Werbung

Nichts gelernt nach dem NSU? Dönermord-Vokabular kehrt zurück

Unbekannter schoss auf zwei Türkeistämmige / Zeitung berichtet über »Döner-Krieg in Brandenburg«

  • Von Elsa Koester
  • Lesedauer: 2 Min.

Bei uns droht die ABOkalypse!

Wir brauchen zahlende Digitalleser/innen.

Unterstütze uns und überlasse die Informationsflanke nicht den Rechten!

Mach mit! Dein freiwilliger, regelmäßiger Beitrag:

Was soll das sein

Wir setzen ab sofort noch stärker auf die Einsicht der Leser*innen, dass linker Journalismus auch im Internet nicht gratis zu haben ist – mit unserer »sanften« nd-Zahlschranke.

Wir blenden einen Banner über jedem Artikel ein, verbunden mit der Aufforderung sich doch an der Finanzierung und Sicherstellung von unabhängigem linkem Journalismus zu beteiligen. Ein geeigneter Weg besonders für nd-Online-User, die kein Abo abschließen möchten, die Existenz des »nd« aber unterstützen wollen.

Sie können den zu zahlenden Betrag und die Laufzeit frei wählen - damit sichern Sie auch weiterhin linken Journalismus.

Aber: Für die Nutzung von ndPlus und E-Paper benötigen Sie ein reguläres Digitalabo.

Sechs Jahre nach dem Aufdecken des rechtsradikalen NSU-Terrorismus in Deutschland kehrt das Dönermord-Vokabular in die deutsche Presselandschaft zurück. »Döner-Krieg in Brandenburg? Schüsse auf zwei Buden-Besitzer in Kyritz«, titelte »Focus« am Dienstag nach Schüssen auf zwei Imbiss-Besitzer. Die »B.Z.« zog mit der Schlagzeile »Döner-Krieg in Kyritz« am Donnerstag nach.

Zum Hintergrund: Ein Unbekannter hatte am Neujahrsabend in Kyritz (Brandenburg) auf die Autos von zwei türkeistämmigen Besitzern von Dönerläden geschossen. Nachdem die Männer ihre Autos gestoppt hätten, habe der unbekannte Schütze die Flucht ergriffen, berichtete die Polizeidirektion West am Dienstag. Die Polizei war von den 23 und 35 Jahre alten Männern alarmiert worden. Kriminaltechniker konnten mutmaßliche Einschüsse an einem der beiden Wagen, an weiteren geparkten Fahrzeugen und an gegenüberliegenden Hausfassaden feststellen. Außerdem wurden Patronenhülsen gefunden.

Nun ermittelt die Mordkommission wegen eines versuchten Tötungsdelikts. Nach Angaben von Polizeisprecherin Dörte Röhrs prüfen die Ermittler auch einen möglichen Zusammenhang mit Auseinandersetzungen zwischen Betreibern von Dönerläden in der Stadt. Dabei sei es im vergangenen Herbst zu einer Schlägerei gekommen. In diesem Fall werde gegen die beiden jetzt angegriffenen Männer wegen Körperverletzung ermittelt.

Diese Zusammenhänge verleiteten den »Focus« und die »B.Z.« zu der eingangs zitierten Schlagzeile. Der Begriff der »Döner-Morde« wurde jahrelang für die Serie von Morden an Menschen mit Migrationshintergrund in Deutschland benutzt, weil Polizei und Presse davon ausgingen, es handele sich um Auseinandersetzungen innerhalb der migrantischen Szene. Tatsächlich steckte der rechtsradikale NSU dahinter. Nur zwei der neun NSU-Opfer mit Migrationshintergrund hatten jedoch in einem Döner-Imbiss gearbeitet.

Der Begriff »Döner-Morde« wurde aufgrund des damit verbundenen Rassismus 2011 zum Unwort des Jahres gekürt. In der Begründung hieß es: »Mit der sachlich unangemessenen, folkloristisch-stereotypen Etikettierung einer rechts-terroristischen Mordserie werden ganze Bevölkerungsgruppen ausgegrenzt und die Opfer selbst in höchstem Maße diskriminiert, indem sie aufgrund ihrer Herkunft auf ein Imbissgericht reduziert werden.«

ndPlus

Ein kleiner aber feiner Teil unseres Angebots steht nur Abonnenten in voller Länge zur Verfügung. Mit Ihrem Abo haben Sie Vollzugriff auf sämtliche Artikel seit 1990 und helfen mit, das Online-Angebot des nd mit so vielen frei verfügbaren Artikeln wie möglich finanziell zu sichern.

Testzugang sichern!

Noch kein Abo?

Jetzt kostenlos testen!

14 Tage das »nd« gratis und unverbindlich als App, digital oder gedruckt.

Kostenlos bestellen