Werbung

Schöpfer von Friedenssymbol verstorben

Künstler Herbert Sander hatte die sowjetische Plastik »Schwerter zu Pflugscharen« für Lesezeichen verwendet

  • Von Andreas Fritsche
  • Lesedauer: 2 Min.

Bei uns droht die ABOkalypse!

Wir brauchen zahlende Digitalleser/innen.

Unterstütze uns und überlasse die Informationsflanke nicht den Rechten!

Mach mit! Dein freiwilliger, regelmäßiger Beitrag:

Was soll das sein

Wir setzen ab sofort noch stärker auf die Einsicht der Leser*innen, dass linker Journalismus auch im Internet nicht gratis zu haben ist – mit unserer »sanften« nd-Zahlschranke.

Wir blenden einen Banner über jedem Artikel ein, verbunden mit der Aufforderung sich doch an der Finanzierung und Sicherstellung von unabhängigem linkem Journalismus zu beteiligen. Ein geeigneter Weg besonders für nd-Online-User, die kein Abo abschließen möchten, die Existenz des »nd« aber unterstützen wollen.

Sie können den zu zahlenden Betrag und die Laufzeit frei wählen - damit sichern Sie auch weiterhin linken Journalismus.

Aber: Für die Nutzung von ndPlus und E-Paper benötigen Sie ein reguläres Digitalabo.

Andreas Bertram hatte 1982 eine Druckerlehre bei der Tageszeitung »Neues Deutschland« begonnen. Mit einem Aufnäher »Schwerter zu Pflugscharen« wurde ihm der Zutritt zur Berufsschule verweigert. Wegen der Fehltage wurde er nach sechs Monaten entlassen.

Historische Persönlichkeiten wie Carl von Ossietzky (1889-1938) und Bertha von Suttner (1843-1914), die Pazifisten waren, wurden zwar in der DDR als Kriegsgegner gewürdigt, der Pazifismus selbst stand aber in weniger hohem Ansehen. Hier galt die auf den Zeichner und Schriftsteller Wilhelm Busch zurückgehende Losung vom bewaffneten Frieden. Den Dienst an der Waffe durften junge Männer zwar verweigern. Nicht jedoch den Wehrdienst. Sie wurden als Bausoldaten eingezogen.

Der Künstler Herbert Sander, der das Motiv »Schwerter zu Pflugscharen« Anfang der 1980er Jahre ursprünglich für Lesezeichen im Auftrag der Kirche entwarf, ist nach Angaben des Heimatvereins Kleinmachnow am 4. Januar im Nachbarort Stahnsdorf gestorben, wo er zuletzt gelebt hatte. Geboren wurde er 1938 im thüringischen Nordhausen.

Der Künstler hatte seine berühmte Grafik, die sich auf ein Bibelzitat des Propheten Micha bezieht, an eine Plastik Jewgeni Wutschetitschs angelehnt. Diese Plastik schenkte die Sowjetunion 1959 den Vereinten Nationen. Sie steht vor dem UNO-Sitz in New York.

Nach einem Studium der Angewandten Malerei in Berlin hatte Sander erst als Szenenbildassistent in den DEFA-Filmstudios gearbeitet. Ab 1967 war er freischaffend. Dass sein Friedenszeichen ein Renner wurde, von dem sich die Staatsmacht provoziert fühlte, hatte er nicht erwartet. Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD) reagierte am Mittwoch betroffen auf die Nachricht vom Tod Sanders. »Sander hatte damals mit seinem Aufnäher den Nerv der Zeit getroffen«, sagte er. »Er hat als Künstler Position bezogen und damit der Friedenssehnsucht Hunderttausender eine Plattform gegeben, die der Militarisierung der DDR skeptisch gegenüberstanden.« Ministerpräsident Woidke, der als Soldat in der DDR ein Gewehr vom Typ Kalaschnikow getragen hatte, meinte jetzt, dass Motiv sei klug gewählt gewesen, »weil er sich auf ein sowjetisches Kunstwerk bezog, gegen das die DDR nicht Front machen konnte«. Sander habe auch politisch Flagge gezeigt, als er 1989 das oppositionelle Neue Forum in Kleinmachnow mitgründete und Spuren des jüdischen Lebens in Brandenburg nachging.

2014 wurde Sander mit dem Verdienstorden des Landes Brandenburg ausgezeichnet.

ndPlus

Ein kleiner aber feiner Teil unseres Angebots steht nur Abonnenten in voller Länge zur Verfügung. Mit Ihrem Abo haben Sie Vollzugriff auf sämtliche Artikel seit 1990 und helfen mit, das Online-Angebot des nd mit so vielen frei verfügbaren Artikeln wie möglich finanziell zu sichern.

Testzugang sichern!

Noch kein Abo?

Jetzt kostenlos testen!

14 Tage das »nd« gratis und unverbindlich als App, digital oder gedruckt.

Kostenlos bestellen

Das Blättchen Heft 19/18