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Beharrlich nachgeforscht

Stiftung zeichnete Berliner Schoah-Überlebende und Hobbyhistoriker für Engagement aus

  • Von Jérôme Lombard
  • Lesedauer: 3 Min.

Die amerikanische Obermayer-Stiftung verlieh am Montag anlässlich des internationalen Holocaustgedenktags am 27. Januar den »Deutsch-Jüdischen Geschichtspreis« an Hobbyhistoriker für ihre Recherchen zur jüdischen Geschichte. Die Berliner Schoah-Überlebende Margot Friedländer wurde für ihren herausragenden Einsatz als Zeitzeugin in Schulen ausgezeichnet.

Die Preisverleihung sollte am Montagabend im Beisein von Abgeordnetenhauspräsident und Jurymitglied Ralf Wieland (SPD) im Plenarsaal des Parlaments stattfinden.

»Mit der jahrelangen Kooperation mit der Obermayer-Stiftung trägt das Berliner Abgeordnetenhaus seiner historischen Verantwortung zur Erinnerung an die Menschheitsverbrechen des Nationalsozialismus Rechnung«, sagte der Leiter des Pressereferats im Abgeordnetenhaus, Ansgar Hinz. Die insgesamt sechs Auszeichnungen gingen in diesem Jahr an Bürgerinnen und Bürger aus Berlin, Rheinland-Pfalz und Baden-Württemberg. Die Preisträger hätten sich in besonderer Weise und auf freiwilliger Basis in ihren Heimatorten für die Wahrung des Gedenkens an die jüdische Vergangenheit verdient gemacht, hieß es zur Begründung. Die Auszeichnung wurde bereits zum achtzehnten Mal verliehen.

Aus Berlin geehrt wurde die sogenannte Joseph-Gruppe. Zu dem Team gehören Fabian Herbst, Dorothea Ludwig, Pia Sösemann, Simon Strauß und Simon Warnach. Als Schüler recherchierten und dokumentierten sie die Biografie des Berliner Schoah-Überlebenden Rolf Joseph. Unter dem Titel »Ich muss weitermachen« veröffentlichten sie 2007 ein Buch. »Josephs Geschichte hat uns von Anfang an gefesselt. Wir wollten sie aufschreiben und für die Nachwelt festhalten«, sagte Gruppenmitglied Sösemann. In den vier Jahren der intensiven Recherche hat sich die Gruppe immer wieder mit dem 2012 verstorbenen Joseph getroffen. »Mit der Zeit hat sich eine echte Freundschaft entwickelt«, sagte Sösemannn.

Seit 2014 vergibt die Joseph-Gruppe jährlich den aus den Verkaufserlösen des Buches finanzierten »Rolf-Joseph-Preis« an Schüler der achten und zehnten Klasse, die sich in Projekten mit der jüdischen Vergangenheit in Deutschland auseinandersetzen. »Wir wollen nachfolgende Generationen für deutsch-jüdische Geschichte begeistern«, sagte Sösemann. Die 1921 in Berlin geborene Margot Friedländer lobte die jungen Leute für ihren Einsatz. »Ich gehe in Schulklassen, damit die Kinder zukünftig die Zeitzeugen sind, die wir selber nicht mehr lange sein können«, sagte Friedländer.

Ausgezeichnet wurde auch Horst Moog aus dem rheinland-pfälzischen Hamm an der Sieg. Der 82-Jährige hat sich viele Jahre mit der Erforschung und Bewahrung der Geschichte der jüdischen Gemeinde im Westerwald gewidmet. Ebenfalls aus Rheinland-Pfalz wurde Brunhilde Stürmer geehrt, die vier Jahre lang jüdische Familiengeschichten der Gemeinde Niederzissen recherchiert hat.

Aus Baden-Württemberg wurden Karl und Hanna Britz sowie Volker Mall und Harald Roth ausgezeichnet. Das Ehepaar Britz engagiert sich seit Jahren für die Erinnerung an die Geschichte der jüdischen Gemeinde Bodersweier. Die beiden Lehrer Mall und Roth haben eine Chronik des einstigen KZ-Außenlagers Hailfingen-Tilfingen verfasst.

Die »German Jewish History Awards« der Obermayer-Stiftung werden seit 2000 jährlich in Berlin vergeben. Der Preis ist dotiert. Über die Höhe gibt es keine Angaben.

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