Werbung

Auf Spurensuche in Marzahn

Mit einer Performance thematisieren Schüler die Verfolgung von Sinti und Roma zur NS-Zeit

  • Von Jérôme Lombard
  • Lesedauer: 3 Min.

Echt jetzt? Ihr wollt Geld von mir?

Ja, herrgottnochmal, es kostet!

Auch, wenn's nervt – wir müssen die laufenden Kosten für Recherche und Produktion decken.

Also, mach mit! Mit einem freiwilligen regelmäßigen Beitrag:

Was soll das sein

Wir setzen ab sofort noch stärker auf die Einsicht der Leser*innen, dass linker Journalismus auch im Internet nicht gratis zu haben ist – mit unserer »sanften« nd-Zahlschranke.

Wir blenden einen Banner über jedem Artikel ein, verbunden mit der Aufforderung sich doch an der Finanzierung und Sicherstellung von unabhängigem linkem Journalismus zu beteiligen. Ein geeigneter Weg besonders für nd-Online-User, die kein Abo abschließen möchten, die Existenz des »nd« aber unterstützen wollen.

Sie können den zu zahlenden Betrag und die Laufzeit frei wählen - damit sichern Sie auch weiterhin linken Journalismus.

Aber: Für die Nutzung von ndPlus und E-Paper benötigen Sie ein reguläres Digitalabo.

Es ist ein unscheinbarer Ort zwischen Plattenbauten und S-Bahngleisen. Auf dem Areal des heutigen Otto-Rosenberg-Platzes, unmittelbar hinter dem Bahnhof Raoul-Wallenberg-Straße, befand sich von 1936 bis 1945 das Zwangslager für Sinti und Roma in Marzahn-Hellersdorf.

Kurz vor den Olympischen Spielen im Sommer 1936 verschleppten die Nationalsozialisten Angehörige der beiden Volksgruppen aus ganz Berlin auf den »Rastplatz Marzahn«, wie das Sammellager im Nazi-Jargon zynisch genannt wurde. Die damalige Reichshauptstadt sollte angesichts der erwarteten Gäste aus aller Welt »zigeunerfrei« sein. Schätzungsweise 1000 bis 1200 Sinti und Roma mussten in selbst gezimmerten Baracken unter menschenunwürdigen Bedingungen auf den ehemaligen Rieselfeldern außerhalb der Stadt hausen. Die ersten Familien von Sinti und Roma wurden Recherchen von Historikern zufolge im März 1943 aus dem Lager Marzahn deportiert. Die meisten von ihnen wurden später im Vernichtungslager Auschwitz ermordet.

»Die Festsetzung der Sinti und Roma auf diesem Platz war der erste Schritt zu ihrer systematischen Verfolgung und Vernichtung«, sagt Susanne Chrudina. Dennoch sei der Ort mit seiner Geschichte in Berlin und im Bezirk kaum jemandem bekannt. Das wollte die 45-jährige Regisseurin und Leiterin der Berliner Theatercompagnie »Spreeagenten« ändern. Gemeinsam mit sieben Schülern der Ernst-Häckel-Schule hat sich Chrudina mit ihrem Ensemble auf Spurensuche im Bezirk begeben. Entstanden ist daraus die Theaterperformance »Rastplatz Marzahn«, die im Oktober des vergangenen Jahres Premiere gefeiert hat. Am Mittwoch wird das Stück im Rahmen des Jugendforums denk!mal im Abgeordnetenhaus erstmals einem breiteren Publikum vorgestellt.

»Es geht uns darum, einen Beitrag zur Erinnerung an die Verfolgungsgeschichte der Sinti und Roma zu leisten«, sagt die gebürtige Tschechin Chrudina. Man wolle zudem einen Bogen zu der heutigen Situation dieser Minderheit in Europa schlagen.

In dem szenischen Stück werden die Schüler zwischen 15 und 18 Jahren selber zum Medium für die Erinnerungen von Zeitzeugen aus dem einstigen Zwangslager. Schicksale wie das von Otto Rosenberg, der als Jugendlicher mit seiner Familie in dem Lager in Marzahn interniert worden war, verbinden sich in der Performance mit den professionellen Schauspielern zu Bildern und Videos.

»Unsere Performance versucht, das ehemalige Zwangslager erfahrbar zu machen und die schrecklichen Umstände dem Zuschauer näherzubringen«, sagt Regisseurin Chrudina. Vivian Heine ist von dem Projekt begeistert. »Der Geschichtsunterricht ist meistens langweilig. Durch unser Theaterstück wird die Geschichte für mich wirklich erlebbar«, sagt die 18-jährige Schülerin, die bereits zum zweiten Mal bei einer Performance der »Spreeagenten« mitspielt.

In »Rastplatz Marzahn« kommen Zeitzeugen zu Wort, die zum Zeitpunkt ihrer Inhaftierung Kinder und Jugendliche waren. Das hat die 18-jährige Emelie Stein sehr bewegt. »Ich habe jetzt eine Vorstellung davon, wie es damals in dem Lager gewesen sein könnte«, sagt die angehende Schauspielerin.

ndPlus

Ein kleiner aber feiner Teil unseres Angebots steht nur Abonnenten in voller Länge zur Verfügung. Mit Ihrem Abo haben Sie Vollzugriff auf sämtliche Artikel seit 1990 und helfen mit, das Online-Angebot des nd mit so vielen frei verfügbaren Artikeln wie möglich finanziell zu sichern.

Testzugang sichern!

Noch kein Abo?

Jetzt kostenlos testen!

14 Tage das »nd« gratis und unverbindlich als App, digital oder gedruckt.

Kostenlos bestellen

nd-Kiosk-Finder