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Blick in eine hybride Tanzzukunft

Einav Katan-Schmid kann sich den virtuellen Raum als globale Probebühne vorstellen

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Einav Katan-Schmid, wie wird die Performance strukturiert sein, die bei »Playing with virtual realities« zu sehen ist?

Sie besteht aus drei Teilen. In einem Prolog stellen wir zunächst den Raum vor. Wir haben bemerkt, dass für einen größeren Teil unseres Publikum virtual-reality-Technologien nicht vertraut sind. Wir zeigen die Kommunikationswege zwischen den Tänzern und beschreiben damit zugleich, wie die Technologie funktioniert. Im zweiten Teil nutzen wir ein simples Computerspiel.

Welches?

Es geht um das Abschießen von Raumschiffen. Wir dekonstruieren dieses Spiel aber und nutzen die Bewegungen, die in ihm generiert werden. Tänzer müssen sich Bewegungen vorstellen können, um sie dann auszuführen. Hier wird die Bewegung im Raum durch das Computerspiel erzeugt. Ein nächster Schritt besteht in der Visualisierung von Bewegungen im virtuellen Raum durch ein Programm wie »Tilt Brush«. Wir können damit Skulpturen im Raum erzeugen. Tanz wird damit in den Raum geschrieben. Zugleich können diese Skulpturen zu Handlungsanweisungen für Tänzer werden. Im letzten Teil schließlich geht es um Empathien.

Wie viele Performer wirken mit?

Es werden zwei Tänzer agieren. Einer operiert im virtuellen Raum, der andere ist außerhalb, hält aber Verbindung mit ihm. Wir spielen mit ihren unterschiedlichen Perspektiven und mit den Handlungen in voneinander verschiedenen Welten, die sich aber überlappen.

Und das Publikum, wie taucht es in den virtuellen Raum ein?

Es bleibt, wie einer der beiden Performer auch, außerhalb des virtuellen Raums, sieht die Aktionen des Tänzers darin aber über eine Videoprojektion. Es geht uns im ganzen Projekt um verschiedene Formen von Kommunikationen und Schnittstellen zwischen verschiedenen Formen von Realität.

Nun ist der virtuelle Raum gegenwärtig ein weitgehend körperloser Raum. Der Tanz hingegen ist Körperkunst schlechthin. Wie operieren Sie mit diesem Widerspruch?

Der virtuelle Raum ist ja nicht komplett körperlos. Wir treten in ihn ein mit unserem Körper. Wir sehen ihn aber nicht, und wenn, dann nur vermittelt über die Sensoren. Ich muss deshalb ein Bild von meinem Körper erzeugen, wie er sich durch diesen Raum bewegt. Tänzer machen dies auch. Sie entwickeln Körperbilder von sich, um Bewegungen ausführen zu können. Im virtuellen Raum muss man aber ein Körperbild auf ganz andere Weise, außerhalb des Gewohnten, erzeugen. Und das ist für uns einer der interessanten Aspekte.

Welche Perspektiven kann der Tanz im virtuellen Raum überhaupt haben? Wie könnte man ihn definieren?

Mit Definitionen möchte ich mich zurückhalten. Es es gibt so viele Ansätze und Perspektiven derzeit. Ich kann nur sagen, dass es uns aktuell vor allem um interagierende Perspektiven und ein gemeinsames, interdisziplinäres Entwickeln von neuen Vorstellungen von Bewegung sowie ein besseres Verstehen des Überlappens von Welten geht.

Wen erwarten Sie als Publikum beim Symposium?

Wir werden Leute aus der VR-Szene haben, aus der Tanzwelt sowie Wissenschaftler.

Muss man eine akademische Ausbildung in einer der Disziplinen haben, um den Gesprächen folgen zu können?

Nein. Das Interessante ist ja, dass die Teilnehmer aus sehr unterschiedlichen Disziplinen kommen, in denen zum Teil die gleichen Begriffe und Konzepte ganz unterschiedlich verstanden werden. Um überhaupt miteinander kommunizieren zu können, müssen wir unseren jeweiligen Jargon überprüfen und ihn zuweilen zugunsten einer allgemeinverständlichen Sprache verlassen.

Rein pragmatisch gesehen: Könnte die virtuelle Realität in Zukunft auch eine Art Probenraum für geografisch weit verstreut lebende Tänzer sein, die dort gemeinsam Bewegungen entwickeln und einstudieren?

Definitiv ja. Der virtuelle Raum kann zu einem gemeinsam geteilten Raum werden, in dem es Abkürzungen in der Kommunikation über Bewegung geben kann. Gegenwärtig bin ich auch mit einem Rehabilitationszentrum in Israel in Verbindung, wo mit den Patienten an der Vorstellung von Bewegungen gearbeitet wird, um über die Vorstellung dieser Bewegungen die Gliedmaßen wieder besser bewegen zu können. Tänzer können in kreativer Form mit dieser Art von Bewegungserzeugung operieren.

Symposium am 25.1., 13 bis 20.45 Uhr, Performances am 26., 27. und 28. Januar, jeweils 19 Uhr, im Dock 11, Kastanienallee 79, Prenzlauer Berg.

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