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Der Spalter

Am Milliardär und Philanthropen George Soros scheiden sich die Geister

  • Von Niklas Franzen
  • Lesedauer: 4 Min.

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Unmissverständlicher geht es kaum: »Stop-Soros-Paket«. Mitte Januar präsentierte die ungarische Regierung einen Gesetzentwurf, der es künftig möglich machen soll, Ausländer, die sich in Ungarn für Flüchtlinge einsetzen, des Landes zu verweisen. Der Entwurf bezieht sich auf »Organisationen, die die illegale Migration unterstützen«. Mit der jüngsten Initiative feuert Ministerpräsident Viktor Orbán vor allem in Richtung eines Mannes: George Soros. Mal wieder. Der Lieblingsfeind des ungarischen Regierungschefs unterstützt finanziell Flüchtlingsorganisationen. Damit hat er sich rund um die Welt Freunde gemacht - und viele Feinde. Kaum eine Person vereint so gegensätzliche Zuschreibungen wie der Multimilliardär Soros. Für die einen ist er Wohltäter, Philanthrop, Kämpfer für eine liberale Gesellschaft. Für die anderen Landesverräter, Finanzhai, Strippenzieher des Bösen. Wie wurde der 87-Jährige zu einem der beliebtesten und meist gehassten Menschen der Welt?

Geboren wurde Soros 1930 als György Schwartz in einer jüdischen Familie in Budapest. Als die Nazis 1943 die Stadt besetzten, legte sich die Familie eine falsche Identität zu. Angst und Flucht prägten aber auch weiterhin ihr Leben. 1947 floh Soros vor der sowjetischen Besetzung nach London. Beim Studium stieß der junge Mann auf die Schriften von Karl Popper. Das Werk »Die offene Gesellschaft und ihre Feinde« legte den Grundstein für seine kosmopolitische Weltanschauung. Mitte der 1950er Jahre ging Soros in die USA und landete schnell an der Wall Street - allerdings als Mitarbeiter einer Reinigungsfirma. Nach kurzer Zeit fand er jedoch eine Anstellung bei einer Handelsbank und sammelte erste Erfahrungen in der Finanzwelt. Ende der 1960er Jahre lernte Soros seinen Geschäftspartner Jim Rogers kennen und der Stein des Erfolges kam ins Rollen. Die beiden bauten Ende der 1960er Jahre den Quantum-Hedgefonds auf. Durch extreme Risikobereitschaft und geschickte Finanzpolitik entwickelte sich der Fonds zur Nummer 1 unter seinesgleichen. Auch Soros Privatvermögen wuchs kontinuierlich.

Heute ist der gebürtige Ungar mit einem geschätzten Vermögen von 23 Milliarden Dollar einer der reichsten Menschen der Welt. Ein Großteil seines Vermögens machte er mit Wetten auf Währungen und Zinsen. Im Jahr 1992 wettete er, in der Überzeugung, dass das britische Pfund überbewertet sei, gegen die Währung. Der Coup war erfolgreich: Binnen eines Monats verdiente er 1,5 Milliarden US-Dollar. So wurde Soros über Nacht zum »Mann, der die Bank of England brach«. Auch während der Asienkrise verdiente er kräftig mit Spekulationen. Ein Großteil von Soros’ Vermögen fließt in seine Stiftungen, etwa die »Open Society Foundations«. Seit dem Zusammenbruch der Sowjetunion strömt das Geld vor allem nach Osteuropa. Eines seiner ehrgeizigsten Projekte ist die Central European University (CEU), die Soros 1991 als »Ort des freien Lernens« in Budapest aufbaute. Der rechtsnationalen Fidesz-Partei ist dies seit jeher ein Dorn im Auge. Insbesondere Soros‘ Positionen zur Flüchtlingsfrage erhitzen derzeit die Gemüter. 2015 schlug er vor, Flüchtlinge auf alle EU-Mitgliedstaaten zu verteilen und Geld in ihre Integration zu investieren. Soros wurde zur verhassten Symbolfigur vieler Rechter. Der Vorwurf: Er versuche gezielt, Länder mit Flüchtlingen zu »überfluten« und zu »islamisieren«. Die ungarische Regierung erklärte, dass sein Engagement die »christliche und nationale Identität« des Landes bedrohe. Der Investor avancierte zum Staatsfeind Nummer eins. Im vergangenen Sommer klebten überall in Budapest großflächige Poster mit dem lächelnden Konterfei von Soros, daneben die klare Botschaft: »Lassen wir nicht zu, dass Soros am Ende lacht.« Die Auseinandersetzung entwickelte sich in den vergangenen Monaten immer mehr zu einem Duell zwischen dem ungarischen Ministerpräsidenten und dem spendierfreudigen Finanzguru. Ironische Pointe: Orbán studierte einst selbst mit einem Soros-Stipendium in Oxford.

Doch auch in vielen anderen Staaten hat sich Soros nicht nur Freunde gemacht. So zog er für sein Engagement den Zorn von Wladimir Putin auf sich. Der warf seine Stiftungen aus dem Land und nannte ihn »gefährlicher als den IS«. Osteuropäische Ultranationalisten sehen Soros als Kopf einer jüdischen Weltverschwörung. Aber auch Politiker gemäßigter Parteien bedienen mit ihrer Darstellung von Soros als staatszersetzendem Puppenspieler antisemitische Klischees. Als im April 2017 regierungskritische Proteste in Serbien entflammten, war für Präsident Aleksandar Vučić schnell klar, welche finstere Macht dahinter steht: George Soros. Für seine Kritik der israelischen Besatzungspolitik handelte sich der auch eine Schelte Israels ein. Donald Trump wetterte gegen den Multimilliardär, da dieser den US-Demokraten nahesteht. Soros ist scharfen Gegenwind gewohnt und reagiert meist mit stoischer Gelassenheit auf Anfeindungen.

In vielen westlichen Staaten gilt er als Querdenker und Feind der Mächtigen. Zu Recht? Was bei dem Soros-Hype oft untergeht: Der Mäzen ist ein erzliberaler Geschäftsmann. Dennoch: Er warnt regelmäßig vor der Gier der Finanzeliten und einer Ökonomisierung der Gesellschaft. George Soros wird in Zukunft wohl vor allem eins bleiben: Ein Mann, der spaltet.

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