Werbung

Kalifornien sendet Rauchzeichen

Handel mit Marihuana in weiterem US-Bundesstaat legalisiert / Branche soll bis 2020 auf Umfang von 7 Milliarden Dollar anwachsen

  • Von John Dyer, Boston
  • Lesedauer: 3 Min.

Echt jetzt? Ihr wollt Geld von mir?

Ja, herrgottnochmal, es kostet!

Auch, wenn's nervt – wir müssen die laufenden Kosten für Recherche und Produktion decken.

Also, mach mit! Mit einem freiwilligen regelmäßigen Beitrag:

Was soll das sein

Wir setzen ab sofort noch stärker auf die Einsicht der Leser*innen, dass linker Journalismus auch im Internet nicht gratis zu haben ist – mit unserer »sanften« nd-Zahlschranke.

Wir blenden einen Banner über jedem Artikel ein, verbunden mit der Aufforderung sich doch an der Finanzierung und Sicherstellung von unabhängigem linkem Journalismus zu beteiligen. Ein geeigneter Weg besonders für nd-Online-User, die kein Abo abschließen möchten, die Existenz des »nd« aber unterstützen wollen.

Sie können den zu zahlenden Betrag und die Laufzeit frei wählen - damit sichern Sie auch weiterhin linken Journalismus.

Aber: Für die Nutzung von ndPlus und E-Paper benötigen Sie ein reguläres Digitalabo.

Die Kunden konnten es kaum erwarten. Vor »Urbn Leaf« in San Diego hatte sich vor der Geschäftsöffnung bereits eine lange Schlange gebildet. Mit dem Jahresanfang ist im US-Bundesstaat Kalifornien erstmals der Handel mit Marihuana zu Entspannungszwecken legal. »Das ist verrückt. Wir haben auf viele Menschen gehofft und waren auch darauf vorbereitet«, sagte Will Senn, Mitgründer von »Urbn Leaf«. »Aber damit haben wir nicht gerechnet.«

Kalifornien hofft auf Steuereinnahmen

Es wird erwartet, dass der Handel mit Marihuana zu Entspannungszwecken in den kommenden zwei Jahren in Kalifornien einen Umfang von 7 Milliarden Dollar (5,8 Milliarden Euro/6,8 Milliarden Franken) erreichen wird. Wie es von Seiten des Bundesstaates heißt, könnten dadurch Steuereinnahmen von bis zu 1 Milliarde Dollar entstehen. So wird »Urbn Leaf« in den nächsten Wochen bereits seine dritte Filiale eröffnen. Senn stellt dafür Lieferfahrer und andere Mitarbeiter ein. Zudem verkauft sein Unternehmen nicht nur das Marihuana selbst, sondern auch Lebensmittel wie Schokolade, die mit Marihuana versetzt worden sind.

»Wir können Marihuana innerhalb von 20 Minuten liefern«, erklärt Senn. »Das funktioniert wie mit Pizza.« Am Neujahrstag zählte er bis zum Mittag bereits 350 Kunden. Deutlich mehr als bislang an einem ganzen Tag, als Marihuana lediglich zu medizinischen Zwecken verkauft werden durfte.

Neue Branche entsteht

Marihuana war in Kalifornien seit 1913 verboten. 1996 wurde das Verbot für medizinische Zwecke aufgehoben. Das war ein bedeutender Einschnitt, da zu diesem Zeitpunkt das Interesse an dem Rauschmittel stark zugenommen hat. 2016 entschieden sich 57 Prozent der Stimmberechtigen bei einem Referendum dazu, Anbau, Besitz und Gebrauch für Erwachsene über 21 Jahren zu legalisieren. Die Aufhebung des Handelsverbots wurde durch das Referendum für den 1. Januar 2018 festgelegt.

Die Entwicklung ist Teil eines Trends, durch welchen in den USA eine neue Branche entsteht. So ist der Gebrauch zu Entspannungszwecken bereits in den Staaten Alaska, Colorado, Nevada, Oregon und Washington State legal. In Massachusetts soll dieser Schritt im Sommer erfolgen. In Maine entschied ein entsprechendes Referendum im vergangenen Jahr zwar gegen die Legalisierung, der Gouverneur des Staates hat sich jedoch für ein Veto gegen das Ergebnis entschieden. Nach Angaben von Statista wird in diesen Staaten bis 2020 ein Umsatz von 11,7 Milliarden Dollar durch den Verkauf von Marihuana zu Entspannungszwecken erwartet.

Dabei ist der Handel mit Marihuana nach landesweiten Gesetzen weiterhin illegal. Justizminister Jeff Sessions hatte sich vor seinem Amtsantritt gegen die Branche ausgesprochen. Präsident Donald Trump hat bislang jedoch keine Initiative gegen die Legalisierung in immer mehr Staaten ergriffen.

Schub erwartet

Die Aufhebung des Verbots in Kalifornien könnte nun weitreichende Folgen haben. Einerseits befindet sich die Region Humboldt County in dem Bundesstaat, welche für die hervorragenden Anbaubedingungen bekannt ist. Andererseits ist Kalifornien der einwohnerstärkste Bundesstaat der USA. Bereits jetzt handeln dort 100 Geschäfte mit Marihuana zu Entspannungszwecken, wie Alex Traverso, Sprecher der kalifornischen Behörde Bureau of Cannabis Control, erklärt. Insgesamt hätten jedoch bereits 1400 Läden eine entsprechende Genehmigung durch den Bundesstaat. Ihnen fehlen jedoch noch die Lizenzen, die von Städten vergeben werden.

So fürchten einige Branchenmitglieder auch Probleme wegen der Bürokratie. Andere Beobachter machen sich hingegen mehr Sorgen wegen der Auswirkungen des Marihuanakonsums. So hat sich in Colorado die Anzahl der Verkehrsunfälle, bei denen Marihuana im Spiel war, zwischen 2013 und 2016 verdoppelt.

ndPlus

Ein kleiner aber feiner Teil unseres Angebots steht nur Abonnenten in voller Länge zur Verfügung. Mit Ihrem Abo haben Sie Vollzugriff auf sämtliche Artikel seit 1990 und helfen mit, das Online-Angebot des nd mit so vielen frei verfügbaren Artikeln wie möglich finanziell zu sichern.

Testzugang sichern!

Noch kein Abo?

Jetzt kostenlos testen!

14 Tage das »nd« gratis und unverbindlich als App, digital oder gedruckt.

Kostenlos bestellen