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  • Politik
  • Ankaras Krieg gegen die Kurden

Stockende Afrin-Offensive

Trotz stabiler Front fordern Kurden Assad zum Handeln

  • Von Sebastian Bähr
  • Lesedauer: 3 Min.

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Eine Woche nach dem türkischen Einmarsch in dem nordsyrischen und unter kurdischer Verwaltung stehendem Kanton Afrin kann Ankaras Armee weiterhin kaum Geländegewinne verbuchen. »Obwohl dem türkischen Staat alle erdenklichen Mittel zur Verfügung stehen, hat seine Armee bei den seit einer Woche andauernden Gefechten keinen einzigen militärischen Erfolg zu verzeichnen«, hieß es in einer Erklärung des kurdisch-arabischen Militärbündnis »Syrisch-Demokratische Kräfte« (SDF) am Freitag. Laut Beobachtern konnten bisher lediglich vereinzelte Dörfer in Randgebieten erobert werden. Die SDF riefen am Donnerstag türkische Soldaten und mit ihnen verbündete Einheiten der Freien Syrischen Armee auf, sich zu ergeben.

Die anhaltenden türkischen Luft- und Artillerieangriffe stellen derweil eine ernste Gefahr für die Bevölkerung in Afrin dar. Nach SDF-Angaben sind bis zum Freitag 59 Zivilisten ums Leben gekommen, laut der in Großbritannien ansässigen Syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte 38 Zivilisten. Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan erklärte dagegen, dass »kein Blut von Frauen, kein Blut von Unschuldigen« an den Händen des türkischen Militärs klebe. Auch die Infrastruktur des Kantons scheint das Ziel von Angriffen geworden zu sein: Laut Medienberichten befürchten Anwohner in Afrin, dass der »17. April«-Damm in dem Ort Maidanka nach Luftschlägen zusammenbrechen könnte.

Für Überraschung sorgte am Donnerstag eine Erklärung des Ko-Vorsitzenden des Exekutivrats von Afrin, Othman al-Scheich Issa, an die Regierung von Präsident Baschar al-Assad. Damaskus müsse sich demnach der »Aggression entgegenstellen und klarmachen, dass es keine türkischen Flugzeuge im syrischen Luftraum duldet«. Afrin sei ein »untrennbarer Teil Syriens«, sagte der Politiker weiter. »Jeder Angriff auf Afrin ist ein Angriff auf die Souveränität des syrischen Staates.« Noch Tage zuvor hatten Sprecher der Nordsyrischen Föderation erklärt, eine Unterstützung von Assad nicht zu benötigen. Auf Nachfrage erklärte Serzad Hisên vom »Informationszentrum des Afrin-Widerstands« gegenüber »nd«: »Es geht nicht darum, Afrin dem syrischen Staat zu überlassen, sondern sich gemeinsam gegen eine Besatzung von außen zu verteidigen«. Es gebe weiterhin keine militärische Schwächung der SDF, es wäre auch kein »Hilferuf«. »Es ist eine politische Mitteilung, dass die Nordsyrische Föderation sich nicht als separaten Staat gründen möchte, sondern als Föderation innerhalb des syrischen Staates existieren will.« Ob die Anfrage sich nur auf Luftunterstützung oder auch auf mögliche Bodentruppen des syrischen Regimes bezog, war bis zum Freitagnachmittag nicht klar.

Der Ton zwischen den USA und Ankara hat sich indes verschärft. Bei einem Telefongespräch am Mittwoch soll US-Präsident Trump Erdogan aufgefordert haben, sich »deeskalierend« zu verhalten. Einsätze, die »eine Konfrontation zwischen türkischen und amerikanischen Soldaten provozieren« könnten, sollten vermieden werden. Erdogan hatte jüngst angekündigt, seine Offensive auf die gesamte syrische Grenze und den Nordirak ausdehnen zu wollen. US-Soldaten sind unter anderem in der nordsyrischen und unter SDF-Kontrolle stehenden Stadt Manbidsch stationiert, die Erdogan als weiteres Angriffsziel bestimmt hat.

Der Protest im Ausland gegen den türkischen Einmarsch wächst. Am Freitag gab es in Deutschland in mehreren Städten Besetzungen von SPD-Parteibüros. Die Aktionen richteten sich gegen deutsche Rüstungsexporte an die Türkei.

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