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Ersthilfe mit Nasenspray

Das Regensburger Naloxon-Projekt belegt vorsichtige Änderungen in Bayerns Drogenpolitik

Inzwischen ist es ein trauriges Ritual: Jedes Jahr im Sommer stellt die Bundesregierung ihre amtliche Statistik vor, wie viele Menschen im Vorjahr an den Folgen ihres Drogenkonsums verstorben sind. Und jedes Jahr belegt Bayern unter den Bundesländern zuverlässig den einsamen Spitzenplatz. Allein im Zeitraum von 2014 bis 2016 sind insgesamt 887 Menschen aufgrund ihrer Suchterkrankung ums Leben gekommen. Im selben Zeitraum lag die Opferzahl in Nordrhein-Westfalen, dem einwohnerreichsten Bundesland, mit 570 Drogentoten erheblich niedriger.

Die Gründe für diese Entwicklung in Bayern sind vielschichtig. Neben der Nähe zur tschechischen Grenze scheinen insbesondere die leichte Verfügbarkeit der Substanzen über das Internet sowie die Qualität der Drogen maßgebliche Risikofaktoren zu sein, die die Opferzahlen nach oben treiben. Aber so facettenreich die Gründe im Einzelnen sein mögen, so macht die alarmierende Zunahme in den vergangenen Jahren doch deutlich: Mit repressiven und präventiven Maßnahmen allein ist der Kampf gegen Drogen unmöglich zu gewinnen - trotz bemerkenswertem Engagement.

Auch bei der Regierungspartei CSU ist man sich dessen offenbar bewusst, wenngleich die repressiven Maßnahmen offiziell weiter angepriesen werden. Im vergangenen Jahr hat die CSU-Landtagsfraktion jedenfalls ein 330 000 Euro teures Projekt auf den Weg gebracht, das für bayerische Verhältnisse ein Novum in der Drogenpolitik darstellt. Unter wissenschaftlicher Begleitung soll demnach ab 2018 das Medikament Naloxon an speziell geschulte Laien abgegeben werden, die es als Nasenspray verabreichen können. Bei dieser Substanz handelt es sich um einen bekannten Opioid-Antagonisten, der die Wirkung von Opioiden wie Heroin aufheben kann, indem er die entsprechenden Rezeptoren im Gehirn blockiert.

Vor allem wenn nach einer Überdosis etwa die Atmung aussetzt, kann das Medikament ein schneller Lebensretter sein. Nach der Verabreichung erholen sich die bewusstlosen Süchtigen im Regelfall innerhalb kürzester Zeit und können wieder selbstständig atmen, ohne dass durch das Medikament irgendwelche gefährlichen Nebenwirkungen zu erwarten wären. Das bestätigen Erfahrungen aus den USA, wo Naloxon bereits rege Anwendung findet. Seit längerer Zeit wird es dort beispielsweise von verschiedenen Polizeibehörden mitgeführt, damit deren Beamte einem Süchtigen bei einer Überdosis umgehend professionelle Hilfe leisten können.

Die Leitung des bayerischen Naloxon-Projekts obliegt der Universität Regensburg, die dafür mit verschiedenen Suchthilfeeinrichtungen in Regensburg, München, Nürnberg und Augsburg kooperieren wird. Im Rahmen des geplanten Programms sollen sie herausfinden, unter welchen Bedingungen das Medikament »sicher und rechtskonform in die Angebote der bayerischen Suchthilfe integriert werden kann«, sagte Gesundheitsministerin Melanie Huml (CSU). Sie verspricht sich von dem Projekt »eine wesentliche Verbesserung der Versorgung höchstgefährdeter Drogenabhängiger«. Damit soll ein Beitrag geleistet werden, um die hohen Opferzahlen in Bayern langfristig zu senken.

Natürlich ist Naloxon kein Allheilmittel, um die Suchtproblematik zu lösen. Sein Einsatzgebiet beschränkt sich einerseits auf Opioide, es wirkt also nicht gegen andere Substanzen wie zum Beispiel Legal Highs. In einem solchen Fall sind medizinische Laien weiterhin machtlos und unbedingt auf ärztliche Hilfe angewiesen. Andererseits hilft die Substanz nicht gegen die Grunderkrankung - gegen die Sucht. Es ist lediglich ein Notfallmedikament, das in lebensbedrohlichen Situationen genutzt werden kann, ohne jedoch eine medizinische Versorgung zu ersetzen. Nach der Anwendung sollte der Betroffene stets einer weiteren ärztlichen Behandlung zugeführt werden, zumal durch die aufgehobene Wirkung der Opiate üblicherweise behandlungsbedürftige Entzugserscheinungen eintreten.

Doch als Notfallmedikament birgt Naxolon zumindest das Chance, dass selbst unerfahrene Laien durch das Verabreichen des Nasensprays Leben retten können - schnell und unkompliziert. Wie effektiv das Medikament im Kampf gegen drogenbedingte Todesfälle tatsächlich ist, muss nun die begleitende wissenschaftliche Untersuchung der Regensburger Forscher zeigen.

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