadeler muss die Nische aber nicht auf anderen Kontinenten gesucht werden. Ein Spezialinteresse, das außerhalb Thüringens sonst kaum bedient werde, sei nun mal das am Freistaat selbst. »Egal ob Geschichtsbücher, Romane, Stadt- oder Reiseführer: Der Schwerpunkt heißt Nähe zum Leser, also zur Region.« So führten viele Häuser mindestens einen Regionalkrimi im Programm. Nicht immer gelinge es aber, das richtige Gefühl fürs Lokale einzufangen. »Da muss die Bratwurst stimmen: In Nord-Ostthüringen darf sie nach Kümmel schmecken, aber nach Knoblauch nur dann, wenn der Krimi im Süden spielt«, erklärt Stadeler.

Fast ausschließlich Thüringer Themen und Autoren hat sich der Quartus-Verlag in Bucha bei Jena verschrieben. »Nach der Wende musste man einen Neuanfang machen, als Germanist sah ich da eine Verlagsgründung als meine Aufgabe«, sagt Inhaber Detlef Ignasiak. Nach dem Ende der DDR habe er auf die Regionalliteratur setzen wollen, die zuvor seiner Ansicht nach kaum existierte. Obwohl er Quartus schon 1995 gründete, könne er immer noch nicht davon leben. Ignasiak bietet zusätzlich Literaturreisen an.

»Der Verlag macht viel Arbeit, aber wir können vielen Autoren und Themen eine Chance geben«, sagt der Kulturhistoriker. Die besten seiner Titel bringen es zu einer Auflage von 5000 Stück, die meisten erreichen aber noch nicht einmal die Tausendermarke. Jeder Gewinn fließe in ein neues Buch, sagt Ignasiak.

Man müsse Realist bleiben, räumt auch Stadeler ein. Einige Verleger könnten von den Büchern leben. »Eine goldene Nase verdient man sich damit aber nicht. Immerhin ist man als Verleger oft der erste Leser, erfährt von ganz neuen Themen.« Auch die Japanologin Cassing macht sich keine Illusionen. Dennoch möchte sie 2018 Vollzeit-Verlegerin werden. Sie wolle dem »Schleudersitz der Wissenschaft« mit befristeten Verträgen an der Universität entkommen. Der Verlag biete inzwischen mehr Sicherheit. dpa/nd

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