Werbung

Der ewige Streit um den Sprengel

Bildungsrauschen

Echt jetzt? Ihr wollt Geld von mir?

Ja, herrgottnochmal, es kostet!

Auch, wenn's nervt – wir müssen die laufenden Kosten für Recherche und Produktion decken.

Also, mach mit! Mit einem freiwilligen regelmäßigen Beitrag:

Was soll das sein

Wir setzen ab sofort noch stärker auf die Einsicht der Leser*innen, dass linker Journalismus auch im Internet nicht gratis zu haben ist – mit unserer »sanften« nd-Zahlschranke.

Wir blenden einen Banner über jedem Artikel ein, verbunden mit der Aufforderung sich doch an der Finanzierung und Sicherstellung von unabhängigem linkem Journalismus zu beteiligen. Ein geeigneter Weg besonders für nd-Online-User, die kein Abo abschließen möchten, die Existenz des »nd« aber unterstützen wollen.

Sie können den zu zahlenden Betrag und die Laufzeit frei wählen - damit sichern Sie auch weiterhin linken Journalismus.

Aber: Für die Nutzung von ndPlus und E-Paper benötigen Sie ein reguläres Digitalabo.

Einzugsgebiete für Grundschulen, auch Sprengel genannt, beschreiben den geografischen Raum, welche Kinder in welcher Schule eingeschult werden. Dabei gilt gemeinhin das Prinzip kurze Beine - kurze Wege. Diese sich am Wohnort orientierende Zuweisung steht immer mal wieder zur Disposition, und immer häufiger erhalten besonders beliebte Schulen Ausnahmegenehmigungen.

In der jüngeren Geschichte wurde das Prinzip vor allem von Seiten der Eltern angegriffen. Man wünschte sich, die Schule aussuchen zu können. Bereits 2002 schilderte zeit.de unter der Überschrift »Nichts wie weg hier!« die Bemühungen von Eltern, ihr Kind nicht zusammen mit »türkischen, arabischen und afrikanischen Kindern« einschulen zu müssen. Nicht selten werden Gründe, wie das Fehlen eines Hortes, vorgeschoben.

In entgegengesetzter Richtung kochte in Berlin nahezu das Fass über, als im gut situierten Stadtteil Mitte aufgrund hoher Geburtenrate die Eltern auf das fußläufig erreichbare benachbarte Wedding ausweichen sollten. Zu groß erschienen die sozialen Unterschiede. 2010 reagierte der Senat mit einer Veränderung des Zuschnitts. Fortan wurden mehrere Schulen zu einem Sprengel zusammen gefasst. Nun hatten zwar Eltern eine Wahl, aber ebenso konnte die Behörde Kinder bei Übernachfrage anderen Schulen innerhalb des Sprengels zuweisen. Man versprach sich eine Beruhigung und soziale Mischung, die jedoch nicht aufging. Eltern aus Altmitte klagten auf Wiederherstellung des Wohnortprinzips.

Nach Entscheid des Berliner Verwaltungsgerichts wurden zum Schuljahr 2016/17 die Sprengel in Teilen aufgehoben, worunter auch der aus Altmitte und Wedding fiel. Doch nicht alle Eltern waren begeistert und konnten mit der mit dem Sprengel verbundenen Wahlfreiheit auch etwas anfangen. Ein Jahr später wurden die restlichen Sprengel aufgelöst. (taz.de) Nun gilt allgemein wieder das Wohnortprinzip mit Wegen, die für Grundschüler maximal 1500 Meter betragen. (rbb.de) Allerdings ändern sich aufgrund steigender Schülerzahlen die Einzugsgebiete. 2018/19 erwartet die Berliner Schulsenatsverwaltung 33 200 Erstklässler. Das seien »rund 1300 Kinder mehr als in diesem Jahr«, heißt es auf tagesspiegel.de.

Auch auf dem deutschen Schulen-Infoportal, schulen-vergleich.de, findet man das Thema. Sie sehen als »Resultat« der Zuweisung von Schulen, dass Eltern Privatschulen aufsuchen oder umziehen. Sie sehen aber auch für das größte Bundesland Nordrhein-Westfalen, das neben Hamburg 2008 die Einzugsgebiete abgeschafft hat, Nachteile. Da es fast überall pädagogisch interessante Schulen gibt, die viele Eltern anziehen, kommt es vermehrt zu »Wartelisten«. Weniger beliebte Grundschulen müssen dann »Klassen zusammenführen«. Und so beklagen sich etliche Schulleiter über die »zu schnelle Abschaffung der Grundschulbezirke«. Sie habe, so die Kritik, Schulen zu Gewinnern und Verlierern gemacht.

Etymologisch geht der Begriff Sprengel auf die im katholischen Sprachgebrauch bezeichneten Weihwassersprenger zurück, woraus kirchliche Gebietszuordnungen entstanden. Lena Tietgen

ndPlus

Ein kleiner aber feiner Teil unseres Angebots steht nur Abonnenten in voller Länge zur Verfügung. Mit Ihrem Abo haben Sie Vollzugriff auf sämtliche Artikel seit 1990 und helfen mit, das Online-Angebot des nd mit so vielen frei verfügbaren Artikeln wie möglich finanziell zu sichern.

Testzugang sichern!

Noch kein Abo?

Jetzt kostenlos testen!

14 Tage das »nd« gratis und unverbindlich als App, digital oder gedruckt.

Kostenlos bestellen