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»Eine arme Kirche für die Armen«

Der Erzbischof vom Bamberg, Dr. Ludwig Schick, im Gespräch über seinen Besuch in Kuba

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Was waren Ziel beziehungsweise Zweck der Reise nach Kuba?

Die fünftägige Reise nach Kuba stand unter dem Motto »Solidaritätsbesuch«. Ein Solidaritätsbesuch der Weltkirchenkommission der Deutschen Bischofskonferenz, deren Vorsitzender ich bin, besteht darin, die jeweilige Ortskirche besser kennenzulernen in der Verkündigung, der Liturgie und ihrem sozial-karitativen Engagement.

Es geht darum, von den Freuden und Fortschritten, aber auch von den Schwierigkeiten und Problemen, mit denen sie konfrontiert ist, zu erfahren. Dazu gehört auch, sich über den Glauben und das kirchliche Leben auszutauschen, miteinander zu beten und Gottesdienst zu feiern, sowie Solidarität in Wort und Tat zu zeigen.

Wen haben Sie getroffen? Was wurde besprochen?

Wir haben mit dem Ständigen Rat der kubanischen Bischofskonferenz, mit Kardinal Jaime Ortega sowie anderen Bischöfen Gespräche geführt. Wir konnten Pfarreien besuchen und uns mit den Priestern, Diakonen und Laien austauschen. Wir haben uns mit dem Vertreter des Heiligen Vaters, dem Apostolischen Nuntius, Erzbischof Giorgio Lingua, und mit dem deutschen Botschafter in Havanna, Thomas Karl Neisinger, sowie Patres und Schwestern der Ordensoberenkonferenz und mit Laienvertretern getroffen. Von ihnen konnten wir viel über die Kirche in Kuba erfahren.

War die DBK bisher auf Kuba aktiv? Und wenn, gab es konkrete Projekte?

Die deutsche Kirche unterhält viele Kontakte mit der Kirche in Kuba. So pflegt zum Beispiel die katholische Universität Eichstätt mit dem »Centro Cultural Padre Felix Varela« (regierungsunabhängiges Kulturzentrum, das der Erzdiözese Havanna untersteht, d. Red.) einen kontinuierlichen Austausch. Misereor und Adveniat unterstützen pastorale und sozial-karitative Aufgaben in Kuba.

Ich selbst habe vor fünf Jahren schon einmal Kuba besucht. Kubanische Bischöfe, Priester und Ordensleute haben Besuche in Deutschland gemacht.

Wie schätzen Sie die Situation der Kirche? Auch vor dem Hintergrund der drei Papstbesuche und angesichts dessen, dass die Kirche die einzige zivilgesellschaftliche Institution mit flächendeckender Infrastruktur ist und von der Regierung als Gesprächspartner anerkannt.

Meine Einschätzung der Situation der Kirche in Kuba möchte ich mit folgenden Schlagworten ausdrücken: Eine arme Kirche für die Armen. Eine kleine Kirche, die Großes bewirkt.

Dank der Papstbesuche von Johannes Paul II., Benedikt XVI. und Franziskus kann die Kirche öffentlicher auftreten und besser wirken. Noch mehr Freiräume sind erwünscht. Entsprechend dem kirchlichen Selbstverständnis möchte die Kirche Kubas eigene Schulen gründen, Universitäten unterhalten, eigene Kommunikationsmittel aufbauen und sich im sozial-karitativen Bereich noch mehr einsetzen. Dazu müsste sie zunächst als juristische Person anerkannt werden, was sie bis heute nicht ist.

Wo kann die DBK helfen bzw. kooperieren?

Auf allen eben genannten Gebieten noch mehr Freiheit und Wirkungsmöglichkeiten.

Beim vergangenen Papstbesuch war ein erklärtes Ziel: »Die Wiedergewinnung von Räumen innerhalb der Gesellschaft«, dazu gehört der Betrieb eigener Bildungs- und karitativer Einrichtungen, sowie Zugang zu staatlichen Medien. Wie schätzen Sie die Situation ein?

Diese Forderungen sind immer noch nicht voll realisiert, auch wenn es in den vergangenen Jahren manche Fortschritte gegeben hat.

Wie ist Ihr Fazit der fünftägigen Reise?

Die Kirche in Kuba ist im Rahmen ihrer Möglichkeiten lebendig und engagiert. Wir werden ihr auch weiterhin von Deutschland aus ideelle und auch materiell-finanzielle Unterstützung zukommen lassen, damit sie in Kuba ihren Dienst erfüllen kann. Wir erbitten allen Kubanern Gottes Segen.

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