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Es ist das Licht

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Vor lauter Hunger fange ich an, philosophisch zu werden. Eine andere Möglichkeit wäre das akute Fluchen über die unwirtliche Region, in der ich mich befinde, der fließende Übergang zur Gewalt gegen Passanten, die ihren Kids dabei die Augen zuhalten, meinen Übergriff per Handyfilm dokumentieren und die Angelegenheit dann ihrem Anwalt übergeben, während ich vor ihnen stehe, pöbelnd, mit der Faust auf ihren stets und überall getragenen Fahrradhelm dotzend: Hier, in der gottverfluchten Einöde von Wins- und Bötzowviertel, wo die Leiber und die Hirne aus veganer Suppe bestehen. Einen Laden nach dem anderen tigere ich ab, magenröhrend, warum aber gehe ich nirgends hinein? Durchs Fenster seh ich den braven Frauen mit ihren Strickmützen beim Löffeln zu, beim eifrigen Nicken, wenn die Freundin von den Vorzügen ihrer neuen Nichtdaunen-Daunenjacke erzählt.

Und verstehe. Es ist das Licht. Ist die Art und Weise, wie hier jedes Etablissement weiß ausgeleuchtet ist; ist der Wille zur gnadenlosen Transparenz. Die Totalbeleuchtung ist die Entsprechung zur exakten Inhaltsstoffangabe mit fair gehandelten Guavendickmark und linksdrehendem Wasser, die Entsprechung zur im Café minutiös abgelegten Rechenschaft, wann man auf Lanzarote von wo nach wo gefahren sei, wie lange man für die jeweilige Strecke gebraucht und was die - ganz günstig! - gekostet habe und mit welchem unmöglichen Kind aus Kiel sich der drittgeborene Sohn am zweiten Abend dann worüber gestritten habe und wonach seine Pupse nach dem unerlaubten Verzehr eines zuckerhaltigen Baisers gerochen hätten, der Arme. Die Vollbeleuchtung ist der Sexpartner, der sagt: »Könntest du noch 24 mal in mich eindringen und dann anschließend mit mittlerem Zungendruck meine Klitoris erregen? Danke.«

Transparenz! Tut not, wo kein Vertrauen ist. Wohlgefühl gibt’s nur in der Schummrigkeit. Im Dreivierteldunkel, aber der richtigen Sorte davon. Ist sie eine Einladung, sich am Lagerfeuer des Menschseins zu wärmen, oder täuscht sie nur über die wegflitzenden Kakerlaken hinweg? Gut wäre: Eine Schummrigkeit, die konzis inszeniert erscheint. Eine Schummrigkeit, die sagt: Tritt ein, setz dich nieder, gute Menschen kennen keine Scheinwerfer.

Zu all diesen klugen Gedanken bin ich natürlich gar nicht mehr fähig. Aber ich stehe direkt davor: Greifswalder, Ecke Immanuelkirchstraße lockt ein Thai-Restaurant, »Minh Quang«, nicht zu posh, kein Billig-Schangschong. Drinnen ist’s herrlich unterbeleuchtet, dunkles Holz, roher Ziegel, ein raumgreifend installiertes, komplett sinnloses Röhrensystem, auf dessen Verbindungsteilen da und dort ein Teelicht steht. Schummrigkeit, hurra! Hier kannst du dich in eine gute Laune hineinfuttern, die Menschen an den Rändern der Wahrnehmung taxieren dich nicht scharf, können sie ja gar nicht. Und das Beste: Ein paar Häuser weiter entdeckst du eine Bar, die »Melloch Bar«. Lugst durchs Fenster und siehst kaum was, so dunkel munkelt’s da. Oh, Wonne! Inmitten der Transparenzhölle hast du deinen Hafen gefunden.

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