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Sieg bei Stalingrad - kein deutsches Thema

Nichts geplant zum 75. Jahrestag der Wende im Zweiten Weltkrieg - dafür Relativierung der Verbrechen

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Gerade weil die Bundeswehr derzeit um eine Präzisierung ihres Traditionsverständnisses ringt, wollte die stellvertretende Chefin der Linksfraktion Sevim Dagdelen wissen, wie die Bundesregierung das Ende der Stalingrader Schlacht begehen will. Dieser entscheidende Sieg der Roten Armee jährt sich am Monatsende zum 75. Mal. Er war »ein entscheidender Schritt zur Befreiung der europäischen Völker von der Nazi-Diktatur«, meint Dagdelen.

Nun mag es ja sein, dass man in Moskau angesichts der höchst gespannten Situation zwischen Russland und der NATO nicht allzu viele Hoffnung auf den deutschen Beitrag zur Verständigung über ehemalige Gräben hinweg setzt. Eine Gelegenheit wäre es allemal. Doch die Antwort der Bundesregierung auf eine entsprechende Anfrage der Linksfraktion ist ernüchternd. Man habe »grundsätzlich Kenntnis von Gedenkfeierlichkeiten in Wolgograd«, plane aber selbst nichts. Möglich, dass der deutsche Botschafter und der Militärattaché an der Gedenkveranstaltung in Wolgograd, dem einstigen Stalingrad, teilnehmen. Wenn sie eingeladen werden. Darüber hinaus erwähnt werden lediglich noch einige Bücher, die das Zentrum für Militärgeschichte in diesem Jahr vorstellen will.

Das ist dürftig. Als sich die Abgeordnete vergewissern will, ob der Überfall auf die Sowjetunion aus Sicht der Bundesregierung grundsätzlich ein verbrecherischer Angriffskrieg bleibt, den Nazideutschland ohne jede Not eröffnet und von vornherein als rassenideologischen Vernichtungskrieg geplant hatte, gerät die Antwort zum Skandal: »Die Einordnung damaliger militärischer Handlungen der Wehrmacht als verbrecherisch im strafrechtlichen Sinne ist einzelfallbezogen vorzunehmen. Als verbrecherisch könnten Handlungen konkreter Täter einzustufen sein, die gegen anwendbares Recht verstießen, insbesondere Kriegsverbrechen oder Verbrechen gegen die Menschlichkeit.« Damit geht die Bundesregierung weit hinter eigene Positionen zurück.

»Es handelt sich um einen Vernichtungskampf«, hatte Hitler seinen Wehrmachts-Generälen schon im März 1941 erklärt. Mindestens 27 Millionen Menschen wurden auf sowjetischer Seite Opfer dieses Krieges. Hinter der rasch nach Osten rückenden Front erschossen Einsatzgruppen Hunderttausende Zivilisten, vor allem Juden. 5,7 Millionen Rotarmisten gerieten in Gefangenschaft, 3,3 Millionen wurden ermordet.

»Die Handlungen der Nazi-Wehrmacht im Rahmen dieses verbrecherischen Angriffs- und Vernichtungskrieges gegen die Sowjetunion waren ein Verbrechen«, betont Dagdelen. »Da gibt es kein Vertun und keine ›einzelfallbezogene‹ Abwägung.« Um einen Kontrapunkt gegen die offizielle deutsche Geschichtsvergessenheit zu setzen, wird eine Delegation der Linksfraktion nach Wolgograd reisen, um an der offiziellen Gedenkveranstaltung zum Sieg der Roten Armee teilzunehmen.

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