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Kamil Stoch folgt Sven Hannawald

Der Pole triumphiert auch beim vierten Springen der Tournee und ist nun Mitrekordhalter

  • Von Lars Becker, Bischofshofen
  • Lesedauer: 3 Min.

Der Start in die Skisprungkarriere war für »König« Kamil Stoch kompliziert. Als Junge hatte er bei seinem ersten Sprung einen viel zu großen Helm bekommen, der ihm in der kurzen Luftfahrt über die Augen rutschte. Im Blindflug schaffte der kleine Kamil irgendwie trotzdem eine Landung.

Wahrscheinlich war das ein erster Fingerzeig auf sein außergewöhnliches Talent fürs Fliegen, dass er am Samstag in Bischofshofen mit seinem historischen Grand-Slam-Sieg bei der 66. Vierschanzentournee unter Beweis stellte. Überglücklich lag er auf dem Rücken im Schnee, dann trugen ihn seine Teamkollegen durch das mit Tausenden polnischen Fans gefüllte Stadion. Schließlich gratulierte Sven Hannawald: Er hatte vor 16 Jahren als bislang Einziger bei dem seit 1953 stattfindenden Event alle vier Springen bei einer Tournee gewonnen. »Jetzt sind wir zwei in diesem exklusivsten Klub der Skisprungwelt. Kamils Leistung war vom anderen Stern. Da kann man nur den Hut ziehen«, kommentierte Hannawald.

Von Kamil Stoch fiel der ganze Druck der letzten Tage ab, wie entfesselt brüllte der sonst so kontrollierte Mann sein Glück heraus: »Das ist ein ganz besonderer Moment für mich und das Team.« Es gab keinen, der dem sympathischen Polen diesen Triumph nicht gönnte. »Er ist ein überragender Skispringer und feiner Kerl«, brachte es Bundestrainer Werner Schuster auf den Punkt.

Er hat Stoch einmal etwas despektierlich den »Killer aus Zakopane« genannt. Er meinte damit die unglaubliche Nervenstärke und Kaltschnäuzigkeit, mit der Stoch bei Großereignissen agiert. Doppel-Olympiasieger von 2014, zweimal Weltmeister, Gesamtweltcupsieger und nunmehr zweifacher Tourneesieger - dieses Titelquartett haben nur fünf der größten Skispringer aller Zeiten gesammelt. Neben Stoch noch der Oberwiesenthaler Jens Weißflog, Matti Nykänen (Finnland), Espen Bredesen (Norwegen) und Thomas Morgenstern Österreich). Mit einem Triumph bei der anstehenden Skiflug-Weltmeisterschaft in Oberstdorf (18. bis 21. Januar) könnte Stoch auch noch den letzten fehlenden Titel auf der Liste abhaken.

Im skisprungverrückten Polen ist Stoch ein Volksheld, der mindestens auf einer Stufe mit Bayern-Fußballstar Robert Lewandowski steht. Stochs Social-Media-Accounts folgen etwa eine Million Menschen. Trotzdem ist der 30-jährige gottesgläubige Überflieger bodenständig geblieben. »Ich versuche, außerhalb der Tournee ganz normal zu leben«, sagt er. Dazu gehört auch, dass er daheim putzt und kocht. »Ich bin daheim ansonsten ein Chaot und totaler Tollpatsch. Ständig fällt mir was runter.«

Auf der Schanze fliegt er dagegen als perfekte Kombination aus Absprungkraft und Flugkunst weiter als alle anderen. »Ich konzentriere mich nicht auf den Gegner. Ich denke an mich und wie ich am besten Skispringen kann.« Diese gelassene Einstellung ist auch ein Verdienst des polnischen Cheftrainers Stefan Horngacher. Der ehemalige deutsche Co-Bundestrainer hat Stoch beigebracht, gelassener zu werden und Dinge nicht erzwingen zu wollen. Großen Rückhalt schöpft Kamil Stoch auch aus der Ehe mit seiner Frau Ewa, die zugleich seine Managerin ist. Das Ehepaar verdient mit der eigenen Bekleidungslinie Kamiland viel Geld. Insgesamt werden seine Jahreseinnahmen bisher auf etwa eine Million Euro geschätzt.

Die Bilanz der deutschen Springer fällt mit vier Podestplätzen bemerkenswert aus. Angeführt vom Tourneegesamtzweiten Andreas Wellinger und dem gegenwärtig verletzten Richard Freitag haben sie bei der Skiflug-WM (18. bis 21. Januar) jn Oberstdorf und den Olympischen Spielen im Februar in Pyeongchang genug Gelegenheiten zur Revanche.

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