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Das Geld fließt weiter

Trotz Kritik an der Wirksamkeit will Thüringen seine »Visitenkarte« Oberhof weiter fördern

  • Von Oliver Kern, Oberhof
  • Lesedauer: 4 Min.

Der Ministerpräsident war erkennbar »not amused«. Natürlich hatte auch Bodo Ramelow (LINKE) davon gelesen, dass sich einige Politiker - offenbar auch aus den eigenen Regierungsreihen - anonym in der Thüringer Presse über die millionenschwere Förderung des Wintersportorts Oberhof beschwert hatten - wenige Tage vor dem wichtigsten Termin des Jahres, dem hiesigen Biathlonweltcup. Von »Seilschaften« im Ort war die Rede, von »destruktivem Klima« und »Stillstand«. Unklar blieb, wer die Worte gesagt haben soll. Klar erkennbar aber war der Vorwurf, die Fördermillionen, die seit Jahrzehnten in die Entwicklung des Sport- und Tourismusstandorts Oberhof fließen, seien wirkungslos verpufft.

»Das halte ich für großen Unsinn«, konterte Ramelow nun vor Ort. Das Geld hätte schließlich sichergestellt, dass es noch immer einen Weltcupwettbewerb in Oberhof gibt. Fürwahr stand dies vor ein paar Jahren auf der Kippe, als vielerorts in neue Biathlonstadien investiert worden war, in Oberhof aber alles noch so aussah wie zur WM 2004. Seitdem entstanden für mehr als zehn Millionen Euro neue Funktionsgebäude, eine Skihalle, mehr Platz für Wachs-Trucks. Der Weltcup ist nun gesichert. »All die Werbeminuten, die uns am Anfang jedes Jahres die Sportübertragungen einbringen, jede Einblendung von Oberhof/Thüringen, könnten wir niemals kaufen. Deswegen ist jeder angelegte Cent eine Investition in unsere Marketingstrategie«, argumentierte Ramelow.

Vom angeblich herrschenden Unmut der Oberhofer Gewerbetreibenden, weil die Umsätze sinken würden, spürt man derzeit nichts. Die erste Januarwoche ist ja auch die einnahmeträchtigste im ganzen Jahr. Da klingeln die Kassen, zumal die Begeisterung der Fans mit den jüngsten Erfolgen von Laura Dahlmeier und Co. wieder wächst. »Wir werden die Marke von 70 000 Zuschauern an den vier Tagen wohl knacken. Das ist mehr, als wir erwartet hatten«, bilanzierte Bürgermeister Thomas Schulz schon am Donnerstag.

Schulz sei ein Beispiel für jene Seilschaften, hatte es geheißen. Einer, der zu viele Positionen besetze und dort dann überfordert sei. Doch ein Dissens mit Erfurt ist in diesen Tagen nicht spürbar. Vielmehr kommt Ramelow mit weiteren Geschenken und einem klaren Bekenntnis zur Bewerbung Oberhofs um die Weltmeisterschaften 2023. Das Geld für alle notwendigen Investitionen sei in den Doppelhaushalt 2018/19 eingeordnet, um Oberhof entsprechend den Standards des Weltverbands fit zu machen. Schulz und Landrat Peter Heimrich bedankten sich sichtlich erfreut. »Wir sollten noch im Herbst 2018 mit dem Bau beginnen«, prognostizierte Heimrich, der die Kosten für den Umbau jüngst auf etwa 20 Millionen Euro schätzte.

Bleibt die Frage, ob all die Landesförderung für Stadion, Kurpark (zehn Millionen Euro) oder Therme (zwei Millionen) nur Oberhof hilft oder der ganzen Region. Hier grenzen drei Kreise und die kreisfreie Stadt Suhl aneinander. In der Vergangenheit wuchs Neid, wenn in die Kleinstadt Oberhof investiert wurde, für die anderen aber kaum etwas übrigblieb. »Dass es zu Nickeligkeiten kam, nehme ich zur Kenntnis. Das kann man aber mit einer gemeinsamen Arbeitsstruktur überwinden«, so Ramelow.

Und damit ginge es voran. Die Gemeinden hätten eine Arbeitsgemeinschaft gegründet. »Dafür haben wir viel Geld in die Hand genommen. Ziel ist es, diesen Südthüringer Raum zu einem Oberzentrum weiterzuentwickeln. Und alle Bürgermeister, die einander sonst anscheinend nicht grün sind, saßen zusammen und haben die Ärmel hochgekrempelt«, berichtete der Linkenpolitiker.

Als Beispiel nennt er den Rennsteigshuttle, eine Eisenbahn, die von Erfurt zum berühmten Höhenweg fährt und bis Suhl verlängert werden soll. Außerdem müsse das Marketing der Region Rennsteig vereinheitlicht werden. Dazu gehörten der Rennsteiglauf, die Wanderwege im Thüringer Wald oder die Rodelbahn - nicht nur Biathlon. Oberhof sei nur ein Teil von alldem. Aber ohne Oberhof fehle die internationale Außenwirkung. Der Ort sei die Visitenkarte und soll zum ganzjährigen Tourismuszentrum weiterentwickelt werden.

Dieses Ziel besteht schon lange, wurde aber nie verwirklicht: Eben das wird nun kritisiert. »Ich warne davor, Oberhof kaputt zu quatschen. Und warum wird das mitten in der WM-Bewerbung platziert?«, fragte Ramelow, um gleich selbst zu antworten. »Ich vermute, dass einzelne Akteure jetzt Frust schieben, dass es doch zum Erfolg kommt, dass die WM-Bewerbung ernst gemeint ist und die Landesregierung zu ihren Zusagen steht. Und dass wir jetzt über Kreisgrenzen hinweg zu gemeinsamen Arbeitsstrukturen kommen.« Bürgermeister Schulz schien das ähnlich zu sehen: »Wir haben alle verstanden, dass wir nur Erfolg haben, wenn wir unsere Aufgaben gemeinsam angehen. Diesen Weg haben wir erfolgreich eingeschlagen.«

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