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  • Skispringer Thomas Diethart

Nur noch abwärts

Thomas Diethart wurde in kürzester Zeit zum gefeierten Tourneesieger - und dann zu einem Fall für die Ärzte

  • Von Lars Becker, Innsbruck
  • Lesedauer: 3 Min.

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Vor vier Jahren war Thomas Diethart noch der gefeierte Held in Innsbruck - auf dem Weg zu seinem sensationellen Tourneegesamtsieg. In diesem Winter schaut sich der im wahrsten Sinne des Wortes abgestürzte Austria-Adler die dritte Station der 66. Vierschanzentournee am Donnerstag (14 Uhr/ZDF und Eurosport) als Zuschauer an. Das Erlebnis am Bergisel soll den in den vergangenen zwei Jahren dreimal in die Intensivstation gestürzten Flieger bei der Entscheidung helfen, ob er sich erneut auf die Schanze wagen oder seine Karriere nicht klugerweise beenden soll.

»Ob er noch einmal springen sollte, können nur die Ärzte und Psychologen beurteilen. Es ist schön, ihn in Innsbruck zu sehen und mit ihm zu sprechen. Wichtig ist eigentlich nur, dass Thomas wieder richtig fit und gesund wird«, sagt der österreichische Cheftrainer Heinz Kuttin. Intern wird unter Österreichs Coaches sogar diskutiert, Diethart ein Sprungverbot zu erteilen. Niemand mag mehr die Verantwortung übernehmen, dafür waren die Unfälle einfach zu schlimm.

Bei seinem ersten schweren Sturz im Februar 2016 war beim Continental Cup in Brotterode im Harz noch eine Windböe der Hauptauslöser. Prellungen an Wirbelsäule, Niere und Lunge die Folge. Im Mai 2016 stürzte er dann bei Windstille im Training in Stams (Tirol). Und am 29. November 2017 dann bei einem Übungssprung in Ramsau (Steiermark). Das schreckliche Bild aus seinem Krankenhaus mit seinem zerschundenen Gesicht steht noch immer ganz oben in seiner Facebook-Timeline. Die Diagnose der schwersten Verletzungen dieses Mal: Eine schwere Gehirnerschütterung mit Einblutung ins Gehirn und eine Lungenquetschung.

»Der dritte Versuch - und es tut immer noch weh. Vielleicht sollte ich es einmal mit etwas anderem versuchen«, schrieb Diethart danach. Der 25-Jährige ist das Paradebeispiel dafür, wie schnell es im Skispringen nach ganz oben gehen und wie tief der Absturz danach sein kann. Diethart galt eher als mittelmäßig talentierter Skispringer, ehe er nach drei Jahren Weltcupabstinenz im Dezember 2013 für die Tourneegeneralprobe in Engelberg nominiert wurde. Dort schaffte er überraschend den Durchbruch in die Weltspitze und stach bei der anschließenden Vierschanzentournee alle Favoriten aus. Er gewann das Neujahrsspringen in Garmisch-Partenkirchen und das Finale in Bischofshofen - es blieben die beiden einzigen Weltcupsiege seiner Karriere bisher.

Als Sieger der Vierschanzentournee war er plötzlich ein Star in Österreich, holte 2014 in Sotschi noch Olympiasilber mit dem Austria-Team. Doch danach konnte er nie mehr an die glanzvollen Leistungen dieses einen Winters anknüpfen. Abfinden wollte sich Diethart damit nicht und probierte in Sachen Sprungstil und Material immer wieder neue Dinge aus. Genau das war auch die Ursache zumindest für den letzten Sturz. »Ich habe die Tage davor im Training schon ein paar Probleme gehabt. Dann haben wir an Bindung, Ski und Schuh etwas ausprobiert, und dann war genau der Sturz«, berichtete er der »Tiroler Tageszeitung«.

Sechs Wochen darf Thomas Diethart jetzt gar nicht mehr trainieren. Er will sich in dieser Zeit überlegen, wie es mit mit seiner Karriere weitergehen soll. Sein einstiger Teamkollege Thomas Morgenstern - dreimaliger Olympiasieger, elfmaliger Weltmeister und Tourneesieger 2011 - hat nach zwei schweren Stürzen seine Karriere beendet. Diethart hat sich bislang noch nicht zu diesem logisch erscheinenden Entschluss durchringen können - obwohl er schon in den vergangenen zwei Jahren auf der Schanze teils panische Angst verspürt hat. »Ich lebe von meinem Ersparten, beim jetzigen Lebensstil geht das noch eine Zeit«, sagt er.

Diethart kann noch nicht ganz von der Droge Skispringen lassen. Zu schön sind die Erinnerungen an diesen Tourneesieg vor vier Jahren. Er war für ein paar Tage ein Star - und nun fürchtet sich der gelernte Industriemechaniker wohl vor der harten Landung im ganz normalen Leben.

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