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Weniger Willkommensklassen

Immer mehr geflüchtete Schüler nehmen am regulären Unterricht teil

  • Von Johanna Treblin
  • Lesedauer: 3 Min.

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4888 schulpflichtige Kinder und Jugendliche lebten im Dezember 2017 noch in Berliner Flüchtlingseinrichtungen. Das geht aus der Antwort der Senatsverwaltung für Bildung auf eine Schriftliche Anfrage der Abgeordneten der SPD, Maja Lasic, LINKEN, Regina Kittler, und der Grünen, Stefanie Remlinger, hervor. Die meisten der Minderjährigen lebten mit Stand Oktober in Tempelhof-Schöneberg (197) und in Charlottenburg-Wilmersdorf (194). In Neukölln waren 183 gemeldet, in Pankow 178 und in Lichtenberg 175. Die wenigsten Minderjährigen lebten in Reinickendorf (116). Dazu kamen 159 Jugendliche, die noch in Obhut des Senats und noch nicht den Bezirken zugeordnet waren.

Im Schuljahr 2016/2017 gab es insgesamt 1053 Willkommensklassen - verteilt auf Integrierte Sekundarschulen, Gymnasien, Grundschulen, berufliche Schulen und sonderpädagogische Förderzentren. Zu Beginn des aktuellen Schuljahres lag die Zahl der Willkommensklassen nur noch bei 720. Sie wurden von insgesamt 8414 Schülern besucht.

In Berlin müssen minderjährige Kinder, die nach Deutschland geflüchtet sind, eine Willkommensklasse besuchen, solange sie noch nicht Deutsch sprechen. Ziel ist der Erwerb von Sprachkenntnissen, um dem späteren regulären Unterricht folgen zu können.

Willkommensklassen sind allerdings generell umstritten. Im Juli hatte eine Gruppe von Sozialpädagogen an Berliner Schulen erklärt, Willkommensklassen behinderten die Integration. »Kinder und Jugendliche lernen eine Sprache am schnellsten, wenn sie eine intrinsische Motivation haben, etwa wie mit Klassengefährt*innen und Freund*innen zu kommunizieren«, hieß es in einer Stellungnahme (»nd« berichtete). Modelle in anderen Bundesländern, in denen Kinder und Jugendliche von Anfang an an Regelklassen teilhaben, hätten sich als erfolgreich erwiesen. Das sollte auch Berlin einführen. Nachteile vor allem sprachlicher Natur müssten durch Nachhilfe ausgeglichen werden und dadurch, indem den Nichtmuttersprachlern mehr Zeit für Klassenarbeiten gegeben werde.

LINKE-Bildungsexpertin Regina Kittler hält das Konzept der Willkommensklassen dagegen für sinnvoll. »Solange die Kinder die Sprache nicht beherrschen, kann kein sinnvoller Fachunterricht stattfinden«, begründet sie das auf nd-Anfrage. »So lange wie nötig, aber so kurz wie möglich«, sollten die Schüler in den Spezialklassen verbleiben.

Die Verweildauer in den Willkommensklassen verteilt sich ungefähr gleichmäßig zu je einem Drittel auf unter sechs, sechs bis neun und über neun Monate. An Berufsschulen verbleiben mit 45 Prozent am meisten Schüler weniger als ein halbes Jahr. An Integrierten Sekundarschulen und Gymnasien bleiben die geflüchteten Jugendlichen mit 44 Prozent am häufigsten länger als neun Monate. Mit Blick auf die Bezirke zeigt sich, dass vor allem in Steglitz-Zehlendorf und in Neukölln die Schüler länger als neun Monate in Willkommensklassen bleiben - jeweils 52 Prozent. In Treptow-Köpenick und Reinickendorf bleiben die Kinder mehrheitlich weniger als sechs Monate in Willkommensklassen. Laut der Senatsverwaltung ist es unüblich, dass Schüler länger als ein Jahr in den extra für Geflüchtete eingerichteten Klassen bleiben. Dazu müsse die Genehmigung der Schulaufsicht eingeholt werden.

Kittler möchte, dass Berlin auch möglichst vielen geflüchteten Pädagogen alle Chancen einräumt, hier wieder in ihrem Beruf zu arbeiten. Bereits seit 2016 bietet die Uni Potsdam ein Qualifizierungsprogramm für Lehrer an, das neben einem Deutsch-Intensivkurs pädagogische und fachlich-didaktische Lehrveranstaltungen beinhaltet. »Das sollte ein Vorbild für die Berliner Universitäten sein«, sagt die Bildungsexpertin. »Diese Menschen können Brückenbauer für geflüchtete Schüler werden«, ist sie überzeugt.

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