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Kommen und Gehen in Ruhpolding

Während Martin Fourcade wieder nicht zu schlagen ist, verpasst eine andere Biathlonlegende die letzte Chance auf Olympia. Ein junger Deutscher überrascht alle

  • Von Volker Gundrum und Theresa Münch, Ruhpolding
  • Lesedauer: 3 Min.

Ole Einar Björndalen hob völlig ausgepowert die Hand, er wurde in Ruhpolding gefeiert, als ob er gerade Weltmeister geworden wäre. Dabei hatte der bald 44 Jahre alte Norweger im Kampf um das Olympiaticket seine allerletzte Chance nicht nutzen können. Beim Sieg Martin Fourcade im Klassiker über die 20 Kilometer in Ruhpolding kam Björndalen am Mittwoch nur auf Platz 42 - 4:43,6 Minuten hinter dem Franzosen.

Um doch noch den Sprung ins Olympiateam der Norweger zu schaffen, hätte der erfolgreichste Biathlet der Welt in seinem 575. Weltcuprennen unter die besten Sechs kommen müssen. Mit Blick auf Pyeongchang muss Björndalen jetzt auf Gnade hoffen: »Das müssen Sie die Trainer fragen. Da kann ich nichts zu sagen«, meinte er. Auch zu den Rücktrittsspekulationen wollte er nichts sagen. »Jetzt ziehe ich mich um. Und dann wird die Zukunft so, wie die Zukunft wird«, sagte er.

Vor dem Einzelrennen der Frauen am Donnerstag schafften es die deutschen Männer auch beim zweiten Heimweltcup nicht auf das Podest - aber es war knapp. Vor 10 500 Zuschauern in der ChiemgauArena war der fehlerfrei gebliebene Roman Rees als Vierter bester Deutscher. Gerade einmal 13 Sekunden fehlten dem jungen Breisgauer auf Platz drei, den sich der Norweger Johannes Thingnes Bö vor dem Tschechen Ondrej Moravec schnappte. Arnd Peiffer, Simon Schempp und Johannes Kühn schafften es mit jeweils zwei Strafminuten als Elfter, 13. und 16. immerhin in die Top 20. Mit drei Strafminuten belastet kam Benedikt Doll auf Rang 22, Erik Lesser beendete das Rennen nach vier Strafminuten auf Platz 63.

»Björndalens lebenswichtigsten Lauf« - so nannten die norwegischen TV-Kommentatoren das Rennen. Es könne, so hieß es, sogar sein letztes Weltcuprennen werden. Vielleicht wurde der Norweger deshalb vom Publikum so gefeiert. 13 Schuss blieb er fehlerfrei und schien auf Kurs. Doch dann kassierte er im dritten Schießen zwei Strafminuten. Der Norweger fiel von Rang vier auf Position 34 zurück. Ein Fehler kam im letzten Schießen noch hinzu - das Olympia-Aus war besiegelt. »Verglichen mit den letzten Rennen gab es viel Positives. Aber eigentlich war das Rennen nach dem dritten Schießen verloren«, sagte er.

Ursprünglich hatte der Rekordweltmeister und Rekordweltcupsieger Björndalen nach der Heim-WM 2016 seine Karriere beenden wollen. Doch weil es in Oslo mit den WM-Medaillen 41 bis 44 so gut gelaufen war, kam es zum Rücktritt vom Rücktritt. Doch nun scheint der achtmalige Olympiasieger nicht mehr so richtig konkurrenzfähig zu sein. Die Brüder Johannes Thingnes und Tarjei Bö sowie Emil Hegle Svendsen sind für die Winterspiele gesetzt. Auch Lars Helge Birkeland, Henrik L’Abee-Lund und Erlend Bjöntegaard haben die strenge Olympianorm der Norweger bereits geknackt.

Die siebte Olympiateilnahme seit 1994 ist nach der neuerlichen Enttäuschung wenig wahrscheinlich. Björndalen, der 94 Weltcuprennen, 45 WM- und 13 Olympiamedaillen in seiner Karriere gewonnen hat, muss nun auf eine Lex Björndalen hoffen - doch die scheint man nicht gewähren zu wollen. dpa/nd

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