Werbung

Neue Wege als Bürgermeister

In 22 Städten und Gemeinden Brandenburgs werden 2018 die Rathauschefs gewählt

  • Von Uwe Werner und Paul Alexander
  • Lesedauer: 4 Min.

Echt jetzt? Ihr wollt Geld von mir?

Ja, herrgottnochmal, es kostet!

Auch, wenn's nervt – wir müssen die laufenden Kosten für Recherche und Produktion decken.

Also, mach mit! Mit einem freiwilligen regelmäßigen Beitrag:

Was soll das sein

Wir setzen ab sofort noch stärker auf die Einsicht der Leser*innen, dass linker Journalismus auch im Internet nicht gratis zu haben ist – mit unserer »sanften« nd-Zahlschranke.

Wir blenden einen Banner über jedem Artikel ein, verbunden mit der Aufforderung sich doch an der Finanzierung und Sicherstellung von unabhängigem linkem Journalismus zu beteiligen. Ein geeigneter Weg besonders für nd-Online-User, die kein Abo abschließen möchten, die Existenz des »nd« aber unterstützen wollen.

Sie können den zu zahlenden Betrag und die Laufzeit frei wählen - damit sichern Sie auch weiterhin linken Journalismus.

Aber: Für die Nutzung von ndPlus und E-Paper benötigen Sie ein reguläres Digitalabo.

Im neuen Jahr 2018 sind Bürgermeisterwahlen in 22 brandenburgischen Städten und Gemeinden geplant. Der Anfang wird am 7. Januar in Lauchhammer gemacht. Am 14. Januar folgen Großbeeren und Templin. In Templin bewerben sich eine Frau und drei Männer um die Stimmen der rund 12 000 wahlberechtigten Einwohner. Als aussichtsreicher Kandidat gilt Amtsinhaber Detlef Tabbert (LINKE).

Die von der CDU nominierte Bankkauffrau Annett Polle leitet die Sparkassenfiliale in Fürstenberg/Havel und wirkt als sachkundige Bürgerin im Finanzausschuss des Templiner Stadtparlaments. Für die Wählergemeinschaft »Uckermärker Heide« geht Harald Engler, ein Meister für Nachrichtentechnik, ins Rennen. Er ist seit vielen Jahren Stadtverordneter. Außerdem kandiert noch der Polizeibeamte Bernhard Klausmeyer. Er wurde von der Wählergemeinschaft »Den Bürgern verpflichtet« aufgestellt.

Bei der letzten Bürgermeisterwahl im Jahr 2010 hatte Amtsinhaber Detlef Tabbert die Stichwahl mit 63,4 Prozent der Stimmen gegen den damaligen Bürgermeister Ulrich Schoeneich gewonnen. Der SPD-Ortsverein Templin hat alle vier Kandidaten zu einem öffentlichen Wählerforum eingeladen. Am 9. Januar 2018 werden sie sich ab 18.30 Uhr im Saal des Multikulturellen Centrums Templin den Fragen der Wähler stellen.

In sieben Städten und Gemeinden soll am 25. Februar gewählt werden: in Rathenow, in Strausberg, in Fürstenwalde, in Wustermark und in Petershagen/Eggersdorf, außerdem in Brandenburg/Havel. Dort hat sich die bisherige Oberbürgermeisterin Dietlind Tiemann (CDU) im September vergangenen Jahres in den Bundestag verabschiedet. Gewählt werden soll am 25. Februar auch in Neuenhagen bei Berlin (Märkisch-Oderland). Hier rechnet sich die LINKE mit ihrem Kandidaten Sven Kindervater Chancen aus. Immerhin stellt die LINKE in der Gemeindevertretung die stärkste Fraktion. Kindervater ist der Linksfraktionschef. Der 30-Jährige geht sehr selbstbewusst in den Wahlkampf. »Nach zehn Jahren Gemeindevertretung traue ich mir das Amt zu«, sagt er.

Neuenhagens bisheriger Bürgermeister Jürgen Henze (parteilos) tritt aus Altersgründen nicht wieder an. Insgesamt sechs Bewerber möchten seine Nachfolge antreten. Die CDU nominierte ihre Fraktionsvorsitzende Corinna Fritzsche-Schnick und die SPD die Bauamtsleiterin Janina Meyer-Klepsch. Die Feuerwehr, die FDP und die Fraktion der Parteilosen stellten ebenfalls Kandidaten auf. Neuenhagen ist eine wachsende Gemeinde, steht finanziell gut da und hat unter dem scheidenden Bürgermeister Henze seine Infrastruktur weitreichend ausgebaut. Doch das Wachstum schafft auch neue Probleme. So warnen die Direktorinnen der Grundschulen davor, dass ab 2020 nicht mehr genügend Plätze angeboten werden können. Die Entwässerungssysteme der Gemeinde sind überlastet. Kindervater will hier mehr investieren. In Zeiten niedriger Zinsen plädiert er dafür, Investitionen für die Gemeinde über Kredite zu finanzieren.

Wegen der wachsenden Verkehrsprobleme bilden sich neue Bürgerinitiativen. Kindervater will sie in einem neuen Verkehrsbeirat in die Kommunalpolitik einbinden. Es gibt immer mehr Jugendliche, aber zu wenig attraktive Angebote. Kindervaters Forderung nach einem neuen Jugendklub findet auch bei den Eltern Unterstützung.

Neuenhagen sieht sich als Gartenstadt. Das größte Naherholungsgebiet, die für den Pferdesport gedachte Neuenhagener Trainierbahn, wurde vor einigen Jahren privatisiert. Hier plant ein westdeutscher Investor weiträumige Abholzungen. Kindervater will dem per Planungsrecht einen Riegel vorschieben. Diese Haltung wird nun im Wahlkampf honoriert. »Wir brauchen einen Bürgermeister, der nicht einknickt«, sagt Irmgard Kortkamp, ein Urgestein der Umweltbewegung in Neuenhagen. Sie trug seinerzeit dazu bei, dass in der beschaulichen, 18 000 Einwohner zählenden Gemeinde tausende Unterschriften gegen die Privatisierung gesammelt wurden. Jetzt wirbt sie für Kindervater: »Ich höre immer wieder, dass Sven Kindervater noch so jung ist. Das stimmt. Genauso stimmt, dass er sich zur Trainierbahn immer klar positioniert hat.«

Kindervaters Wahlkampf wird von zahlreichen Parteilosen und von jungen Leuten unterstützt. Er setzt auf eine starke Präsenz in den sozialen Netzwerken. »Wir müssen neue Wege gehen, und zwar nicht nur im Wahlkampf«, meint Kindervater. Gerade für die Verkehrsprobleme gäbe es neue Lösungen. Kindervater will Firmen einladen, Neuenhagen als Modellgemeinde für die selbst fahrenden Shuttlebusse zu nutzen und Radwege ausbauen. Er will junge start-up-Firmen anlocken. Einige von ihnen kennt er. Denn als Unternehmensberater begleitet er solche Firmen bei der Gründung oder Neuausrichtung, dem E-Mail-Marketing und der Finanzierung.

ndPlus

Ein kleiner aber feiner Teil unseres Angebots steht nur Abonnenten in voller Länge zur Verfügung. Mit Ihrem Abo haben Sie Vollzugriff auf sämtliche Artikel seit 1990 und helfen mit, das Online-Angebot des nd mit so vielen frei verfügbaren Artikeln wie möglich finanziell zu sichern.

Testzugang sichern!

Schenken Sie schon, oder rätseln Sie noch?

Verschenken Sie das »nd«

Klare Worte, Kritische Debatten und mutiger Journalismus von Links: Das »nd« wird Sie bewegen.

Jetzt verschenken oder sich selbst beschenken