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Scheinwerfer und Nebelkerzen

Stephan Fischer über einen polnischen Gesetzentwurf zur Geschichte

  • Von Stephan Fischer
  • Lesedauer: 1 Min.

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Wenn der polnische Gesetzentwurf, der bereits seit anderthalb Jahren beraten wird, den Scheinwerfer auf die deutsche Verantwortung für die Schoah richtet, ist daran zunächst nichts Falsches: die Titulierung als »polnische Lager« für deutsche Mordstätten auf dem von Nazi-Deutschland besetzten polnischen Staatsgebiet ist entweder historisch ignoranter Unsinn oder eine bösartige Lüge. Leuchtet man historische Räume aber mit Scheinwerfern aus, sollte man in Betracht ziehen, dass die unausgeleuchteten Räume umso dunkler bleiben.

Die diplomatischen Verwicklungen zwischen Polen und Israel drehen sich auch um solche mögliche Verdunkelung. Charlotte Knobloch formuliert es so: Das Gesetz hat seine Berechtigung, »aber es darf keine Nebelkerze sein«. Antisemitismus gab und gibt es in allen europäischen Gesellschaften, auch der polnischen. Es muss möglich bleiben, darüber zu forschen, zu berichten und zu sprechen. Die Idee, den »guten Ruf« Polens im Ausland vor Halbwahrheiten und Lügen zu schützen, ist angesichts der Monstrosität deutscher Verbrechen verständlich. Sie darf aber nicht dazu führen, dass die Beschäftigung mit Grautönen der Geschichte untersagt und verhindert wird, um ein Schwarz-Weiß-Narrativ zu etablieren. Keine Gesellschaft ist in ihrer Gänze blütenweiß, keine Geschichte perfekt.

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