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  • Rechter Akademikerball in Wien

FPÖ und Burschenschaften bitten zum Tanz

Proteste in der österreichischen Hauptstadt Wien gegen rechten Akademikerball

  • Von Michael Bonvalot, Wien
  • Lesedauer: 3 Min.

Einmal im Jahr wird in der Wiener Hofburg das rechte Tanzbein geschwungen. Deutschnationale, rechtsextreme und NS-affine Burschenschaften aus Österreich und Deutschland geben sich aus diesem Anlass ein Stelldichein. Offiziell ausgerichtet wird der Ball von der Landesorganisation Wien der Freiheitlichen Partei Österreichs (FPÖ).

Der Ball der Burschenschaften hat in diesem Jahr besondere Brisanz. Seit Dezember 2017 bildet die FPÖ gemeinsam mit der Österreichischen Volkspartei (ÖVP, der Schwesterpartei von CDU/CSU) die Bundesregierung der Alpenrepublik. Als Stargast am Ball wird Heinz-Christian Strache erwartet, frischgebackener Vizekanzler und Chef der FPÖ, selbst Mitglied der Burschenschaft Vandalia. Neben Strache sind zahlreiche weitere »korporierte« Spitzenkräfte aus der FPÖ angekündigt, etwa Anneliese Kitzmüller, neue dritte Präsidentin des österreichischen Parlaments und Mitglied der »Mädelschaft Iduna zu Linz«.

Dieser hohe Besuch beim Ball und die offizielle Organisation durch die Wiener FPÖ dürfen nicht verwundern. Die Korporierten stellen das personelle und ideologische Rückgrat der »Blauen«. Allein mindestens 19 der 51 FPÖ-Abgeordneten im Parlament stammen aus rechtsextremen Studierendenverbindungen, dazu kommen zahlreiche andere Funktionäre, darunter mehrere Landeschefs der Partei. Auch für die zahlreichen Positionen, die die FPÖ nun im Staatsapparat besetzen kann, werden zu einem großen Teil Burschenschafter nominiert.

Die ideologische Ausrichtung vieler Burschenschaften ist dabei eindeutig. Nur wenige Tage vor dem Ball wurde Österreich von einem weiteren Antisemitismusskandal um ein Liederbuch der Burschenschafter erschüttert, der auch Udo Landbauer trifft, den Spitzenkandidaten der FPÖ bei den Landtagswahlen in Niederösterreich am Sonntag.

Die Bedeutung des Akademikerballs geht weit über Österreich hinaus. Einerseits kommen jedes Jahr zahlreiche rechte Verbindungsbrüder aus Deutschland nach Wien, andererseits gilt er auch als Schaulaufen der internationalen Rechtsaußenszene. In der Vergangenheit waren etwa Marine Le Pen vom Front National, Filip Dewinter vom belgischen Vlaams Belang oder der im Westen zum Putin-Vordenker ernannte russische Rechtsextreme Alexander Dugin zu Gast.

Seit inzwischen zehn Jahren demonstrieren in Wien jedes Jahr mehrere tausend Menschen gegen den Akademikerball. Aufgrund der Regierungsbeteiligung der FPÖ könnten die Proteste in diesem Jahr besonders groß ausfallen. Die Polizei jedenfalls versuchte im Vorfeld ein Angstszenario zu schüren. So behauptete Wiens Polizeipräsident Gerhard Pürstl, in seiner Jugend selbst mehrere Monate in einer rechten Studierendenverbindung, dass es in Hamburg und anderswo in Deutschland große Mobilisierungen gegen den Ball geben würde. Es wäre eine Rache für die Anwesenheit österreichischer Polizisten bei den G20-Protesten. Belege für diese Behauptung konnte die Wiener Polizei auf nd-Anfrage allerdings keine vorlegen.

Organisiert werden die Protestaktionen von der »Offensive gegen Rechts« (OGR), einem Bündnis aus links-sozialdemokratischen, kommunistischen und trotzkistischen Organisationen. Das Motto der Demonstration: »FPÖ-Burschiball blockieren. Nein zur schwarz-blauen Regierung der Reichen«. Käthe Lichtner von der OGR sagt gegenüber »nd«: »Für uns ist völlig undenkbar, dass dieser Ball ohne unsere Proteste über die Bühne geht.« Für die OGR-Sprecherin ist es »gerade in diesem Jahr notwendig, lautstark gegen Rassismus, Sozialabbau und diese Regierung der Reichen und Eliten auf die Straße zu gehen«.

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