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Man nannte ihn Benjamin

Erhard Stenzel erzählt

  • Von Karlen Vesper
  • Lesedauer: 2 Min.

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Fritz« hießen die deutschen Aggressoren in der Sowjetunion, »Krauts« wurden sie (nach deren vermeintlichem Lieblingsgemüse) auf der britischen Insel geschimpft, die unter Hitlers »Wunderwaffe«, den V 1 und V 2-Raketen, litt. Und als »Boches« bezeichnete man die Eindringlinge in Frankreich. Ihn aber nannte man dort Benjamin: Erhard Stenzel. Weil er der Jüngste in seiner Einheit war. Heute ist er der letzte noch lebende deutsche Résistancekämpfer. Wie es den gebürtigen Sachsen in den französischen Widerstand verschlug, erzählt ein Film, der dank des Brandenburger Bildungsministeriums und des Potsdamer Vereins zur Förderung antimilitaristischer Traditionen zustande kam.

So verdienstvoll und wichtig etwa die am Internationalen Gedenktag an die Opfer des »Nationalsozialismus« im Hauptquartier der Vereinten Nationen in New York eröffnete Ausstellung mit Fotografien von Shoah-Überlebenden ist, die Luigi Toscano weltweit machte, wie beredt ebenso die just im Pariser Domizil der UNESCO im Rahmen der Exposition »Stolen Memory« präsentierten Gegenstände von KZ-Häftlingen auch sein mögen - so lange die Zeugen faschistischer Barbarei und Welteroberungsgelüste noch unter uns leben, sollte man sie zu Wort kommen lassen. Wie es dieser knapp einstündige Film vorbildlich demonstriert.

Viele Interessierte, darunter einige jüngere, kamen, um ihn sich im Beisein des Helden in der Begegnungsstätte in Falkensee anzuschauen. Dass diese Stadt im Havelland nazifrei ist, verdankt sich übrigens gerade auch des engagierten Einsatzes von Stenzel, der Ungeist und Unwesen erlebt hatte und als Stadtverordneter keine Wiederkehr dulden wollte.

Der Streifen beginnt mit seiner Geburt am 5. Februar 1925 in der Bergarbeiterstadt Freiberg in einer proletarisch-kommunistischen Familie. Stenzel sucht mit dem Philosophen und Bundestagsabgeordneten Harald Petzold Stätten der Kindheit auf und berichtet, wie am 2. Mai 1933, als die SA deutschlandweit Gewerkschaftler verhaftete, auch sein Vater verschleppt wurde. Stenzel sollte ihn nie wiedersehen. Aus Frankreich nach Deutschland zurückgekehrt - »eine einzige Trümmerwüste, nur Freiberg schien verschont« -, wird er von der Mutter erfahren, dass der Vater in Buchenwald ermordet worden ist. 20 Lenze zählte Stenzel da, »ein junger Mann, der alles noch vor sich hat und doch schon alles hinter sich«, so der Filmkommentar.

1943 ist er in Rouen aus der Wehrmacht desertiert, nach gründlicher Prüfung nehmen ihn die Résistancekämpfer auf. Mit ihnen gelangt er zwei Tage nach dem SS-Massaker nach Oradour-sur-Glane; das grausige Verbrechen an Zivilisten bestärkt seinen Kampfesmut. Schließlich ist Stenzel bei der Befreiung von Paris dabei. - Ein berührender Film, der in Schulen gezeigt werden sollte.

»Man nannte mich Benjamin. Erhard Stenzel«, DVD, 52 Minuten; über DIE LINKE Brandenburg erhältlich

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