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Wenn Rohstoffe wirtschaftsstrategisch sind

Wegen der Knappheit in Deutschland fördert die Bundesregierung Ressourceneffizienz

  • Von Hermannus Pfeiffer
  • Lesedauer: 3 Min.

»Deutschland ist arm an Rohstoffen.« Dieser oft gehörte Satz entspricht in seiner Einfachheit so nicht der Wirklichkeit und muss daher »stark relativiert« werden, heißt es in der Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (BGR) in Hannover. Zwar produziere Deutschland derzeit nur verschwindend geringe Mengen an Metallerzen, könne aber auf ein großes Sekundärangebot an Metallen aus dem Recycling bauen. Auch bei den Energierohstoffen - Erdgas, Erdöl und Kohle - werde zumindest ein Teil noch in Deutschland gewonnen. Zudem verfüge die Bundesrepublik weiterhin über bedeutende Vorräte an Braun- und Steinkohlen.

Noch besser sieht es laut BGR bei Baurohstoffen und Industriemineralen aus. Bei allen Baurohstoffen ist Deutschland ein bedeutender Produzent, von Importen unabhängig und verfügt über weitreichende Vorräte. Auch einige Industrieminerale wie Stein- und Kalisalz, Kaolin, Feld- und Schwerspat, Graphit sowie Quarzrohstoffe kommen hierzulande natürlich vor, stehen in Abbau und reichen teils zur Deckung des Bedarfs.

Trotz dieser insgesamt positiven Lagebeschreibung hat das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) im Jahr 2012 das Forschungs- und Entwicklungsprogramm »Wirtschaftsstrategische Rohstoffe für den Hightech-Standort Deutschland« aufgelegt. Mehrere Forschungsinstitute und Vertreter der Industrie arbeiten daran, das Angebot an Hochtechnologie-Rohstoffen weltweit zu analysieren und zu erhöhen. Die Initiative »r4 Wirtschaftsstrategische Rohstoffe« - »r4« bedeutet, dass es sich um das vierte Förderprogramm im Bereich Ressourceneffizienz handelt - soll die Lage klären. Und die ist selbst bei den Hochtechnologie-Rohstoffen besser als oft angenommen, wie auf einer »Statuskonferenz« zu der Fördermaßnahme am Dienstag in Berlin mitgeteilt wurde. Zwar sei die Wirtschaft von Importen abhängig, aber »im Moment ist die Versorgung noch nicht kritisch«, sagt Hildegard Wilken vom BGR. Sie leitet den Fachbereich »Geologie der mineralischen Rohstoffe« und gehört zu den führenden Köpfen des r4-Projektes.

Dazu gehört auch die Deutsche Rohstoffagentur (DERA), die ebenfalls in Hannover ihre Zentrale hat. Die wirtschaftsnahe öffentliche Agentur führt eine sogenannte Rote Liste und verfolgt ständig, welche Rohstoffe »potenziell kritisch werden könnten«. Dazu gehören Tantal und Kobalt, die etwa für Batterien für Elektroautos notwendig sind und aktuell fast ausschließlich in afrikanischen Krisenregionen gefördert werden. Das Rohstoffmonitoring der DERA sieht darin ein Gefährdungspotenzial für die Versorgung der deutschen Industrie.

Doch im Kapitalismus hat alles seinen Preis. Die klassischen Erzlagerstätten in Erzgebirge, Harz, Schwarzwald und Siegerland wurden in den 1990er Jahren eingestellt - aus wirtschaftlichen Gründen, aufgrund zu niedriger Metallpreise. »Es gibt in der Tat auch Hightech-Rohstoffe in deutschen Vorkommen«, sagt BGR-Expertin Wilken gegenüber »nd«. »Aber aktuell sind sie nicht wirtschaftlich.« Das gilt - wie auch für Rohstoffe aus dem Meer - solange, wie die Preise auf dem Weltmarkt relativ niedrig bleiben. Auch sind die Technologien noch nicht reift dafür, um sinkende Metallgehalte in Erzkörpern in immer größeren Tiefen wirtschaftlich abzubauen. »Aber grundsätzlich haben wir in Deutschland Potenziale.«

Besondere Hoffnungen im r4-Projekt ruhen auf einer Lagerstätte in Sachsen mit Indium, Wolfram und Zinn, die wegen ihrer Feinkörnigkeit bislang noch nicht als »aufbereitbar« gilt. Der Umfang des Vorkommens bewege sich im »Weltmaßstab«. Auch das Recycling von früheren Bergwerksablagerungen, Elektronikschrott und der Asche aus Müllverbrennungsanlagen biete viele Möglichkeiten.

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