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Arm und krank im reichen Bayern

Experte: Prävention erreicht nicht die Menschen, die sie am dringendsten benötigen

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Wer in Bayern lange und gesund leben möchte, sollte besser über das nötige Kleingeld verfügen. Mit diesem provokanten Fazit lässt sich ein neues Gutachten zusammenfassen, das der Gesundheitswissenschaftler Christian Janßen, Professor an der Hochschule München, erstellt hat. Im Auftrag der SPD-Landtagsfraktion ist er der Frage nachgegangen, inwieweit die Gesundheit im Freistaat mit dem jeweiligen sozialen Status verknüpft ist.

Dabei kam der Experte zu interessanten Ergebnissen. Insgesamt zeigt sich zwar ein positives Bild, das bei der wirtschaftlichen Stärke Bayerns auch erwartbar war. So liegt die Lebenserwartung, verglichen mit den anderen Bundesländern, mit einem Wert von 83,5 Jahren bei den Frauen und 78,9 Jahren bei den Männern geringfügig über dem bundesweiten Durchschnitt. Aber auch für Bayern gilt, was mehrere Studien bereits für die gesamte Bundesrepublik nachgewiesen haben: Je schlechter der soziale Status des Betroffenen, desto höher ist demnach seine Erkrankungswahrscheinlichkeit und desto niedriger die Lebenserwartung.

Besonders offensichtlich wird diese Ungleichheit bei der Frage, wie Betroffene ihre eigene Gesundheit einschätzen. Janßen beruft sich dafür auf den »Gesundheitsreport Bayern« von 2014, wonach 74,7 Prozent der mittleren und 86,1 Prozent der höheren Bildungsgruppe ihre Verfassung als »sehr gut oder gut« bewerten. Bei Menschen, die einer unteren Bildungsgruppe zuzuordnen sind, waren es hingegen bloß 61,4 Prozent.

Tatsächlich ist das kein Zufall. Durch ihr geringeres Einkommen leben die Betroffenen meist in »ungesunden Wohnverhältnissen«, ernähren sich schlechter und haben einen schlechteren Zugang zur medizinischen Versorgung. Ein Problem mit Folgen, denn diese Gruppe ist überdurchschnittlich häufig von den großen Volkskrankheiten betroffen. Laut einer Untersuchung des Robert-Koch-Instituts (RKI) aus dem Jahr 2012 sind typische Erkrankungen wie Herzinfarkte, Schlaganfälle, Typ-2-Diabetes, Bluthochdruck sowie erhöhte Blutfett- und Cholesterinwerte bei Menschen signifikant öfter anzutreffen, wenn diese eine »eher geringe Bildung, einen eher geringeren beruflichen Status und ein eher geringeres Einkommen« aufweisen.

Trotz ihres erhöhten Risikos profitieren die Betroffenen auch weniger von den verfügbaren Präventionsangeboten. Menschen aus sozial schwachen Gruppen sind zwar kränker und mehr auf ärztliche Behandlung angewiesen, aber dieses Angebot nutzen sie aus verschiedenen Gründen nicht in dem Maße, wie es erforderlich wäre.

Auch Kinder sind davor nicht gefeit: Bei einem entsprechenden sozialen Hintergrund nehmen sie viel seltener an den kostenlosen Vorsorgeuntersuchungen beim Kinderarzt teil, obwohl sie mehr Auffälligkeiten zeigen. Für Janßen ist das eine »Entwicklung, die in die falsche Richtung läuft«. Er sieht vor allem bei den präventiven Angeboten einen großen Handlungsbedarf. »Die Prävention erreicht nicht die Menschen, die sie am dringendsten benötigen, und vergrößert im Moment eher die Ungleichheit«, sagte er dem »nd«. Um das zu ändern, sollten die Angebote »niederschwelliger und aufsuchend« gestaltet werden. Dazu müssten Informationen stets an die Zielgruppe angepasst werden, da Menschen mit einem niedrigen Bildungsstand zum Beispiel nicht mit einer normalen Informationsbroschüre erreicht werden.

Außerdem sei der Präventionsplan des bayerischen Gesundheitsministeriums unzureichend, kritisiert Janßen. Es werde schlicht nicht deutlich, wie die dortigen Ziele erreicht werden sollen. Man müsse in Zukunft klare Ziele definieren und dann alle zwei bis drei Jahre evaluieren, ob man das vorgegebene Ziel auch erreicht habe. Dies sei umso nötiger, so Janßen, als dass die Ungleichheit bei der Gesundheit längst eine »gesamtgesellschaftliche Frage« sei und mittlere Bildungsgruppen ebenfalls betreffe.

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