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Macron auf der Seidenstraße

Mit Pferd und Werbung für den A 380 - Frankreichs Präsident begeistert China

  • Von Finn Mayer-Kuckuk, Peking
  • Lesedauer: 3 Min.

Was bedeutet das Pferd? Frankreichs Präsident Emmanuel Macron hat seinem chinesischen Kollegen Xi Jinping ein edles Ross als Geschenk mitgebracht. In China begannen sofort die Spekulationen, welche Bedeutung die Gabe hat. Das Pferd symbolisiere einen »Weg von tausend Meilen« und stehe damit für langfristig gute Beziehungen, meinen die einen. Andere sehen darin eine aggressive Geste. Macrons chinesischer Name Ma-Ke-Long lasse sich als Kampfansage deuten: »Das Pferd besiegt den Drachen«.

Macron selbst stellte bei seinem Besuch in Peking klar, dass er das Pferd mitgebracht hat, weil Xi in Paris die berittene Präsidentengarde gelobt hat. Außerdem wollte er ihm ein wertvolles Tier schenken, weil China einem Zoo nahe Paris zwei Pandas zur Verfügung stellt.

Der dreitägige Besuch des französischen Präsidenten im Reich der Mitte diente auch sonst hauptsächlich dazu, gute Stimmung zu machen. Macron angelte nach Aufträgen für die französische Wirtschaft und suchte nach dem richtigen Gleichgewicht zwischen Kritik und Respekt, um die Beziehung zu Xi zu festigen.

Bei den Gesprächen am Dienstag standen der Handel und Wirtschaftsbeziehungen im Mittelpunkt. Wie jeder durchreisende Staats- und Regierungschef pochte Macron auf faire Behandlung ausländischer Wettbewerber auf dem chinesischen Markt. Anfängliche Hoffnungen, China könnte spontan eine Reihe von Airbus-Großflugzeugen des Typs A 380 bestellen, erfüllten sich zwar nicht. Doch immerhin wird es einen gemeinsamen chinesisch-französischen Fonds zur Projektfinanzierung geben, den die Länder mit einer Milliarde Euro ausstatten. Macron sagte Unterstützung der Seidenstraßeninitiative zu - einem Herzensprojekt von Xi.

Die Menschenrechte waren offiziell kein Kernthema des Besuchs, doch Macron engagiert sich hier generell deutlich mehr als seine Vorgänger. Frankreich ist für gemeinsame Initiativen mit Deutschland fast immer zu haben. Während viele andere EU-Länder sich zuletzt keine Kritik an China mehr erlaubten, setzen sich Deutschland und Frankreich beispielsweise zusammen für die Freilassung von Liu Xia, der unter Hausarrest stehenden Witwe des Friedensnobelpreisträgers Liu Xiaobo, ein.

Macron leistete sich bei seinem Besuch auch erneut eine Spitze gegen US-Präsident Donald Trump. Er lobte Xi dafür, anders als die USA in der Klimapolitik auf Kurs zu bleiben. Am Montag hatte er bei einer Rede in der alten Kaiserstadt Xi’an sogar einen Satz auf Chinesisch parat: »Macht unseren Planeten wieder großartig!« - ein Kontrapunkt zu Trumps Fixierung auf die USA.

Der Besuch des Europäers Macrons in China kommt in einer Zeit, in der die Weichen für die künftigen Beziehungen zwischen der EU und der aufstrebenden Weltmacht gestellt werden. China ist größter Investor und Firmenkäufer in Europa und dehnt seinen politischen Einfluss in anderen Weltgegenden rasch aus. Macron musste bei seinen Gesprächen und Reden zwei unterschiedliche Ziele in Einklang bringen. Er wollte China zwar Grenzen aufzeigen, versuchte aber zugleich, sich mit dem wichtigen Partner gutzustellen.

So warnte er davor, die beginnende »Vorherrschaft« Chinas gegenüber Ländern entlang der Seidenstraße einfach so hinzunehmen. Zugleich warb er um mehr chinesische Investitionen und Bestellungen in Frankreich. Das Defizit im bilateralen Handel ist beachtlich. Für rund 30 Milliarden Euro exportiert China mehr nach Frankreich als dieses nach China liefert.

In China kam Macrons Besuch gut an. Der Satz auf Chinesisch, das dynamische Auftreten, das schnittige Pferd - im Internet brach regelrecht Begeisterung für den französischen Präsidenten aus, der damit erstmals richtig ins chinesische Bewusstsein rückte. Auch die Medien kommentierten den Besuch enthusiastisch.

Die Nachrichtenagentur Xinhua versuchte jedoch gleich, Macron für chinesische Anliegen einzuspannen. »Als führendes europäisches Land kann Frankreich helfen, die Probleme in den Beziehungen zur EU zu lösen«, so das Medium. Macron solle sich dafür einsetzen, dass China den begehrten Status als Marktwirtschaft erhält. Ein solches Entgegenkommen war jedoch diesmal nicht im Gespräch.

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