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  • Sport
  • Abstiegskampf in der Bundesliga

Gemeinsam leiden

Beim Abstiegsduell treffen sich mit HSV-Vorstandsboss Bruchhagen und Kölns Sportchef Veh zwei Freunde wieder

  • Von Frank Hellmann
  • Lesedauer: 4 Min.

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So schnell enden Freundschaften im Fußball nicht. Den gemeinsamen Kurzurlaub auf Mallorca im November vergangenen Jahres haben Heribert Bruchhagen, Armin Veh und Bruno Hübner damals nur nicht an die große Glocke zu hängen. Aber Bruchhagen erzählt trotzdem gerne davon, weil das Zusammentreffen auf der Baleareninsel eines belegt: »Dass unser Verhältnis völlig intakt ist. Mit Armin telefoniere ich wöchentlich.« Und Veh erklärt: »Ich kann wirklich behaupten, dass Heribert mein Freund ist. Er ist ein ehrlicher Typ, gerade heraus, mit einer tollen Ironie. So stelle ich mir einen Kumpel vor.«

Bruchhagen, Veh und Hübner bildeten zwei Mal - zwischen 2011 bis 2014 und in der Saison 2015/2016 - das Dreigestirn bei Eintracht Frankfurt; als Vorstandsvorsitzender, Cheftrainer, Sportdirektor. In ihre Zeit fiel der Wiederaufstieg 2012 mit dem Durchmarsch in die Europa League 2013. Aber auch ein weniger erfolgreicher zweiter Anlauf, der mit Vehs Entlassung im März 2016 vorzeitig endete.

Es gehört zu den teils skurrilen Personalrochaden in der Bundesliga, dass die Bruchhagen-Veh-Bande nun am Sonnabend mit dem Kellerduell zwischen dem Hamburger SV und dem 1. FC Köln auflebt. Und auf der Tribüne im Volkspark werden der 69-jährige HSV-Vorstandschef Bruchhagen und der 56-jährige Kölner Sportchef Veh leiden. Vermutlich hätten sie selbst nie gedacht, sich in solchen Rollen zu begegnen.

Als der Ostwestfale Bruchhagen sich im Dezember 2016 schnell überzeugen ließ, die Expertenrunde beim Bezahlsender Sky gegen den Chefsessel beim HSV einzutauschen, meinte der Augsburger Veh: »Heribert kann nicht anders. Er hat jetzt ein paar Monate nichts gemacht. Nichts gegen seinen Wohnort Harsewinkel - aber ich glaube, wenn du in Großstädten gelebt hast, brauchst du dieses Flair.« Auch Veh wollte nicht nur wochentags vor seinem Haus mit dem Hund spazieren gehen und Sonntagmorgens am Stammtisch über die Bundesliga reden, sondern wieder selbst gestalten. Seine Bedenkzeit, das Angebot des 1. FC Köln anzunehmen, dürfte ein Jahr nach Bruchhagens Comeback ähnlich kurz ausgefallen sein. Fernsehexperte war beiden nur Notbeschäftigung.

»Armin hat alle Facetten des Geschäfts durchlebt«, sagt der HSV-Boss, der am Gegenüber »die Normalität, den Humor und die Gabe der realistischen Einschätzung« schätzt. Brüder im Geiste sind die beiden - der eine Kopfmensch (Bruchhagen), der andere Bauchmensch (Veh) - zwar nicht, aber Fußball ist für beide Lebensinhalt. Für zwei Romantiker alter Schule geht es am 19. Spieltag um viel: Gewinnen die auf Rang 18 gelisteten Rheinländer, kommen sie bis auf drei Punkte an die auf Platz 17 geführten Hanseaten heran, die wiederum mit einem Sieg Werder Bremen (Sonntag beim FC Bayern) überholen könnten.

»Wir sind jetzt in einer Situation, mehr Punkte holen zu müssen als die, die über uns stehen. Die Lage ist prekär«, erläutert Bruchhagen. »Das hätte ich vor der Saison nicht erwartet, Auch der HSV leidet unter der Ausgeglichenheit der Liga«, erklärt Veh. Für ihn wäre es momentan noch »ein kleines Wunder, wenn wir drinbleiben«. Doch es genügten zwei Heimsiege vor und nach der Winterpause, um Stadt, Verein und Umfeld wachzuküssen. Zudem hat Veh mit den Transfers von Simon Terodde (Stuttgart) und Vincent Koziello (Nizza) bewiesen, auf dem Transfermarkt im Winter handlungsfähiger zu sein als Kollege Bruchhagen (»Wir haben unseren Etat ausgeschöpft«).

Dessen hastiger Zug an der Zigarette dürfte vermutlich ein prägnantes Bild im Abstiegskampf bleiben. Veh gönnt sich nach dem Tagwerk gerne einen guten Rotwein. Auf ihre Art Genussmenschen sind beide. Um die Vergangenheit nicht zu verklären: Zwischen den Alphatieren hat es in Frankfurter Zeiten nicht nur ein Mal geknirscht. Doch beide waren stets Manns genug, sich im Sinne der Sache zu verständigen. Als mit längerem Vorlauf das Ende von Bruchhagens Ära für den Sommer 2016 besiegelt war, kursierte im Eintracht-Aufsichtsrat zeitweise der Plan, Veh nach seiner Trainerzeit zum Sportvorstand zu machen. Es kam bekanntlich anders: Inzwischen ist nur noch Hübner übrig, der das Scharnier zwischen Trainer Niko Kovac und Sportvorstand Fredi Bobic bildet.

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