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Schön verrückt

Eine Studie verrät Erstaunliches über das Wahlverhalten der Deutschen. Selbst Heinrich Heine hätte es nicht besser sagen können

  • Von Wolfgang Hübner
  • Lesedauer: 3 Min.

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Beginnen wir mit Heinrich Heine. »Heldentum und Schönheit«, schrieb er, »müssen zwar frühzeitig untergehen, zur Freude des Pöbels und der Mittelmäßigkeit, aber großmütige Dichter entreißen sie der Gruft und bringen sie rettend nach irgend einer glückseligen Insel, wo weder Blumen noch Herzen welken.« Wir haben jetzt die 16. Woche nach der Bundestagswahl, und noch immer wird eine Regierung gesucht. Helden waren dabei nicht zu entdecken, abgesehen davon, dass Christian Lindner sich für einen hält. Und schön ist das Ganze erst recht nicht, weshalb sich mit Sicherheit kein Poet davon zu irgendetwas wird animieren lassen.

Wahrscheinlich ist es kein Zufall, dass ausgerechnet an der Heinrich-Heine-Universität in Düsseldorf jemand eine Studie ausknobelte, in der die Begriffe Politik und Schönheit zusammentreffen. Bei der Gelegenheit war zu erfahren, dass es staatlich bezahlte Attraktivitätsforscher gibt. Ein solcher leitete die Studie, ein ansehnlicher Soziologieprofessor. Übrigens gab es mal eine Schnulze mit der Textzeile »Mein lieber Herr Professor, Sie küssen ja viel bessor, als man vermuten kann.« Aber wir schweifen ab.

Also, der Professor fand heraus, dass die Attraktivität der Wahlkandidaten eine immer wichtigere Rolle spielt, ja, dass sie nach dem Bekanntheitsgrad an zweiter Stelle unter den Entscheidungskriterien kommt. Es wäre kein Wunder, wenn ein Teil des privatfernsehgeschulten Publikums Wahlen für ein Remake erfolgreicher Formate wie »Bauer sucht Frau« oder »Adam sucht Eva« hält. »Kopf sucht Hirn« wurde noch nicht erfunden. Aber wir schweifen ab.

Jedenfalls ist die Attraktivität eine große Nummer, sagt der Professor, was die Parteien zu neuen Wahlkampfstrategien veranlassen könnte. Bis zu fünf Prozent der Erst- und bis zu drei Prozent der Zweitstimmen kann ein fescher Bewerber mit seiner Feschheit zusätzlich holen. Gut, das hätte Martin Schulz auch nicht geholfen, denn so toll, dass man damit 15 Prozent mehr um den Kandidatenfinger wickelt, kann niemand sein. Nicht einmal ein Sozialdemokrat. Und nicht einmal dann, wenn er - wie bei »Adam sucht Eva« - vollständig transparent, also nackt auftreten würde. Übrigens haben wir im nd-Politikressort bisher keine Beauty- und Stilexperten. Aber wir schweifen ab.

Im Prinzip ist die Attraktivitätsthese nichts anderes als die Fortsetzung einer Wahlkampflosung der Partei Die Partei: »Inhalte überwinden!« Der Erfolg war mäßig; wahrscheinlich waren die Kandidaten nicht fotogen genug. Denn: Man muss nicht nur keine Inhalte haben, sondern man muss das dann auch ansprechend präsentieren. Eigentlich ganz einleuchtend.

»Das ist schön bei den Deutschen: Keiner ist so verrückt, dass er nicht einen noch Verrückteren fände, der ihn versteht.« Sagte wer? Eben: Heinrich Heine.

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