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Der Traum einer Visionärin

Iman Osman, die in Sudan ein Öko-Resort führt, ist überzeugt, dass der Tourismus helfen kann, die auseinandergebrochenen Teile des Landes zu vereinen. Von Samuela Nickel

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Über die Holztische auf der Terrasse des Red Sea Resorts rund 30 Kilometer von der sudanesischen Hafenstadt Port Sudan entfernt, weht von der Küste her ein warmer Wind. Die Bänke am Strand sind leer, und auch auf dem Kiesweg zwischen grasbedeckten Bungalows knirschen keine Schritte. Die Urlauber schlafen noch, doch bald schon werden sie die Ferienanlage mit Leben erfüllen. Iman Osman, die das Resort an der Küste des Roten Meeres vor 14 Jahren eröffnet hat, ist stolz auf ihr »Baby«, auf das erste ökologische Hotelresort Sudans.

Nachhaltigkeit ist bei dem auf einem Korallenplateau gebaute Hotelprojekt überall sichtbar: Solarpanels auf den Dächern des Gebäudekomplexes und ein Windrad versorgen das Restaurant, die Rezeption und die Bungalows mit Strom. Unterirdische Wasserreservoirs und eine Entsalzungsanlage liefern das Wasser für das Resort und versorgen gleichzeitig noch ein nahe gelegenes Dorf mit. In Zukunft will Iman Osman die Selbstversorgung noch weiter ausbauen, um bald auch den Plastikmüll der vielen Trinkwasserflaschen zu vermeiden.

Bei der Realisierung ihres Traumes von einem ökologischen Resort am Roten Meer stieß die Visionärin immer wieder auf viel Widerstand. Abschrecken ließ sie sich nicht davon. Zielstrebig hat sie ihr kleines Paradies am Roten Meer geplant und geschaffen. Mittlerweile wird sie sogar von der Regierung des Bundesstaates Al-Bahr al-ahmar als Pionierin unterstützt. Iman Osman ist eine resolute Frau. Ihre Haare sind mittlerweile leicht ergraut, aber an Willen und revolutionären Zukunftsvisionen hat sie nichts eingebüßt.

Die Unternehmerin sieht die Zukunft des Tourismus in Sudan nicht in Hotelburgen und Partystränden, sondern in umweltverträglichem Reisen - in Tauchen und Schnorcheln zwischen schillernden Papageifischen und bunten Korallen des Roten Meeres oder in Ausflügen zu den Pyramidenfeldern in der Wüste im Norden des Landes. Dabei überall auch stets einen schwarzen Tee oder Ingwerkaffee mit den Bewohnern vor Ort trinkend.

Sudan ist das drittgrößte Land auf dem afrikanischen Kontinent (fast fünf Mal so groß wie Deutschland) und grenzt an Ägypten, Tschad, die Zentralafrikanische Republik, Äthiopien, Eritrea und Südsudan, das sich 2011 vom Sudan abspaltete. Viele unterschiedliche Bevölkerungsgruppen leben in dem arabisch-afrikanischen Land. Sehr unterschiedlich zeigt sich auch die Landschaft: Der Norden ist geprägt von karger Steppe, die vom Nil und der ihn umgebenden Vegetation durchzogen ist. Der Westen besteht vorwiegend aus Weideland, der Süden wird von Tropenwäldern dominiert, und der Osten grenzt an das Rote Meer. Die Hauptstadt Khartoum ist nicht nur Regierungssitz, Universitätsstadt und kultureller Hotspot, hier vereinen sich auch der Weiße und der Blaue Nil, der von nun ab als Nil gen Norden fließt.

Port Sudan mit seinen rund 500 000 Einwohnern wird geprägt durch seinen großen Hafen. Riesige Frachtschiffe ankern dort, deren Container per Lkw ins ganze Land gefahren werden. Auf der Stadtpromenade verkaufen Händler rosa Zuckerwatte, Luftballons und Erdnüsse, überall in den Straßen sieht man Rackschas - überdachte Mopeds, die von den Fahrern liebevoll mit Gardinen und Radkappenschmuck ausgestattet sind.

Im letzten Jahr sind rund eine Million Dollar in die Tourismusbranche geflossen. Touristen allerdings sind nur selten zu sehen. Das, so beklagen Tourismusverantwortliche, liege vor allem daran, dass Sudan ausschließlich mit Meldungen über Hungersnöte, Armut, Bürgerkrieg und Menschenrechtsverletzungen in den Medien präsent ist. Gegen Präsident Umar al-Baschir, seit 1989 an der Macht, wurden Haftbefehle wegen Verbrechen gegen die Menschlichkeit verhängt, in Darfur im Westen des Landes gibt es seit 2003 bewaffnete Konflikte, Mitglieder der Oppositionsparteien, Demonstranten und Studierende sitzen in Haft oder müssen mit Repressionen rechnen.

Aber Sudan befindet sich im Umbruch. Überall in Port Sudan und Khartoum wird gebaut. Die konservative, kollektivistische Gesellschaft der älteren Generation Sudans trifft in den Städten auf eine neue, progressivere, individualistische Gesellschaft der jungen Generation, die mit soziale Medien und Auslandsstudium aufgewachsen ist.

Die Geschichte dieses Landes fängt auch in einem anderen Sinne gerade erst an und ist noch lange nicht zu Ende geschrieben: Archäologische Ausgrabungen in Alkoro, Naga oder Gabal Arbakal zeigen, dass Sudan nicht das Anhängsel des alten Ägyptens war, sondern wahrscheinlich genau andersherum. Lange wurde Sudan lediglich als die Goldkammer der ägyptischen Pharaonen gesehen. Die Ausgrabungen deuten jedoch darauf hin, dass der Pyramidenbau und die Goldverarbeitung eher vom heutigen Sudan nach Norden zum Mittelmeer gingen.

Fährt man von Khartoum nordwärts durch die ausgetrockneten Flussbetten, sogenannte Wadis, trifft man immer wieder auf Kamele und schwarze Ziegen zwischen dornigem Gebüsch. An sandfarbenen Häusern mit lackierten Türen in Türkis, Rosa und Weiß vorbei rumpelt man durch die karge Savanne über verdeckte Wege, die nur die Menschen vor Ort kennen, zu den Pyramidenfeldern von Meroe.

Bisher werden die Ausgrabungen in Meroe, Naga oder Gabal Arbakal größtenteils durch Forschungsgelder und Teams aus Italien, Großbritannien und Deutschland unterstützt und vorangetrieben. Bis vor Kurzem war das historische Wissen der ehemaligen britischen und ägyptischen Kolonie größtenteils Forschern im Ausland vorbehalten gewesen. Eine neue Forschungsabteilung an der Universität in Khartoum soll nun verstärkt auch die sudanesische Forschung ermöglichen. Bislang aber fehlt es dafür oft an den notwendigen Geldern.

Der warme Wind hat Iman Osmans Tuch mittlerweile vom Kopf geweht. Sie lacht, zieht sich den blauen Schal über den Scheitel und schaut hinaus aufs Meer. Sie wirkt entspannt, und gleichzeitig scheint sie entschlossen, weiterhin gegen die Hindernisse in ihrem Land anzukämpfen. Die Optimistin, die in Manchester studierte und mit einem Niederländer verheiratet ist, sieht im Tourismus einen guten Weg, die auseinandergebrochenen Teile Sudans zu vereinen. »Der Tourismus näht die zwei Länder, die sich in Sudan gegenüberstehen, zusammen«, ist sie überzeugt.

Infos

Red Sea Resort von Iman Osman: http://sudanredsearesort.com

Für die Einreise nach Sudan wird ein Visum benötigt. Touristen benötigen außerdem für Fahrten übers Land Reisegenehmigungen, die vom Tourismusministerium erteilt werden. Reisende müssen die Genehmigung bei sich tragen, da diese an Kontrollposten in der Regel eingesammelt werden.

Wer länger als drei Tage bleibt, muss sich beim Ausländeramt Khartum registrieren lassen. Hotels bieten ihren Gästen in der Regel gegen Gebühr an, die Registrierung zu erledigen.

Bei der Einreise aus Europa sind keine Impfungen vorgeschrieben.

Pauschalreisen:
Der Reiseveranstalter Akwaba Afrika bietet Studienreisen nach Sudan an.
Tel.: +49 (0)341-22 38 71 60
https://akwaba-afrika.de

Der Studienreiseveranstalter Studiosus hat eine zweiwöchige Reise zu den Ausgrabungsstätten der antiken Stadt Meroe neu im Programm. Direkter Link zur Reise unter: www.studiosus.com/7206

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