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Auf das Umfeld kommt es an

Wer mit Rechten reden will, um ihnen einen sprachlich geschmeidigeren Umgang in ihrer archaischen Begriffswelt beizubringen, wird scheitern und zu aktuellen politischen Themen nichts beitragen, meint Rudolf Walther

  • Von Rudolf Walther
  • Lesedauer: 4 Min.
Nur allzu ungern haben Union, FDP, Grüne und Linkspartei der AfD im Bundestag den Vorsitz in drei unterschiedlichen Gremien überlassen: im Haushalts-, Rechts- und Tourismusausschuss. Große Anstrengungen es zu verhindern, gab es allerdings nicht. Doch nicht erst seit Dienstag stellt sich den Abgeordneten der bürgerlichen Parteien im Bundestag die Frage, wie geht man eigentlich mit den Rechten um?

Über sie reden, ist nicht falsch (vgl. »neues deutschland« vom 10.1.2018) - zumindest solange Schreibende und Redakteure sich immer bewusst machen, dass man damit denjenigen, über die man schreibt, auch hilft, bekannt zu werden, selbst man sie kritisiert.

Es gilt die alte Verlegerweisheit: Schlimmer als ein Verriss eines Buches ist nur, wenn es gar nicht besprochen wird. Auf einer etwas anderen Ebene liegt das Problem, ob man mit Rechten reden soll. Ein eben erschienener »Leitfaden« unter dem Titel »Mit Rechten reden« empfiehlt, es zu tun. Dafür gibt es Argumente, denn gerne übernehmen Rechte die Märtyrer-Rolle bzw. die des »bösen Buben«, mit dem keiner spielen oder die des beleidigten Mädchens, mit dem niemand tanzen will.

Nicht vergessen darf, wer mit Rechten reden will, dass es auf den Kontext ankommt, in dem dies geschieht. Das blenden die Autoren des »Leifadens« völlig aus. Ein Interview mit Rechten ist sicher eine ungeeignete Form, denn die Form des Interviews gibt viel zu viel Raum für Selbstdarstellungspirouetten. Wenn mit Rechten reden, dann in Form des Streitgesprächs, der Debatte, der Kontroverse, in denen es primär nicht um Selbstdarstellung geht, sondern um Rede und Gegenrede, um den argumentativen Austausch. Debatten kann man nur mit jenen Rechten führen, denen man zutraut, dass sie in der Lage sind, Argumente vorzutragen. Mit angetrunkenen Neonazis oder Pegida-Eiferern kann man sich nicht argumentativ streiten. Und sinnvolle Kontroversen mit Rechten bedürfen auch geeigneter Orte. Zufallstreffen in Kneipen oder Zügen sind sicher keine geeignete Plätze, mit Rechten zu reden.

Schließlich sollte, wer mit Rechten reden will, sich seiner Sache, seiner Interessen und Positionen einigermaßen sicher sein, um der Geltung von Sätzen, Wörtern und Parolen der Rechten den Boden entziehen zu können. Die Autoren des »Leitfadens«, und das ist ihr gefährlichster Irrtum, verlegen sich auf eine Nicht-Position, ziehen sich eine Tarnkappe über und verstehen sich programmatisch als »Nicht-Rechte«. Und auch bei der Charakterisierung der Rechten machen sie sich es sehr einfach. Sie kennen nur zwei Sorten von Rechten: die kriminellen, für die die Polizei zuständig ist, und den bunten Haufen »Rest-Rechter« - in diesem Korb befinden sich »besorgte Bürger«, Pegida- und andere Stramm-Deutsche, Erika Steinbach, Nikolaus Fest, Matthias Mattusek, Alice Weidel, Alexander Gauland und Björn Höke.

Wer sich selbst als »Nicht-Rechter« versteht und seine Gegner so schlecht kennt, sollte sich besser nicht auf einen Streit einlassen, sondern sich erst einmal über seine Gegner Gedanken machen. Rechte bewegen sich mental im begrifflichen Dschungel von Heimat, Kultur, Natur, Nation und Identität. Man sollte jedoch gar nicht erst versuchen, diese grobschlächtigen Ideen der Rechten ein sozialverträglicheres oder salonfähigeres Kostüm umzuhängen. In ihrer Zurüstung durch die Rechten sind diese Ideen nur verbale Keulen gegen Andere und Fremde. Rechte lassen sich aus ihrer sprachlichen Befangenheit in den archaischen Dualismen von Mythos und Logos, Natur und Vernunft und aus dem Hamsterrad deutscher Identitätssuche nicht befreien. Man muss ihnen verdeutlichen, welche Konsequenzen sich politisch und zivilisatorisch einstellten, wenn sie mit ihrer tumben Deutschtümelei die Oberhand gewännen.

Wer mit Rechten reden will, um ihnen einen sprachlich geschmeidigeren Umgang in ihrer archaischen Begriffswelt von Heimat, Kultur, Natur, Nation und Identität beizubringen, wird scheitern und zu aktuellen politischen Themen wie dem Umgang mit Migranten, Muslimen oder der nationalsozialistischen Vergangenheit nichts beitragen. Wer, wie die Autoren des Leitfadens, »kein Buch über Rechte, sondern für Rechte« schreibt, sollte mit diesen eher Fußball spielen als Ratschläge zum Reden mit ihnen erteilen.

Rudolf Walther ist Historiker und Publizist. Er lebt in Frankfurt am Main.

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