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Therapietreu mit Einzeldosis

Antibiotika erreichen die optimale Wirkung auch schon nach kürzeren Einnahmezeiten als bisher gedacht

  • Von Eric Breitinger
  • Lesedauer: 3 Min.

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Länger einnehmen ist besser. Nach dieser Devise verschreiben nach wie vor viele Ärzte Antibiotika. Viele raten ihren Patienten auch, eine angefangene Packung Antibiotika ganz aufzubrauchen, selbst wenn es ihnen bereits besser geht. Dahinter steht der Gedanke, dass eine längere Behandlungsdauer bei einer Infektion möglichst alle Bakterien im Körper abtötet und so die Rückkehr der Krankheit verhindert.

»Diese Faustregel ist überholt«, stellt nun die Deutsche Gesellschaft für Infektiologie in einer Empfehlung zum herkömmlichen Antibiotika-Einsatz fest. Die Fachgesellschaft verweist darauf, dass Untersuchungen der letzten Jahre immer mehr Belege geliefert haben, dass bei vielen Infektionen eine kürzere Einnahmezeit genauso wirksam sei wie eine längere. Zum Beispiel zeigte eine Studie im renommierten US-Fachmagazin »Jama« aus dem Jahr 2016, dass fünf Tage Einnahmezeit bei Lungenentzündungen genauso viel nutzen wie zehn Tage.

Auch für Nicolas Müller, den Präsidenten der Schweizer Gesellschaft für Infektiologie, lässt sich bei vielen Infektionen die bisher übliche Behandlungsdauer von 10 bis 14 Tagen verkürzen. Der Professor für Infektiologie am Universitätsspital Zürich erklärt, dass in den meisten Fällen fünf bis sieben Tage genug sind. Diese Erkenntnis setze sich allmählich in den ärztlichen Fachgesellschaften durch. Sie passten ihre Behandlungsrichtlinien an. Ausgenommen vom Gebot der Kürze bleiben indes schwere Entzündungen etwa des Knochenmarks oder der Herzklappe. Diese muss man meist längere Zeit mit Antibiotika behandeln. Müller betont jedoch, dass Patienten nicht einfach aufhören sollten, die Medikamente zu nehmen, sondern dies im Gespräch mit dem Arzt festlegen sollten.

Kürzere Antibiotika-Therapien haben Vorteile. Gerd Fätkenheuer, der Vorsitzende der Deutschen Gesellschaft für Infektiologie und Leiter der Infektiologie an der Universitätsklinik Köln, betont, dass durch verkürzte Einnahmezeiten weniger resistente Erreger entstehen: »Je länger die Bakterien dem Selektionsdruck durch den antibakteriellen Wirkstoff ausgesetzt sind, desto wahrscheinlicher überleben resistente, gegen alle Mittel unempfindliche Erreger.«

Jedes Jahr erkranken in Deutschland laut Hochrechnungen etwa des Nationalen Referenzzentrums an der Berliner Charité mehrere Tausend Patienten an entsprechenden Infektionen, gegen die Antibiotika nichts mehr ausrichten können. Patienten vermeiden durch eine kürzere Einnahmezeit zudem mögliche Nebenwirkungen. Antibiotika verursachen häufig Durchfall, Hautrötungen, Magen-Darm- und Nierenprobleme.

Zudem ließen sich Kosten sparen. Allerdings sind viele Antibiotika bisher nur in größeren Packungen erhältlich. Kleinere Packungen oder die Einzelabgabe wären nützlich. Das belegt eine kürzlich veröffentlichte französische Studie. Für die Untersuchung haben Ärzte 14 verschiedene Antibiotika einzeln an Testpersonen abgegeben. Eine Vergleichsgruppe bekam die Tabletten in Großpackungen. Unterm Strich senkte die Einzelabgabe die Anzahl abgegebener Antibiotika um zehn Prozent. Es kam ein weiterer Vorteil hinzu: Nur zwei Drittel der Patienten, die die Großpackung bekamen, nahmen ihre Tabletten wie verordnet ein. Bei den Testpersonen, die Antibiotika in Einzeldosen erhielten, waren es 90 Prozent. Anders gesagt: Die Einzelabgabe animiert Patienten dazu, nötige Medikamente zuverlässig einzunehmen.

Mit Antibiotika lassen sich bakterielle Infektionen bekämpfen. Die antibakteriellen Wirkstoffe in den Medikamenten töten krank machende Bakterien oder verzögern ihr Wachstum. Immer wieder verschreiben Ärzte Antibiotika auch gegen virale Erkrankungen, obwohl dies nutzlos ist. Viren verursachen das Gros der Mandelentzündungen, viele Formen der Grippe, Erkältungen und Magen-Darm-Beschwerden.

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