Diese Website verwendet Cookies. Wir können damit die Seitennutzung auswerten, um nutzungsbasiert redaktionelle Inhalte und Werbung anzuzeigen. Mit der Nutzung der Seite stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu. Unsere Datenschutzhinweise.
Werbung
  • Politik
  • nd-Soliaktion: Teilen macht satt

Papier, das Hunger macht

Eukalyptusplantagen stillen nur die Profitgier der Multis

  • Von Christine Wiid, INKOTA
  • Lesedauer: 3 Min.
Eukalyptus-Kritikerin: Luisa Matsinhe vom Kleinbauernverband UNAC.
Eukalyptus-Kritikerin: Luisa Matsinhe vom Kleinbauernverband UNAC.

356 000 Hektar Land oder 3560 Quadratkilometer - das entspricht ungefähr der Größe der gesamten Uckermarck. Diese Fläche ist in Mosambik für ein landwirtschaftliches Großprojekt reserviert: Im Jahr 2009 hat die portugiesische Unternehmensgruppe Portucel Soporcel, die inzwischen »The Navigator Company« heißt, einen Landtitel über die gut dreieinhalbtausend Quadratkilometer erhalten, und zwar für den Anbau von Eukalyptus. Geplant ist, dass die Unternehmenstochter Portucel Mocambique in den Provinzen Manica und Zambézia Bäume anpflanzt, die der Produktion von Zellstoff zur Herstellung von Papiertüten für den europäischen und asiatischen Markt dienen. Portucel Mocambique wirbt selbst damit, »die größte Eukalyptusplantage Afrikas« aufbauen zu wollen.

Betroffen ist auch der Distrikt Gondola, in dem der Kleinbauernverband UNAC gemeinsam mit der Entwicklungsorganisation INKOTA aus Deutschland ein Projekt zum Erhalt traditionellen Saatguts umsetzt. Allein in Gondola sollen 57 000 Hektar Land mit Eukalyptus bepflanzt werden. Die in Mosambik gesetzlich vorgeschriebenen Gemeindekonsultationen, die den betroffenen Dörfern und Gemeinden zumindest in der Theorie weitgehende Mitspracherechte in Landfragen einräumen, wurden nur sehr oberflächlich durchgeführt, Kompensationsversprechen blieben vage. Auch die zugesagten Arbeitsplätze liegen noch in einiger Ferne: Die Eröffnung der Zellstofffabrik ist für 2023 geplant.

Der Konflikt zwischen Portucel und den lokalen Kleinbauern schwelt bereits seit einigen Jahren. Das Land, für das Portucel einen Titel besitzt, ist größtenteils gutes Ackerland. Bisher nutzt Portucel erst einen kleinen Teil: Auf gut 13 000 Hektar Land wurden bisher Eukalyptusbäume gepflanzt. Die Bauern und Bäuerinnen fürchten, ihr Land zu verlieren. Bereits jetzt kommt es zu Landkonflikten zwischen lokalen Gemeinden, die eine Folge der gestiegenen Nachfrage nach Land sind. Die Felder, um Mais, Bohnen oder Maniok anzubauen - Kulturen, die für die Ernährungssicherheit der Menschen wichtig sind -, werden knapp. Einige Bauern müssen daher auf entlegenere Felder ausweichen, oftmals mit schlechtem Zugang zu Straßen, Schulen oder Gesundheitseinrichtungen. Andere Bauern wiederum pachten Flächen oder besetzen Land, das anderen gehört.

Konflikte um den Zugang zu Land sind aber nicht das einzige Problem, das die Eukalyptusplantage von Portucel mit sich bringt: Auch der Zugang zu Wasser ist bedroht. Eukalyptuspflanzen entziehen dem Boden so große Mengen Wasser, dass in der Folge sogar der Grundwasserspiegel absinken kann. Die kleinbäuerliche Landwirtschaft ist aber auf die Bewässerung durch Regenwasser, Brunnen oder Zisternen angewiesen. UNAC in Manica setzt sich für die Rechte der Bauern und Bäuerinnen ein. Gemeinsam mit anderen Organisationen ist es dem Kleinbauernverband gelungen, die Provinzregierung in Manica auf die Landkonflikte in der Provinz aufmerksam zu machen. In den betroffenen Gemeinden klärt UNAC außerdem die Bauern über ihre Rechte auf und setzt dabei vor allem auf die Schulung von Gemeinde- oder Dorfvorstehern, da ihnen bei Verhandlungen über Landfragen eine Schlüsselrolle zukommt. Anfang Dezember 2017 wurde darüber hinaus eine beratende Plattform gegründet, die Vertreter Portucels, der Regierung und verschiedener Nichtregierungsorganisationen zusammenbringt. Ziel ist es, ein gemeinsames Monitoring des umstrittenen Forstprojekts durchzuführen, damit die Rechte der Bauern und Bäuerinnen in Zukunft gewahrt werden.

Dieser Artikel ist wichtig! Sichere diesen Journalismus!

Besondere Zeiten erfordern besondere Maßnahmen: Auf Grund der Coronakrise und dem damit weitgehend lahmgelegten öffentlichen Leben haben wir uns entschieden, zeitlich begrenzt die gesamten Inhalte unserer Internetpräsenz für alle Menschen kostenlos zugänglich zu machen. Dennoch benötigen wir finanzielle Mittel, um weiter für sie berichten zu können.

Helfen Sie mit, unseren Journalismus auch in Zukunft möglich zu machen! Jetzt mit wenigen Klicks unterstützen!

Unterstützen über:
  • PayPal
  • Sofortüberweisung

Solidarisches Berlin und Brandenburg

Corona ist nicht nur eine Gesundheitskrise. Es ist auch eine Krise des Sozialen. Wir beobachten alle sozialen und sozioökonomischen Entwicklung in der Hauptstadtregion, die sich aus der Verbreitung des Coronavirus ergeben.

Zu allen Artikeln