Werbung
  • Politik
  • Österreich nach der Wahl

Rechte Medien stellen kritische Journalist*innen an den Pranger

Wie FPÖ-nahe Websiten in Österreich Kampagnen gegen linke Medienmacher*innen lostreten

  • Von Robert D. Meyer
  • Lesedauer: 3 Min.

Echt jetzt? Ihr wollt Geld von mir?

Ja, herrgottnochmal, es kostet!

Auch, wenn's nervt – wir müssen die laufenden Kosten für Recherche und Produktion decken.

Also, mach mit! Mit einem freiwilligen regelmäßigen Beitrag:

Was soll das sein

Wir setzen ab sofort noch stärker auf die Einsicht der Leser*innen, dass linker Journalismus auch im Internet nicht gratis zu haben ist – mit unserer »sanften« nd-Zahlschranke.

Wir blenden einen Banner über jedem Artikel ein, verbunden mit der Aufforderung sich doch an der Finanzierung und Sicherstellung von unabhängigem linkem Journalismus zu beteiligen. Ein geeigneter Weg besonders für nd-Online-User, die kein Abo abschließen möchten, die Existenz des »nd« aber unterstützen wollen.

Sie können den zu zahlenden Betrag und die Laufzeit frei wählen - damit sichern Sie auch weiterhin linken Journalismus.

Aber: Für die Nutzung von ndPlus und E-Paper benötigen Sie ein reguläres Digitalabo.

Sonntagabend in Österreich: Die ersten Zahlen zu den Landtagswahlen in Niederösterreich treffen ein. Wie so oft in der jüngeren Geschichte des Alpenlandes gibt es wieder eine Rechtsruck. Die rechtspopulistische FPÖ kann ihr Wahlergebnis um rund sechs Prozentpunkte auf 14,8 Prozent steigern. Besonders aufhorchen lässt, dass sich kurz vor diesem Urnengang selbst Bundespräsident Alexander van der Bellen einschaltete und den FPÖ-Spitzenkandidaten Udo Landbauer zum Rückzug aufforderte. Der 31-Jährige steht in der Kritik, seit die Wochenzeitung Falter aufdeckte, dass die rechte Burschenschaft Germania in ihren Liederbüchern antisemitische und hetzerische Liedtexte abdruckte. FPÖ-Frontmann Landbauer war ihr stellvertretender Vorsitzender. Doch der Eklat schien die Wählerschaft nicht zu interessieren.

Unter diesen frustrierenden Bedingungen schrieb die Journalistin Hanna Herbst auf Twitter ein Statement, das für sie noch Folgen haben sollte: »FPÖ verdoppelt sich. Dieses Land sollte einfach nicht existieren. #ltw18«, so die stellvertretende Chefredakteurin des österreichischen Vice-Magazins. Dass ihre Twitterbotschaften nicht frei von Ironie sind, verrät die linke Journalistin bereits mit ihrem Twitternamen. Auf dem Kurznachrichtendienst nennt sie sich HHumorlos.

Eben diese Humorlosigkeit bewiesen in der Folge die Kritiker*innen von Herbst. Dem »Wochenblick«, einer Online-Zeitung die der rechten FPÖ sehr wohlwollend gegenübersteht, war der der »Anti-Österreich-Tweet« gar einen eigenen Beitrag wert. Die Stoßrichtung des Artikels wird schnell klar. So wird ein Kollege, der Herbst lediglich mit den Worten »Versteh was du meinst« antwortet, als »Polit-Journalist des durch Zwangsgebühren finanzierten Rundfunks« bezeichnet. Kritiker*innen der Äußerungen seien dagegen »österreichische Patrioten«, die Herbst als »Hass-Hanna« bezeichneten.

Andere rechte Medienseiten rufen ihre Leser*innen nun dazu auf, Herbst ihre Meinung mitzuteilen. Auch das rechte Magazin gegenargument.at, dass sich selbst als »politisch nicht korrekte Internet-Seite für Österreichs Jugend« bezeichnet, stachelt die Hasswelle gegen Herbst an. Wie die Äußerungen der Leserschaft einer Website, die etwa die Themenrubrik »Überfremdung« führt, ausfallen, kann sich jeder denken.

Die Prangerwirkung dieser Texte verfehlen nicht ihre Wirkung. Selbst FPÖ-Vizekanzler Heinz-Christian Strache teilte den Beitrag des »Wochenblick« kommentarlos auf seiner privaten Facebookseite, was die fast 40.000 Menschen, die ihm folgen, zu wüsten Beschimpfungen gegen die Journalistin animierte.

Herbst indes geht mit der Kampagne gegen sie erstaunlich gelassen um. Erst am Montag setzte sie einen weiteren ironischen Tweet ab: »Österreich ist das schönste Land der Welt und aus Österreich ist bisher nur Gutes gekommen und Schnitzel auch super und auch Kaiserschmarren und Jodeln und überhaupt«.

Die rechte Kampagne gegen Herbst ist Teil einer »Hasswelle«. Medienmacher, die der österreichischen ÖVP-FPÖ-Regierung kritisch gegenüberstehen, waren zuletzt immer wieder Opfer massiver Anfeindungen geworden. Erst am Freitag traf es die Journalistin Colette M. Schmidt von der linksliberalen österreichischen Tageszeitung »Standard«. Nach Angaben der Zeitung recherchiert sie seit Jahren zu Rechtsextremismus im Alpenland. Erst am 26. Januar schrieb Schmidt über Mitarbeiter*innen von FPÖ-Politiker*innen im Nationalrat, die Mitglieder in Burschen- und Mädelschaften sind.

Auch hier folgte eine Hasswelle gegen die Journalistin. Das Muster ähnelt den Anfeindungen, die sich derzeit gegen Herbst richten. So veröffentlichte der »Ring Freiheitlicher Jugend Steiermark« (RFJ) auf seiner Facebookseite folgende Aufforderung samt eines Fotos von Schmidt. »Das ist Colette. Colette schreibt für den Standard und stellt gerne FPÖler an den Pranger.« Weiter hieß es: »Falls ihr Colette etwas zu sagen habt, dann bitte unter ...« Zuletzt werden ihre Kontaktdaten genannt. Am Montagnachmittag wurde der Beitrag gelöscht. Bei der RFJ handelt es sich um die Jugendorganisation der rechten FPÖ. Derzeitiger Bundesobmann der RJF ist übrigens Udo Landbauer – der FPÖ-Politiker, der auch der Burschenschaft mit den antisemitischen Liedtexten vorstand.

ndPlus

Ein kleiner aber feiner Teil unseres Angebots steht nur Abonnenten in voller Länge zur Verfügung. Mit Ihrem Abo haben Sie Vollzugriff auf sämtliche Artikel seit 1990 und helfen mit, das Online-Angebot des nd mit so vielen frei verfügbaren Artikeln wie möglich finanziell zu sichern.

Testzugang sichern!

Die Serie aus dem studentischem Kosmos.

Leben trotz Studium?!

Jetzt 14 Tage das »nd« gratis und unverbindlich als App, digital oder gedruckt lesen und keine Folge verpassen.

Kostenlos bestellen!