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Schmelzendes Eis und Winterspiele

Hochrangige Gespräche zwischen Nord- und Südkorea im Friedenshaus von Panmunjom

  • Von Susanne Steffen, Tokio
  • Lesedauer: 3 Min.

Um 10 Uhr überquerte die fünfköpfige nordkoreanische Delegation die Grenze zum südkoreanischen Teil Panmunjoms, mitten in der entmilitarisierten Zone zwischen den beiden koreanischen Staaten. Die ersten hochrangigen Gespräche seit gut zwei Jahren fanden in dem dreistöckigen »Friedenshaus« statt, das für solche Verhandlungen stets mit Kameras und Mikrofonen ausgerüstet ist, damit die Führungsebenen beider Seiten die Gespräche live verfolgen können. Ob Nordkoreas Staatschef Kim Jong-un und der südkoreanische Präsident Moon Jae-in tatsächlich das Geschehen am Monitor verfolgt haben, weiß freilich niemand.

Das Ergebnis der Gespräche, die beinahe den ganzen Tag andauerten, klingt auf den ersten Blick mager: Nordkorea nimmt mit einer hochrangigen Delegation an den Olympischen Spielen teil. Zwei Eislaufkünstler haben sich für die Wettkämpfe qualifiziert. Ob weitere Athleten per Sonderregelung hinzukommen, ist noch unklar. Ein Taekwondo-Team wird wohl eine Showeinlage präsentieren. Und der Norden will Vertreter seines Olympischen Komitees, Künstler, Journalisten, Beobachter und auch ein paar Fans nach Pyeongchang schicken.

Ob Nordkorea die Offerte des Südens annimmt, wie bereits bei den Spielen im Jahr 2006 gemeinsam bei der Eröffnungsfeier einzumarschieren, ist noch unklar. Ebenso, ob der Norden auf die Anfrage des Südens eingegangen ist, im Rahmen der Spiele ein Treffen für Familien zu arrangieren, die durch den Koreakrieg 1950-53 getrennt worden waren. Wie Südkoreas Wiedervereinigungsminister Chun Hae-sung gegenüber Reportern erklärte, haben beide Seiten auch eine Wiederaufnahme des Dialogs über militärische Fragen vereinbart. Ob der Norden solche Gespräche während der Spiele, auch über sein Atomprogramm für möglich hält, ist offen.

Südkoreanischen Medienberichten zufolge hat Seoul Pjöngjang darüber hinaus signalisiert, einen Teil der Sanktionen - in Absprache mit den Vereinten Nationen - vorübergehend zu lockern, um die Teilnahme des Nordens zu erleichtern. Ferner soll die seit zwei Jahren unterbrochene direkte militärische Telefonverbindung zwischen den beiden offiziell immer noch im Krieg befindlichen Staaten am heutigen Mittwoch wieder aufgenommen werden.

Das alles mag nach einer marginalen Annäherung klingen. Bedenkt man jedoch, dass Kim Jong-un noch vorige Woche wieder einmal mit einem Atomkrieg gedroht und mit seinem »atomaren Knopf« geprahlt hat, ist allein die Tatsache, dass die Gespräche stattfanden, eine plötzliche und sehr dramatische Kehrtwende.

Von US-Präsident Donald Trump hieß es, er habe positiv auf die Ankündigung des Treffens reagiert. Die Gespräche seien »eine gute Sache«, so Trump. Sollte der Dialog über die Olympischen Spiele hinaus weitergehen, würden sich die USA zu einem geeigneten Zeitpunkt beteiligen wollen. Den bisherigen Dialog kommentierte das Weiße Haus jedoch nicht. Das Treffen war zustande gekommen, nachdem Kim in seiner Neujahrsansprache erklärt hatte, er sei bereit, eine Delegation zu Olympischen Spielen im Februar zu entsenden.

In derselben Ansprache machte Kim deutlich, dass er nicht daran denke, sein Atomprogramm aufzugeben. Die nordkoreanische Olympiateilnahme mag etwas Ruhe in die zuletzt äußerst angespannte Lage auf der Koreanischen Halbinsel bringen, doch die Lösung der Atomfrage ist deswegen keinesfalls näher gerückt.

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